Thalamotomie
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LoslegenEnglisch: thalamotomy
Definition
Die Thalamotomie ist eine stereotaktische Hirnoperation, bei der umschriebene Kerngebiete des Thalamus gezielt verödet werden. Sie dient vor allem der Behandlung des medikamentös therapieresistenten Tremors, insbesondere des essenziellen Tremors und des Parkinson-Tremors. Zudem wird das Verfahren auch bei nicht anders therapierbaren chronischen Schmerzen eingesetzt.
Indikationen
Die Thalamotomie wird überwiegend bei Bewegungsstörungen durchgeführt. Hauptindikation ist der medikamentös therapieresistente Tremor:
- essenzieller Tremor
- Parkinson-Tremor, v.a. bei tremordominantem Verlauf
- Holmes-Tremor
Zu Beginn wurde die Thalamotomie zudem bei chronisch therapieresistenten, überwiegend neuropathischen Schmerzen angewandt, u.a. bei:[1]
- Tumorschmerz
- Post-Zoster-Neuralgie
- Phantomschmerz (z.B. nach Amputation)
- komplexem regionalen Schmerzsyndrom
Diese Schmerzindikationen sind heute (2026) weitgehend durch neuromodulative Verfahren abgelöst.
Technik
Die Thalamotomie erfolgt in stereotaktischer Technik. Nach bildgebender Zielpunktplanung mittels Magnetresonanztomographie (ggf. ergänzend Computertomographie) wird das Zielvolumen im Thalamus definiert und eine umschriebene Läsion erzeugt.
Zielstrukturen
Der Zielkern richtet sich nach der Indikation. Beim Tremor ist der Nucleus ventralis intermedius (VIM) die Zielstruktur, bei der Schmerzbehandlung werden mediale bzw. intralaminäre Thalamuskerne läsioniert.
Läsionsverfahren
Zur Erzeugung der Läsion stehen mehrere Verfahren zur Verfügung:
- Radiofrequenz-Thermokoagulation: klassisches Verfahren mit einer über eine Sonde eingebrachten Hitzeläsion
- stereotaktische Radiochirurgie (Gamma-Knife): nichtinvasive Läsion durch fokussierte Bestrahlung
- magnetresonanzgesteuerter fokussierter Ultraschall (MRgFUS): nichtinvasive thermische Läsion durch gebündelte Ultraschallwellen unter MRT-Kontrolle
Der MRgFUS hat sich zu einem der bevorzugten Verfahren beim essenziellen Tremor entwickelt. Die zugelassenen Anwendungen wurden von der unilateralen Thalamotomie zunehmend auf die bilaterale, gestaffelte Thalamotomie ausgeweitet.[2] Das Verfahren ermöglicht eine unmittelbare und anhaltende Tremorreduktion und ist inzwischen in klinischen Leitlinien verankert.[3]
Komplikationen
Zu den möglichen Komplikationen einer Thalamotomie zählen z.B.:
- Dysästhesien
- Apraxien
- Ataxien
- Lähmungen bei Schädigung der Pyramidenbahn[1]
Bei der MRgFUS-Thalamotomie überwiegen passagere Parästhesien sowie Gleichgewichts- und Gangstörungen.
Medizinische Bedeutung
Aufgrund des irreversiblen, destruierenden Charakters der Läsion wurden ablative Verfahren zeitweise weitgehend durch die tiefe Hirnstimulation (THS) verdrängt, die reversibel und adjustierbar ist. Mit Einführung des MRgFUS erlebt die Thalamotomie als inzisionslose Alternative eine Renaissance.[4]
Für die MRgFUS-Thalamotomie beim essenziellen Tremor liegt eine vergleichsweise robuste Evidenz vor: Neben offenen Studien belegt eine prospektive, doppelblinde, scheinkontrollierte randomisierte kontrollierte Studie (RCT) eine kurzfristige Reduktion des Handtremors um rund 47 %.[5] Eine Metaanalyse ermittelte eine Verbesserung des Hand-Tremor-Scores um 61,5 % und der Clinical Rating Scale for Tremor (CRST) um 46,2 % nach drei Monaten; der Effekt blieb über bis zu 36 Monate weitgehend erhalten, bei nur geringer, nicht signifikanter Abnahme. Auch die Lebensqualität besserte sich signifikant.[6]
Bei bilateraler, gestaffelter Thalamotomie ist die Tremorreduktion auf der zweiten Seite ähnlich ausgeprägt wie nach dem ersten Eingriff. Für den Parkinson-Tremor ist die kurzfristige Wirksamkeit belegt, die Langzeitdurabilität jedoch bislang (2026) unklar.[5]
Literatur
- Spektrum.de – Thalamotomie, abgerufen am 10.12.2021
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Pschyrembel online – Thalamotomie, abgerufen am 10.12.2021
- ↑ Danish SF, Rosenow JM, Schwalb JM, Air EL, Sweet J, Willie JT, et al. Position Statement of the American Society for Stereotactic and Functional Neurosurgery on Focused Ultrasound Lesioning of the Brain by Non-neurosurgeons. Neurosurgery. 2025;99(2):487-491.
- ↑ De Schlichting E, Meng Y, Huang Y, Jones RM, Hynynen K, Hamani C, et al. Magnetic resonance-guided ultrasound thalamotomy for essential tremor: a review. Expert Rev Med Devices. 2025;22(9):989-997.
- ↑ Shih LC. Essential Tremor. Continuum (Minneap Minn). 2025;31(4):979-999.
- ↑ 5,0 5,1 Hamani C, Elias WJ, Baltuch GH, Gross RE, Rosenow JM, Schwalb JM, et al. Magnetic resonance-guided focused ultrasound for the management of tremor: update on the position statement of the American Society for Stereotactic and Functional Neurosurgery. J Neurosurg. 2026;145(1):4-12.
- ↑ Miller WK, Becker KN, Caras AJ, Mansour TR, Mays MT, Rashid M, et al. Magnetic resonance-guided focused ultrasound treatment for essential tremor shows sustained efficacy: a meta-analysis. Neurosurg Rev. 2022;45(1):533-544.