Duke-Kriterien
nach der Duke University in North Carolina
Englisch: Duke-criteria
Definition
Die Duke-Kriterien sind ein hoch sensitives, spezifisches Diagnostikschema, das zur klinischen Diagnosestellung einer infektiösen Endokarditis (IE) verwendet wird.
Hintergrund
Eine definitive Diagnose kann nur durch den histologischen Nachweis von Erregern in einer Klappenvegetation oder in Embolisationen gestellt werden. Dies ist nur bei einer Klappenexplantation oder Post mortem möglich. Daher hat man in den meisten Fällen keine andere Möglichkeit, als eine klinische Diagnose mithilfe der Duke-Kriterien zu stellen. Da dieses Vorgehen fehleranfällig ist, werden die Kriterien regelmäßig diskutiert und optimiert.
Versionen
Die Duke-Kriterien wurden erstmals 1994 formuliert und im Jahr 2000 modifiziert. In der ursprünglichen Version umfassten sie 2 Haupt- und 6 Nebenkriterien. In den ESC-Guidelines von 2023 wurden die Duke-Kriterien umfassend erweitert. Sie sind seitdem in Europa der neue Leitlinienstandard.
Die neue Version, deren Kriterien im Folgenden aufgeführt sind, nennt sich "Modified Duke Criteria 2023". Die Hauptkriterien umfassen nun auch den Nachweis einer anomalen Stoffwechselaktivität im FDG-PET/CT und molekularbiologische Nachweisverfahren (PCR).
Kriterien
Hauptkriterien
Mikrobiologisch
- Mindestens zwei positive Blutkulturen mit typischen Erregern
- Nachweis von Mikroorganismen mittels molekularbiologischer Verfahren (z.B. PCR, Metagenomik oder IFA) aus Herzgewebe oder prothetischem Material
Bildgebung
- Positiver Echo-Befund (flottierende Vegetation, Abszess, neue Klappeninsuffizienz, etc.)
- FDG-PET/CT mit anomaler Stoffwechselaktivität an nativen oder prothetischen Herzklappen, an aufsteigendem Aortentransplantat, an intrakardialen Ableitungen oder anderem prothetischen Material
Chirurgisch/Intraoperativ
- Direkter intraoperativer Nachweis einer aktiven Endokarditis (z.B. Vegetationen, Klappen- oder Nahtkomplikation) bei Operation oder an explantiertem Material
Nebenkriterien
Zu den Nebenkriterien zählen:
- Prädisposition (z.B. Vitien, Zustand nach prothetischem Klappenersatz, andere strukturelle Herzveränderungen, die eine Keimabsiedlung begünstigen sowie i.v.-Medikation oder i.v.-Drogenabusus)
- Fieber ≥ 38 °C
- Gefäßphänomene (z.B. Embolien, zerebrale oder splenische Abszesse, mykotische Aneurysmen und Janeway-Läsionen)
- Immunologische Phänomene (z.B. positives Rheumafaktor-Ergebnis, Osler-Knötchen, Glomerulonephritis)
- Mikrobiologischer Nachweis: positive Blutkultur oder serologischer/molekularer Erregernachweis, der nicht die Anforderungen eines Hauptkriteriums erfüllt
- Bildgebender Hinweis: echokardiografische oder PET/CT-Befunde, die verdächtig, aber nicht eindeutig sind (z.B. FDG-PET-Nachweis unter drei Monaten nach Herzoperation)
- Körperliche Untersuchung: klassische Haut- oder Schleimhautbefunde, die auf eine infektiöse Endokarditis hinweisen (z.B. Petechien oder Splinter-Hämorrhagien)
Beurteilung
- Es handelt sich definitiv um eine Endokarditis, wenn:
- 2 Hauptkriterien erfüllt
- 1 Hauptkriterium und 3 Nebenkriterien erfüllt
- 5 Nebenkriterien erfüllt werden
- Es handelt sich wahrscheinlich um eine Endokarditis, wenn:
- Haupt- oder Nebenkriterien vorliegen, welche aber die oben genannten Bedingungen noch nicht vollständig erfüllen
- 3 Nebenkriterien erfüllt werden
Limitationen
Trotz hoher diagnostischer Aussagekraft haben die Duke-Kriterien Limitationen, insbesondere bei Prothesenendokarditis, Infektionen kardialer Devices und Patienten mit vorangegangener Antibiotikatherapie.
Literatur
- Fowler et al. The 2023 Duke-International Society for Cardiovascular Infectious Diseases Criteria for Infective Endocarditis: Updating the Modified Duke Criteria, Clinical Infectious Diseases. 77(4):518-526. 2023