Scharfe Gewalt
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Definition
Scharfe Gewalt bezeichnet in der Rechtsmedizin und Traumatologie eine Form mechanischer Gewalteinwirkung, bei der Gewebe durch scharfkantige oder spitz zulaufende Gegenstände durchtrennt oder eröffnet wird. Charakteristisch ist eine glatte, scharf begrenzte Wundrandstruktur mit geringer Gewebequetschung.
Hintergrund
Typische Tatwerkzeuge sind Messer, Beile, Scheren oder Glasscherben. Etwa ein Drittel der Tötungsdelikte in Deutschland wird mittels scharfer Gewalt verübt.[1]
Rechtlich handelt es sich bei scharfer Gewalt regelmäßig um eine gefährliche Körperverletzung nach § 224 StGB, die mit einer höheren Strafandrohung verbunden ist als Verletzungen durch stumpfe Gewalt.
Verletzungsarten
Im Rahmen scharfer Gewalteinwirkung werden folgende Verletzungsarten unterschieden:
Forensische Aspekte
Bei Stich- und Schnittverletzungen kommt der Asservierung der Bekleidung eine besondere Bedeutung zu. Möglichst alle Kleidungsstücke, mindestens jedoch diejenigen über der verletzten Körperregion, sollten sichergestellt werden. Sie können wichtige Hinweise auf das Tatwerkzeug, die Krafteinwirkung sowie den Verletzungsmechanismus liefern.
Zur Rekonstruktion des Tathergangs ist häufig eine Einschätzung der Handlungsfähigkeit des Opfers erforderlich. Dabei wird beurteilt, ob und in welchem Umfang das Opfer nach der Verletzung noch zu Handlungen fähig war. Hierzu zählen insbesondere die Fähigkeit zu schwierigen und zielgerichteten Handlungen sowie instinktive Abwehrbewegungen und Reflexe.
Eine sofortige Handlungsunfähigkeit mit unmittelbar tödlichem Verlauf liegt typischerweise bei folgenden Verletzungen vor:
- Enthirnung
- Ruptur der Aorta oder der Arteria pulmonalis
- Beidseitige Durchtrennung der Karotiden
- Große Eröffnungen des Herzens (> 3,5 cm)
Demgegenüber können bei kleineren Stichverletzungen des Herzens oder bei der Ruptur peripherer Arterien noch minuten- bis stundenlang Handlungen möglich sein. Auch perforierende Verletzungen der Bauchhöhle erlauben häufig eine vergleichsweise lange Handlungsfähigkeit, da nur selten ein unmittelbarer Peritonealschock eintritt und der Tod meist durch langsames inneres Verbluten verursacht wird.
Todesursachen bei scharfer Gewalt
Das Todesursachenspektrum bei scharfer Gewalt ist vielfältig und umfasst unter anderem:
- Verbluten nach außen oder innen
- Luftembolie
- Blut- und Fremdkörperaspiration
- Herzbeuteltamponade
- Pneumothorax
- Spätfolgen infektiöser Komplikationen
Abgrenzung zu stumpfer Gewalt
In der Regel ist die Unterscheidung zwischen stumpfer und scharfer Gewalt unproblematisch. Im Einzelfall kann es jedoch bei oberflächlicher Inspektion zu Abgrenzungsschwierigkeiten kommen, insbesondere zwischen Schnittverletzungen und länglichen Platzwunden.
Eine sichere Differenzierung ist meist durch die Untersuchung des Wundgrundes möglich.
| Merkmal | Stumpfe Gewalt | Scharfe Gewalt |
|---|---|---|
| Art der Krafteinwirkung | Breite, stumpfe Gewalteinwirkung | Scharfe, schneidende oder spitze Einwirkung |
| Wundränder | Unregelmäßig, zerfetzt | Glatt, scharf begrenzt |
| Wundgrund | Gewebsbrücken durch unvollständige Durchtrennung | Keine Gewebsbrücken, gleichmäßige Wundtiefe |
| Schürfsaum | Häufig vorhanden | In der Regel nicht vorhanden |
| Wundtiefe | Variabel, oft ungleichmäßig | Gleichmäßig, bei Stichverletzungen oft sehr tief |
| Lokalisation | Häufig über knöchernen Widerlagern | Unabhängig von knöchernen Strukturen |
| Typische Beispiele | Platzwunde, Prellung | Stich-, Schnitt- oder Hiebverletzung |
Quellen
- ↑ https://www.lecturio.de/artikel/medizin/scharfe-und-stumpfe-gewalt-forensische-traumatologie/, zuletzt besucht 06.02.2026.
Literatur
- Bratzke et al., Mechanische Insulte: Stumpfe und scharfe Gewalt, Rechtsmedizin, Springer, 2023
- lecturio.de - Scharfe und stumpfe Gewalt (forensische Traumatologie), zuletzt besucht 06.02.2026.
- Dettmeyer et al., Rechtsmedizin. 2. Auflage, Springer, 2014