Daraxonrasib
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LoslegenHandelsname: Rasonque® (USA)
Synonym: RMC-6236
Englisch: daraxonrasib
Definition
Daraxonrasib ist ein antineoplastischer Arzneistoff aus der Gruppe der RAS-Inhibitoren. Er wird zur Behandlung RAS-mutierter solider Tumoren eingesetzt. In den USA ist der Wirkstoff seit August 2026 zur Behandlung des vorbehandelten metastasierten Pankreasadenokarzinoms zugelassen.
Chemie
Die Summenformel ist C44H58N8O5S. Die molare Masse beträgt 811,06 g/mol. Der chemische Name lautet (1S,2S)-N-[(12M,4S,63S)-11-ethyl-12-{2-[(1S)-1-methoxyethyl]-5-(4-methylpiperazin-1-yl)pyridin-3-yl}-10,10-dimethyl-5,7-dioxo-11H-8-oxa-1(5,3)-indola-6(1,3)-[1,2]diazinana-2(4,2)-[1,3]thiazolacycloundecaphan-4-yl]-2-methylcyclopropan-1-carboxamid (IUPAC).
Wirkmechanismus
Daraxonrasib hemmt zahlreiche RAS-Mutationen (G12X, G13X, Q61X; z.B. KRAS G12D, G12V, G12R) sowie Wildtyp-RAS, indem er gemeinsam mit Cyclophilin A (CypA) an aktives, GTP-beladenes RAS bindet. Deshalb wird er auch als RAS(ON)-Inhibitor bezeichnet. Er verhindert dadurch die Interaktion von RAS mit nachgeschalteten Effektoren (insbesondere RAF). In der Folge kommt es zu einer Hemmung der Signaltransduktion über den MAPK-Signalweg, der für Zellproliferation, Differenzierung und Überleben von Tumorzellen von zentraler Bedeutung ist.
Da Daraxonrasib an die GTP-beladene Form von RAS bindet, soll es auch Tumorzellen erfassen, die gegenüber früheren RAS-Inhibitoren weniger empfindlich sind.
Pharmakokinetik
Daraxonrasib wird nach oraler Gabe im Dünndarm resorbiert. Die maximale Plasmakonzentration wird nach etwa 2,2 Stunden erreicht. Die Substanz verteilt sich mit einem apparenten Verteilungsvolumen von etwa 1060 l und ist zu rund 98 % an Plasmaproteine gebunden. Die Metabolisierung erfolgt überwiegend über CYP3A.[1] Die terminale Eliminationshalbwertszeit beträgt im Mittel 9,2 Stunden, die orale Clearance etwa 80,4 l/h.
Indikationen
In den USA ist Daraxonrasib zur Behandlung von Erwachsenen mit metastasiertem Pankreasadenokarzinom zugelassen, die mindestens eine vorangegangene systemische Therapie erhalten haben oder für eine systemische Kombinationstherapie nicht in Frage kommen.[2]
Die europäische Fachgesellschaft (ESMO) empfiehlt Daraxonrasib als Monotherapie nach Versagen einer Chemotherapie bei vorbehandeltem metastasiertem Pankreasadenokarzinom mit RAS-G12-Mutation und einem ECOG-Performance-Status von 0–1.[3][4]
Darüber hinaus wird der Wirkstoff in weiteren RAS-mutierten soliden Tumoren klinisch untersucht:
- Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom
- Kolorektales Karzinom
- weitere RAS-mutierte solide Tumoren
Dosierung
Daraxonrasib wird oral in einer Dosierung von 300 mg einmal täglich verabreicht.[4]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Darreichungsformen
Daraxonrasib ist in den USA als Filmtablette mit 100 mg und 300 mg zur oralen Anwendung verfügbar.[1]
Nebenwirkungen
Schwere therapiebedingte Nebenwirkungen scheinen seltener aufzutreten als unter den Vergleichschemotherapien. Häufig berichtet wurden:
