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Blutzuckermessung

(Weitergeleitet von Blutzuckerbestimmung)

Synonyme: Blutzuckerbestimmung, Blutzuckerkontrolle

1 Definition

Die Blutzuckermessung dient der Bestimmung des Glukosespiegels im Blut (Blutzuckerwert).

2 Invasive Verfahren

2.1 Sample

2.1.1 Kapillarblut

Die Bestimmung des Blutzuckerwerts kann aus Kapillarblut (Vollblut) oder - dann meist mit anderen Laborparametern gemeinsam - aus Plasma bzw. Serum erfolgen. Die Messung der Blutglukose im Kapillarblut ist dabei die häufigere Methode, da sie bei der Blutzuckerselbstmessung eingesetzt wird.

2.1.2 Serum

Die Bestimmung im Serum erfolgt in der Regel nur im Labor. Diese Unterscheidung ist insofern von Bedeutung, als dass der im Plasma bzw. Serum ermittelte Blutzuckerwert ungefähr 10-15 % höher liegt als im Vollblut. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu erreichen, existiert eine Empfehlung mehrerer Fachgesellschaften, die Messwerte nur noch plasmakalibriert anzugeben. Aus Vollblut gemessene Werte können dazu mit dem Faktor 1,11 multipliziert werden.

Bei der Bestimmung des Blutzuckers im Labor mit längeren Transportwegen müssen Probenröhrchen mit Stabilisator-Zusatz verwendet werden, da der Blutzuckerspiegel im Vollblut aufgrund des weiter laufenden Stoffwechsels der Blutzellen pro Stunde um 10-15% sinkt. Hierfür wird meistens Natriumfluorid verwendet (sog. "Laktat-Röhrchen"), für sehr präzise Messungen stehen noch andere Präparationen zur Verfügung.

2.1.3 Gewebeflüssigkeit

Bei der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und beim Flash-Glucose-Monitoring (FGM) wird die Blutzuckerkonzentration der Gewebeflüssigkeit im Unterhautfettgewebe mit Hilfe eines Sensors bestimmt, ohne dass Blut entnommen werden muss. Da der Sensor für einen längeren Zeitraum (ca. 14 Tage) verwendet werden kann, und nicht für jede Messung eine Hautverletzung notwendig ist, nimmt diese Methode als minimal-invasives Vorgehen eine Zwitterstellung zwischen den invasiven und nicht-invasiven Verfahren ein.

2.2 Methoden

Bei der Blutzuckermessung kann "nasschemisch" oder "trockenchemisch" gearbeitet werden. Im Krankenhauslabor wird meist die Nasschemie verwendet – beim Point-of-Care-Testing (POCT) fast ausschließlich Trockenchemie. Die Vorteile der Trockenchemie liegen vor allem in der schnelleren Ergebnislieferung.

Die Blutzuckermessung kann dabei durch verschiedene Messmethoden erfolgen, denen eine enzymatische Umsetzung der Glukose zugrunde liegt. Man unterscheidet:

Die Messung erfolgt entweder photometrisch oder elektrochemisch.

2.2.1 Hexokinase-Methode

Die Hexokinase-Methode basiert auf einer durch Enzyme katalysierten Farbreaktion. Gemessen wird die Zunahme der Absorption von Licht mit einer Wellenlänge von 340 nm durch den vermehrten Anfall von NADH. Dem Nachweis liegen folgende Reaktionen zugrunde:

  1. Glukose + ATP -> Glukose-6-phosphat + ADP
  2. Glukose-6-phosphat + NAD+ -> Gluconat-6-phosphat + NADH + H+

Reaktionsschritt 1 wird durch Hexokinase katalysiert, Reaktionsschritt 2 durch Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase.

3 Nicht-invasive Verfahren

Zur Zeit (2015) werden mehrere Verfahren getestet, welche die nicht-invasive Messung des Blutzuckerspiegels, d.h. ohne Blutentnahme, ermöglichen.

Ein Verfahren ist die perkutane Messung mit Hilfe eines breitbandigen Lasers im mittleren Infrarot-Bereich (MIR). Dabei wird die Absorption des Laserlichts durch die im Blut befindlichen Glukosemoleküle gemessen.

Weitere Ansätze sind die Messung des Blutzuckerspiegels durch fluoreszierende Nanopartikel und die Bestimmung des Zuckergehalts in der Tränenflüssigkeit. Das letztere Verfahren basiert darauf, dass die Zuckerwerte von Blut und Tränenflüssigkeit korrelieren.

4 Klinik

Am gängigsten für die Blutzuckermessung sind die zur Selbstkontrolle eingesetzten Blutzuckermessgeräte. Die Häufigkeit der Messung ist abhängig vom Diabetes-Typ des Patienten und von der verordneten Therapie. Typ-1-Diabetiker oder Typ-2-Diabetiker unter Insulintherapie messen ihren Blutzucker in der Regel mehrmals täglich. Dabei sollte möglichst der präprandiale, sowie der postprandiale Glukosewert erfasst werden, da beide einen Einfluss auf den HbA1c-Wert und damit auf die Qualität der Blutzuckereinstellung haben.

Bei der kontinuierlichen Glukosemessung wird der Blutzuckerwert alle 5 Minuten ermittelt. Sie ermöglicht damit eine engmaschigere Kontrolle des Blutzuckerwerte als andere Methoden.

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