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Vestibulospinaler Reflex

(Weitergeleitet von VSR)

Synonym: VSR
Englisch: vestibulospinale reflex

1 Definition

Beim vestibulospinalen Reflex, kurz VSR, handelt es sich um einen Hirnstammreflex. Er ist ähnlich wie der vestibulookuläre Reflex über das Vestibularorgan und die Nuclei vestibulares verschaltet. Seine Aktivierung bewirkt eine Kontraktion der Extensoren und eine Hemmung der Flexoren an den Extremitäten.

2 Funktionelle Verschaltung

Die Verschaltung des vestibulospinalen Reflexes erfolgt über vier Neurone.

Bei einem plötzlichen Absinken des gesamten Körpers oder nur einer Körperseite werden im Vestibularorgan die Makulaorgane Sacculus und Utriculus gereizt, was zu einer erhöhten Entladungsrate der Haarzellen und damit zu einer Glutamat-Ausschüttung in den synaptischen Spalt zwischen Haarzellen und afferenten Fasern des Nervus vestibulocochlearis (1. Neuron) führt. Diese projizieren auf die vier Vestibulariskerne, von denen für den vestibulospinalen Reflex der Nucleus vestibularis lateralis (Deiters) die größte Bedeutung hat. Er stellt das 2. Neuron in dem Reflexbogen dar.

Hier findet eine Umschaltung auf das 1. Motoneuron des Tractus vestibulospinalis statt (3. Neuron im Reflexbogen). Er zieht als extrapyramidale Bahn im Rückenmark zu den verschiedenen Rückenmarkssegmenten, um dort im Vorderhorn auf das 2. Motoneuron zu projizieren (4. Neuron im Reflexbogen). Dieses 2. Motoneuron zieht vor allem zu Extensoren.

Die vestibulospinale Bahn verläuft ungekreuzt. Ein Absinken des Vestibularorgans auf einer Seite, z.B. beim Stolpern, bewirkt daher eine Kontraktion der ipsilateralen Extensoren. Sinkt der gesamte Körper ab, z.B. weil der Untergrund, auf dem sich der Körper befindet, nachgibt, kommt es zur bilateralen Aktivierung der Extensoren.

Außerdem bewirkt der Tractus vestibulospinalis eine Hemmung der alpha-Motoneurone, die zu den Flexoren der selben Seite ziehen.

3 Klinik

Da der vestibulospinale Reflex nicht von der Großhirnrinde abhängt, tritt er besonders deutlich bei einer beginnenden Dezerebration in Erscheinung, z.B. beim Sterbeprozess. Es kann dann eine Kontraktion der Extremitäten beim Sterbenden beobachtet werden, die auch als Dezerebrationsstarre bezeichnet wird.

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Fachgebiete: Neurologie, Physiologie

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