Eosinophiler Granulozyt
Synonym: Eosinophiler, Granulocytus eosinophilicus
Englisch: eosinophilic leukocyte
Definition
Eosinophile Granulozyten sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bzw. Granulozyten, die eosinophile Granula in ihrem Zytoplasma aufweisen. Sie werden zum unspezifischen zellulären Immunsystem gezählt.
siehe auch: Differentialblutbild
Morphologie
Reife eosinophile Granulozyten haben einen Durchmesser von etwa 8 bis 10 μm und besitzen einen brillenförmigen, meist bilobulär segmentierten Zellkern. Ihr am meisten hervorstechendes Merkmal sind die zahlreichen intrazellulären Granula. Sie enthalten basische Proteine, die in der Pappenheim-Färbung den Farbstoff Eosin binden, der für die leuchtend orange-rote Farbe der Zelleinschlüsse verantwortlich ist.
Entstehung
Eosinophile Granulozyten entwickeln sich im Rahmen der Eosinophilopoese aus oligopotenten myeloischen Stammzellen (CMP) im Knochenmark. Aus diesen Stammzellen entstehen uni- oder bipotente Stammzellen, die Zellkolonien bilden ("CFU" für "colony-forming units"). Die Zellkolonie für die Bildung von eosinophilen Granulozyten wird als CFU-Eo bezeichnet. Aus ihr entstehen die Eosinophiloblasten, die sich schließlich zu eosinophilen Granulozyten differenzieren.
Funktion
Eosinophile Granulozyten spielen eine wichtige Rolle bei der Steuerung allergischer Reaktionen sowie bei der Abwehr von Parasiten und beim Abbau von Fibrin bei Entzündungsreaktionen. Ferner sind sie bei der Immunreaktion auf Virusinfektionen beteiligt, da sie in ihren Granula auch RNasen enthalten.
Physiologie
Eosinophile Granulozyten werden chemotaktisch angelockt und unter anderem durch IgE-Antikörper zur Exozytose stimuliert. Sie haben jedoch auch die Fähigkeit zur Phagozytose. Ihre Aktivierung erfolgt vor allem im Rahmen einer Typ-2-Immunantwort. Zentrale Mediatoren sind Interleukin-5 (IL-5), Interleukin-4 (IL-4) und Interleukin-13 (IL-13), die überwiegend von TH2-Zellen und ILCs ausgeschüttet werden. IL-5 fördert die Differenzierung, die Aktivierung, das Überleben und die Rekrutierung eosinophiler Granulozyten.
Nach Aktivierung setzen eosinophile Granulozyten zytotoxische Granulaproteine, Zytokine, Leukotriene und reaktive Sauerstoffspezies frei. Dazu zählen u.a.:
- Major Basic Protein (MBP)
- Eosinophiles kationisches Protein (ECP)
- Eosinophile Peroxidase (EPO)
- Eosinophil-derived Neurotoxin (EDN)
Durch die Ausschüttung dieser Substanzen tragen sie zur Abwehr von Parasiten und Mikroorganismen bei, können jedoch auch Gewebeschäden verursachen.
Labormedizin
Eosinophile Granulozyten machen im Differentialblutbild ca. 1–4% der Zellen aus. Das entspricht etwa 20–400 Zellen pro µl Blut. Ausschlaggebend ist der vom Labor angegebene Referenzwert.
Eine Erhöhung der Eosinophilenzahl wird als Eosinophilie bezeichnet, bei stark erniedrigten Konzentrationen spricht man von einer Eosinopenie.
Klinik
Der häufigste Grund für eine Eosinophilie sind allergische Reaktionen, z.B. bei Asthma bronchiale oder atopischer Dermatitis. Eine ausgeprägte Eosinophilie mit Infiltration verschiedener Gewebe findet man beim hypereosinophilen Syndrom, beim Löffler-Syndrom und bei der eosinophilen Granulomatose mit Polyangiitis.
Bildquellen
- "Eosinophile Granulozyten" mit freundlicher Genehmigung der Firma Sysmex