Vannucchi-Giannoni-Manöver
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LoslegenEnglisch: Vannucchi-Giannoni maneuver, Forced Prolonged Position (FPP)
Definition
Das Vannucchi-Giannoni-Manöver ist ein Lagerungsmanöver, das bei benignem paroxysmalem Lagerungsschwindel (BPLS) mit Beteiligung des horizontalen Bogengangs eingesetzt wird. Durch eine längere Lagerung auf der nicht betroffenen bzw. weniger symptomatischen Seite sollen Otolithen schwerkraftgesteuert aus dem horizontalen Bogengang in das Vestibulum labyrinthi zurückgeführt werden.
Hintergrund
Der horizontale Bogengang ist in etwa 10 % der BPLS-Fälle betroffen. Charakteristisch ist ein richtungswechselnder horizontaler Nystagmus bei Kopfdrehung in Rückenlage. Es wird eine kanalolithische (geotroper Nystagmus) von einer kupulolithischen Variante (apogeotroper Nystagmus) unterschieden.
Das Manöver wurde 1997 von Vannucchi, Giannoni und Pagnini an der Universität Florenz beschrieben und beruht auf dem Prinzip der Kanalolithiasis-Theorie: Die eingenommene Körperposition erlaubt den Otolithenfragmenten, unter Ausnutzung der Schwerkraft aus dem betroffenen Schenkel des horizontalen Bogengangs in Richtung Utriculus abzugleiten.[1] Im Gegensatz zu rasch durchgeführten Repositionsmanövern wie dem Gufoni-Manöver oder dem Barbecue-Manöver nutzt das Vannucchi-Giannoni-Manöver eine statische, über Stunden gehaltene Positionierung.
Durchführung
Die Lagerungsseite richtet sich nach der vorliegenden Variante:
- Kanalolithiasis (geotroper Nystagmus): Der Patient legt sich auf die nicht betroffene Seite (gesunde Seite).
- Kupulolithiasis (apogeotroper Nystagmus): Der Patient legt sich auf die betroffene Seite.
In beiden Fällen wird die Seitenlage für mindestens 12 Stunden beibehalten, idealerweise über Nacht. Kopf und Körper liegen dabei in einer Linie; aktive Kopfbewegungen zur Gegenseite werden vermieden. Da die Lagerung außerhalb einer Behandlungseinheit stattfindet, ist eine verständliche Patienteninstruktion essenziell. Bei unvollständiger Beschwerdefreiheit kann das Manöver in der Folgenacht wiederholt werden.
Wirksamkeit
Das Manöver gilt als wirksame Therapieoption beim horizontalen BPLS beider Varianten. In einer doppelblinden randomisierten kontrollierten Studie (n = 221) erwies sich die FPP gegenüber einem Scheinmanöver als hochsignifikant überlegen.[2] Das Manöver ist in der S2k-Leitlinie zu vestibulären Funktionsstörungen als Therapieoption beim horizontalen BPLS aufgeführt.[3]
Quellen
- ↑ Zuma E Maia F, Ramos BF, Cal R, Brock CM, Mangabeira Albernaz PL, Strupp M. Management of Lateral Semicircular Canal Benign Paroxysmal Positional Vertigo. Front Neurol. 2020;11:1040.
- ↑ Mandalà M, Califano L, Casani AP, et al. Double-Blind Randomized Trial on the Efficacy of the Forced Prolonged Position for Treatment of Lateral Canal Benign Paroxysmal Positional Vertigo. Laryngoscope. 2021;131(4):E1296-E1300.
- ↑ AWMF. S2k-Leitlinie Vestibuläre Funktionsstörungen. AWMF-Registernummer 017-078. (2021)