Stauungspapille
Synonyme: STAPA, Papillenödem
Englisch: papilledema
Definition
Als Stauungspapille bezeichnet man ein Ödem an der Papilla nervi optici, der Einmündung des Sehnervs in die Netzhaut. Die Stauungspapille macht sich ophthalmoskopisch durch eine Anschwellung bzw. Vorwölbung des Sehnervenkopfes bemerkbar. Eine Stauungspapille liegt in der Regel beidseitig vor. Bei längerem Bestehen kann sie zu einer Schädigung der Sehnervenfasern führen.
Abgrenzung
Der Begriff Stauungspapille bezeichnet eine Papillenschwellung infolge eines erhöhten intrakraniellen Drucks. Papillenschwellungen anderer Ursache (z.B. Optikusneuritis, ischämische Optikusneuropathie) werden nicht als Stauungspapille bezeichnet.
Ursachen
Eine Stauungspapille tritt am häufigsten in Zusammenhang mit einem erhöhten Hirndruck auf. Dieser kann verursacht werden durch:
- Hirntumoren
- Entzündungen oder Infektionen des Gehirns (z.B. Meningitis, Gehirnabszess)
- Hirnblutungen oder Blutungen im Bereich der Hirnhaut (Epiduralhämatom)
- Schädelmissbildungen
- Hypertensive Krise
- Sinusvenenthrombose
- Hydrozephalus
Kann keine Ursache für den erhöhten Hirndruck gefunden werden, so kann eine idiopathische intrakranielle Hypertension vorliegen, ein erhöhter Hirndruck aufgrund aufgestauten Liquors.[1]
Pathophysiologie
Der erhöhte intrakranielle Druck überträgt sich über den Subarachnoidalraum auf die Optikusscheide und stört den axoplasmatischen Transport in den Ganglienzellaxonen der Retina. Dies führt zu einem Rückstau von Axoplasma und konsekutiv zur Anschwellung des Sehnervenkopfes. Die Stauungspapille entsteht nach einem Hirndruck-Anstieg typischerweise innerhalb von 24–48 Stunden, in seltenen Fällen auch bereits nach 6 Stunden.[1]
Symptome
Im Frühstadium ist die Sehschärfe meist nicht beeinträchtigt. Die Stauungspapille kann von folgenden Symptomen begleitet sein:
- Kopfschmerzen (häufigstes Symptom, oft mit migranoformem Charakter)
- Transiente visuelle Obskurationen (kurzzeitige Verdunklungen des Sehfeldes für Sekunden bis eine Minute)
- Sehstörungen (Gesichtsfeldausfälle, vergrößerter blinder Fleck, selten Visusminderung)
- Diplopie (Doppelbilder, häufig durch Parese des Nervus abducens)
- Übelkeit und Erbrechen
- Tinnitus (pulsierend)
Diagnostik
Die Feststellung einer Stauungspapille kann diagnostiziert werden durch:
- Ophthalmoskopie
- Sonographie des Augapfels
- Computertomographie
- Kernspintomographie
- OCT
Eine Lumbalpunktion mit Entnahme von Liquor sollte erst nach Ausschluss einer intrakraniellen Raumforderung erfolgen und eine Liquordruckmessung zum Ausschluss eines Pseudotumor cerebri beinhalten.
Die Schwere der Stauungspapille wird klinisch nach der Frisén-Skala in 5 Schweregrade eingeteilt (Grad 1–5). Dabei wird der Grad der Papillenrandunschärfe, Prominenz, Gefäßobskuration, Vorhandensein von Blutungen und Verlust der physiologischen Exkavation bewertet.
Differentialdiagnosen
Von der Stauungspapille abzugrenzen sind:
- Pseudostauungspapille (z.B. Drusenpapille, kongenitale Papillenanomalie)
- Papillitis (entzündliche Papillenschwellung, z.B. bei multipler Sklerose)
- Anteriore ischämische Optikusneuropathie
- Diabetische Papillopathie
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach der auslösenden Ursache. Bei hohem Hirndruck besteht Lebensgefahr. Liegt ein Hirntumor vor, muss dieser behandelt werden.
Bei idiopathischer intrakranieller Hypertension stehen folgende Maßnahmen zur Verfügung:
- Carboanhydrasehemmer (insbesondere Acetazolamid) zur Senkung des Liquordrucks durch Reduktion der Liquorproduktion am Plexus choroideus[1]
- Topiramat (als Alternative zu Acetazolamid)
- Glukokortikoide (bei sekundären Formen oder überbrückend)
Hilft die medikamentöse Therapie nicht oder liegt ein rascher bzw. progredienter Visusverlust vor, sind neurochirurgische Eingriffe indiziert:[1]
- Liquorshunt-Operationen
- Optikusscheidenfensterung
- Venöses Sinus-Stenting (bei Nachweis einer relevanten Sinusstenose)
Quelle
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Hoffmann et al. European headache federation guideline on idiopathic intracranial hypertension. J Headache Pain. 2018;19(1):93.