Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.

Knochenmetastase

Synonym: Skelettmetastase
Englisch: bone metastases

1 Definition

Knochenmetastasen sind sekundäre Tumoren des Knochens, die als Metastasen eines Primärtumors entstehen. Es sind die häufigsten Knochentumoren des Erwachsenenalters.

2 Ätiologie

Knochenmetastasen sind zum größten Teil Metastasen von Malignomen, die eine Metastasierung in den Knochen bevorzugen. So entfallen über 80% der Knochenmetastasen auf folgende Primärtumoren:

Prinzipiell können jedoch alle malignen Neoplasien Knochenmetastasen setzen. Dabei kann die Knochenmetastase vor dem Primärtumor entdeckt werden, sodass von einem CUP-Syndrom zu sprechen ist. In einigen Fällen gelingt es trotz intensiver Diagnostik zwecks Primärtumorsuche nicht, den verantwortlichen Primärtumor zu lokalisieren. Die histologische Artdiagnostik der Knochenmketastase kann dann in einzelnen Fällen zur Herkunftsanalyse der Knochenmetastase beitragen.

3 Einteilung

3.1 Osteolytisch und Osteoplastisch

Knochenmetastasen werden nach ihrer Auswirkung auf die Knochenstabilität und -struktur in zwei große Gruppen eingeteilt - osteolytische und osteoplastische Knochenmetastasen.

Bevorzugt osteoplastische Metastasen setzt das Prostatakarzinom, jedoch sind auch häufiger osteoplastische Metastasen beim Mammakarzinom und Bronchialkarzinom beschrieben. Osteolystische Metastasen sind häufiger bei Nierenzellkarzinom, Bronchialkarzinom, Kolonkarzinom und dem cholangiozellulären Karzinom anzutreffen. Dennoch erlaubt die Unterscheidung in lytische und plastische Metastasen für sich keinesfalls eine Primärtumordiagnose.

Zu erwähnen ist schliesslich auch, dass in der selben Knochenmetastase osteoplastische und osteolytische Anteile zugleich vorkommen können (Gemischte Knochenmetastasen).

3.2 Lokalisation

Knochenmetastasen können nach dem Ort ihres Auftretens benannt werden. Häufige Lokalisationen von Knochenmetastasen sind das Achsenskelett und die langen Röhrenknochen.

Häufige Beispiele sind:

4 Klinik

Osteolytische Metastasen setzen die biomechanische Belastbarkeit des Knochens herab. So können spontan oder durch Bagatelltraumen ausgelöst pathologische Frakturen das erste Zeichen einer Knochenmetastase sein.

Metastasen ohne Frakturen bzw. osteoplastische Metastasen können durch verdrängendes Wachstum Schmerzen verursachen und zu neurologischen Ausfallserscheinungen führen.

5 Diagnostik

Das für ein Screening nach Knochenmetastasen am besten geeignete Verfahren ist die Skelettszintigraphie, die lokalisierte Unregelmäßigkeiten des Knochenstoffwechsels aufzeigt. Danach kann eine gezielte Röntgendiagnostik zur Einteilung der Knochenmetastase und zu Festlegung weiterer diagnostischer Schritte erfolgen.

Zur Beurteilung der neurologischen Ausfallserscheinungen und von lokalen Verdrängungseffekten kann insbesondere am Achsenskelett die MRT- und CT-Diagnostik erforderlich sein. Eine Biopsie der Knochenmetastase kann bei der Zuordnung zum Primärtumor beitragen. Eine Biopsie hat einen größeren Stellenwert bei der Differentialdiagnose zwischen Metastase und primärem Knochentumor.

Labordiagnostisch sind im Rahmen von Knochenmetastasen regelmäßig Erhöhungen der BSG, der Alkalischen Phosphatase und des Serumkalziums zu finden. Häufig besteht eine Tumoranämie.

5.1 Primärtumorsuche

Die Suche nach dem Primärtumor kann sich schwierig gestalten. Grundlage der Primärtumorsuche ist die ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung mit Hinblick auf wegweisende Befunde. Neben Screening-Untersuchungen nach Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten der Primärtumoren (CT Abdomen, Nierensonographie, CT Thorax, ggf. Endoskopie des Gastrointestinaltraktes), erfolgt die histologische und immunhistochemische Aufarbeitung eines Biopsats.

6 Therapie

Die Therapie von Knochenmetastasen ist interdisziplinär und multimodal. Therapieentscheidungen sind grundsätzlich immer auch im Hinblick auf die Gesamtprognose der Erkrankung zu treffen. Aggressive Therapieoptionen bleiben in der Regel potentiell kurativ behandelbaren Patienten vorbehalten.

Therapieziele sind:

  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Reduktion und Kontrolle von Schmerzen
  • Erhalt oder Wiederherstellung skelettaler und neurologischer Funktionen
  • Verkleinerung bzw. Beseitigung der Metastasen

Medikamentöse Therapieoptionen umfassen die Gabe von Bisphosphonaten bei Osteolysen und Hyperkalzämie und die zytostasische Therapie. Bestrahlungen können zur Verkleinerung des Metastasenbefundes und Reduktion dadurch hervorgerufener Schmerzzustände hervorgerufen werden. Eine bedarfsgerechte medikamentöse Schmerztherapie ist begleitend fortzuführen. Bei hormonsensitiven Primärtumoren (z.B. Mamma-Ca, Prostata-Ca) kann vor einer zytostatischen Therapie oder begleitend zu ihr eine Hormontherapie indiziert sein.

Operative Maßnahmen umfassen Resektionen, Osteosynthesen zur biomechanischen Stabilisierung und die Implantation von Endoprothesen. In einigen Fällen kann operativ eine kurative Zielsetzung erfolgen, beispielsweise bei solitärer Knochenmetastase eines Nierenzellkarzinoms.

Fachgebiete: Onkologie, Orthopädie

Um diesen Artikel zu kommentieren, .

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Letzte Autoren des Artikels:

26 Wertungen (3.31 ø)
Teilen

114.710 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
DocCheck folgen: