Genitalreflex
Englisch: genital reflex
Definition
Der Genitalreflex umfasst autonome und somatomotorische Reflexantworten auf sexuelle Reize der äußeren Genitalorgane und ist an Erektion, Lubrikation und Orgasmus beteiligt. Er wird durch Reizung der sensiblen Nervenendigungen der äußeren Geschlechtsorgane ausgelöst und ermöglicht die Kohabitation.
Physiologie
Der sensible afferente Schenkel ist der Nervus pudendus, die spinalen Reflexzentren liegen vor allem in den sakralen Segmenten S2–S4 des Rückenmarks. Von dort erfolgt eine Umschaltung auf efferente parasympathische Neurone, sympathische und somatomotorische efferente Bahnen. Parallel dazu erfolgt eine Weiterleitung an supraspinale Zentren. Der Nervus pudendus enthält darüber hinaus auch somatische Neurone zur Innervation des Beckenbodens.
Umgekehrt können Sinneseindrücke und Imagination über supraspinale Zentren parasympathische Fasern aus dem sakralen Rückenmark aktivieren. Penis, Klitoris, Scheidenvorhof und Labien werden durch die Nervi splanchnici pelvici versorgt. Die sympathischen Fasern aus dem thorakalen und lumbalen Rückenmark führen über den Nervi splanchnici lumbales zu Penis und Uterus.
Die sexuelle Reaktion wird klassisch nach Masters und Johnson in Erregungs-, Plateau-, Orgasmus- und Rückbildungsphase eingeteilt.
Genitalreflexe bei der Frau
Der Genitalreflex bei der Frau unterliegt psychischen, somatischen und vegetativen Einflüssen. Die Dauer und Intensität der einzelnen Phasen sind bei der Frau deswegen individuell sehr unterschiedlich. Durch sexuelle Erregung kommt es in der ersten Phase zu einer venösen Kongestion in den Labia majora, sodass diese nach vorne auseinanderweichen. Die Labia minora nehmen an Größe zu und werden sichtbar. Die Klitoris retrahiert teilweise unter die Klitorisvorhaut. Die Vagina elongiert und erweitert sich.
In der Lubrikationsphase produziert die Vagina durch Transsudation aus subepithelialen Gefäßen in Zusammenwirken mit den Bartholini-Drüsen eine muköse Flüssigkeit, die für eine schmerzlose Kohabitation erforderlich ist.
Mit zunehmender Erregung kommt es zur Orgasmusphase. Der Uterus richtet sich bei Erregung auf, sein Hals entfernt sich von der hinteren Vaginalwand, sodass ein freier Raum zur Aufnahme des Samens besteht.
Genitalreflexe beim Mann
Durch aktive, parasympathische Dilatation der Arteriolen und Sinusoide in den Schwellkörpern kommt es zu einer starken Füllung der Venen, deren Abfluss durch die feste Bindegewebshülle gedrosselt ist, zur Erektion. Die Dilatation der Arteriolen erfolgt durch eine Erschlaffung ihrer glatten Muskulatur mittels NO, das über ein cGMP-System wirkt. cGMP wird durch die Phosphodiesterase-5 abgebaut. Emissionsphase und Ejakulationsphase sind zur Orgasmusphase zusammengefasst.
Die Reizung der Sexualorgane löst reflektorisch eine Erregung sympathischer Efferenzen aus, die zu Kontraktionen von Nebenhoden, Ductus deferens, Prostata und Vesicula seminalis führen.
Klinik
Störungen des Genitalreflexes können bei Läsionen des sakralen Rückenmarks, diabetischer Neuropathie, multipler Sklerose oder sexuellen Funktionsstörungen auftreten.