Transversus-abdominis-Release
Definition
Transversus-abdominis-Release, kurz TAR, beschreibt ein Operationsverfahren zur Rekonstruktion komplexer ventraler Bauchwandhernien mit retromuskulärer Netzimplantation.
Abgrenzung
Das TAR-Verfahren ist eine Weiterentwicklung der posterioren Komponentenseparation und unterscheidet sich von anterioren Verfahren durch den Zugang ohne subkutane Präparation sowie von IPOM-Techniken durch die extraperitoneale Netzlage.
Hintergrund
Die chirurgische Herausforderung bei übergroßen Bauchwandhernien oder anderen Defekten der Bauchwand besteht darin, die Ränder der Rektusscheiden wieder in der Mittellinie zu vereinen, ohne dabei eine zu hohe Spannung zu erzeugen.
Frühere Verfahren (wie die anteriore Komponentenseparation nach Ramirez) waren aufgrund der ausgedehnten subkutanen Präparation oft mit einer hohen Rate an Wundheilungsstörungen verbunden. Der TAR-Ansatz minimiert dieses Risiko, indem er den Defekt von innen und posterior angeht.
Durchführung
Der Eingriff kann offen oder roboterassistiert (r-TAR) durchgeführt werden. Die wesentlichen Schritte des Verfahrens sind:
- Inzision und Darstellung: Eröffnung des hinteren Rektusscheidenblatts (hRS).
- Präparation des retromuskulären Raums: Der Musculus rectus abdominis wird von seinem hinteren Blatt gelöst, bis die sogenannte Linea semilunaris (der Übergang zur seitlichen Muskulatur) erreicht ist.
- Der "Release": Nahe der Linea semilunaris wird der Musculus transversus abdominis identifiziert und kontrolliert durchtrennt (inzidiert).
- Erschließung des präperitonealen Raums: Durch die Durchtrennung des Muskels kann der Operateur zwischen die Muskulatur und das Peritoneum gelangen.
- Netzimplantation (Mesh): In den entstandenen großflächigen Raum zwischen dem verbleibenden Peritoneum und der Muskulatur wird ein großdimensioniertes Kunststoffnetz eingelegt (Sublay-Position).
- Verschluss: Das hintere Blatt wird über dem Netz verschlossen, das vordere Blatt (die Rektusmuskulatur) wird in der Mittellinie wieder vereinigt.
Indikationen
Zu den Indikationen zählen große Narbenhernien (EHS-Klassifikation W3) sowie Rezidivhernien. Darüber hinaus kommen Hernien mit Verlust der Domäne infrage, bei denen Darmanteile dauerhaft außerhalb der Bauchhöhle liegen.
Komplikationen
Mögliche Komplikationen umfassen Serombildung, Infektion, chronische Schmerzen, Mesh-bezogene Komplikationen sowie selten Verletzungen von Peritoneum oder intraabdominellen Strukturen.
Vorteile
Die Vorteile des TAR umfassen folgende:
- Spannungsfreier Verschluss: Ermöglicht den Verschluss selbst bei Defektbreiten von über 15–20 cm.
- Schutz des Netzes: Das Netz liegt geschützt vor Kontakt zum Darm (hinter dem Muskel/Peritoneum) und hat gleichzeitig eine gute Durchblutung für die Einheilung.
- Erhalt der Blutversorgung: Da die Haut nicht großflächig vom Muskel gelöst werden muss, bleiben die Perforanzgefäße erhalten, was die Infektionsrate senkt.
Quellen
- Kaoukabani et al., Robotischer Transversus Abdominis Release (r-TAR) großer Inzisionalhernien der Mittellinie, 2024
- Shanthi et al., Surgical anatomy of transversus abdominis muscle for transversus abdominis release, 2024
- Ghandi et al., Posterior Component Separation Technique—Original Transversus Abdominis Release (TAR) Technique, 2024