Zu den wichtigen Risiken zählen außerdem gastrointestinale Perforationen und interstitielle Lungenerkrankungen bzw. Pneumonitiden, jeweils auch mit tödlichem Verlauf. Bei entsprechendem Verdacht muss die Behandlung zunächst unterbrochen werden. Zudem besteht ein auf tierexperimentellen Daten beruhendes Risiko einer embryofetalen Schädigung.[5]
Wechselwirkungen
Daraxonrasib ist ein Substrat von CYP3A und P-Glykoprotein sowie ein P-Glykoprotein-Inhibitor. Die gleichzeitige Anwendung starker CYP3A-Inhibitoren mit zusätzlicher P-Glykoprotein-Hemmung, starker CYP3A-Induktoren sowie von systemischem Ciclosporin oder dessen Derivaten muss vermieden werden. Bei weiteren CYP3A- oder P-Glykoprotein-modulierenden Begleitmedikamenten sind gegebenenfalls Dosisanpassungen. P-Glykoprotein-Substrate müssen mit mindestens 4 Stunden Abstand zu Daraxonrasib eingenommen werden.[5]
Moderate oder starke CYP3A-Inhibitoren mit oder ohne P-Gp-Hemmung erhöhen die Exposition von Daraxonrasib und können das Risiko unerwünschter Wirkungen steigern. Starke CYP3A-Induktoren sind zu vermeiden, da sie die Exposition senken können.[1]
Klinische Studien
Die Zulassung beruht auf der Phase-III-Studie RASolute 302 bei vorbehandeltem metastasiertem Pankreasadenokarzinom (mPDAC), in der 500 Patienten 1:1 auf Daraxonrasib oder eine Standardchemotherapie randomisiert wurden. Etwa 92 % der Tumoren wiesen eine RAS-G12-Mutation auf. Primäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben in der RAS-G12-Population.
In der RAS-G12-Population verlängerte Daraxonrasib das mediane Gesamtüberleben von 6,6 auf 13,2 Monate. In der Intention-to-treat-Population (mit und ohne nachweisbare RAS-Mutation) betrug das mediane Gesamtüberleben 13,2 gegenüber 6,7 Monaten, entsprechend einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um 60 % (Hazard Ratio 0,40).[6]
Zulassung
Daraxonrasib wurde am 26. August 2026 von der FDA zugelassen. Die Zulassung erfolgte im Rahmen des Commissioner's National Priority Voucher (CNPV)-Pilotprogramms sowie des Project-Orbis-Verfahrens zur parallelen internationalen Bewertung.[2]
Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA hat im Oktober 2026 eine positive Zulassungsempfehlung für Daraxonrasib zur Therapie des metastasierten duktalen Adenokarzinoms des Pankreas (PDAC) bei Erwachsenen nach mindestens einer Vortherapie ausgesprochen.[7]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 U.S. Food and Drug Administration, DailyMed RASONQUE daraxonrasib tablet, film coated, 2026
- ↑ 2,0 2,1 U.S. Food and Drug Administration. FDA approves daraxonrasib for metastatic pancreatic adenocarcinoma. 2026.
- ↑ Conroy et al., ESMO Clinical Practice Guideline Express Update on daraxonrasib in the treatment of metastatic pancreatic cancer, Ann Oncol, 2026
- ↑ 4,0 4,1 FDA approves daraxonrasib for metastatic pancreatic adenocarcinoma, abgerufen am 15.10.2026
- ↑ 5,0 5,1 RASONQUE – US Prescribing Information, Stand August 2026, abgerufen am 15.10.2026
- ↑ O'Reilly et al., Daraxonrasib or Chemotherapy in Previously Treated Metastatic Pancreatic Cancer, N Engl J Med, 2026
- ↑ Deutsches Ärzteblatt: EMA empfiehlt Zulassung von Daraxonrasib für Therapie des Pankreaskarzinoms, abgerufen am 15.10.2026