Revised Trauma Score
Definition
Der Revised Trauma Score, kurz RTS, ist ein Assessmentinstrument zur initialen Einschätzung der Schwere eines körperlich verletzten bzw. polytraumatisierten Patienten. Er basiert auf der initial gemessenen Glasgow Coma Scale, dem systolischen Blutdruck und der Atemfrequenz. Ein niedriger RTS deutet auf einen höheren Schweregrad der Verletzung und eine höhere Mortalität hin.
Hintergrund
In der Akutversorgung von Traumapatienten ist eine rasche Einschätzung der Schwere entscheidend für Triage, Transportziel und Ressourcenallokation. Anatomische Scores wie der Injury Severity Score setzen eine vollständige Diagnostik voraus und sind initial nicht verfügbar.
Der Revised Trauma Score wurde als Weiterentwicklung des ursprünglichen Trauma Scores etabliert, um eine reproduzierbare und prognostisch relevante Beurteilung auf Basis einfacher Vitalparameter zu ermöglichen. Er wird sowohl eigenständig als auch als Bestandteil kombinierter Bewertungssysteme wie TRISS eingesetzt. Die Anwendung ist in der präklinischen Notfallmedizin in Deutschland noch wenig verbreitet.
Aufbau
Der RTS besteht aus drei Komponenten, die jeweils anhand definierter Grenzwerte bewertet werden. Für jede Komponente können 0 bis 4 Punkte vergeben werden.
| Punkte | Glasgow Coma Scale (GCS) | Systolischer Blutdruck (mmHg) | Atemfrequenz |
|---|---|---|---|
| 4 | 13-15 | > 89 | 10-29 |
| 3 | 9-12 | 76-89 | >29 |
| 2 | 6-8 | 50-75 | 6-9 |
| 1 | 4-5 | 1-49 | 1-5 |
| 0 | 3 | 0 | 0 |
Die erreichbare Punktzahl liegt zwischen 0 und 12. Bei einem Wert < 11 Punkten sollte der Patient in ein Traumazentrum transportiert werden.
Alternativ kann eine gewichtete Form des RTS berechnet werden. Dabei wird die GCS stärker gewichtet, um ein mögliches isoliertes Schädel-Hirn-Trauma stärker zu berücksichtigen:
Der maximale Score beträgt 7,8408 und entspricht einem physiologisch stabilen Patienten. Niedrige Werte korrelieren mit erhöhter Mortalität. Bei einem gewichteten RTS < 4 Punkte ist ein Transport in ein Traumazentrum obligat. Einige Autoren schätzen diesen Wert allerdings als zu niedrig ein.
Klinische Bedeutung
Der Revised Trauma Score ermöglicht eine Einschätzung des Grads der Beeinträchtigung unmittelbar nach einem Trauma. Er kann präklinisch zur Identifikation kritisch verletzter Patienten genutzt werden und unterstützt Entscheidungen zur Transportpriorität und zur Zuweisung in ein geeignetes Traumazentrum.
Innerklinisch wendet man den RTS vor allem zur Dokumentation, Qualitätssicherung und Traumaforschung an. In vielen Systemen gilt ein niedriger RTS als Marker für ein hohes Risiko und als Indikation zur maximalen Traumaversorgung.
Limitationen
Der RTS bildet ausschließlich physiologische Parameter ab und berücksichtigt keine anatomischen Verletzungsmuster. Therapeutische Interventionen wie Analgosedierung, Intubation oder Volumentherapie können die Messwerte verfälschen und die Aussagekraft einschränken.
Bei pädiatrischen und geriatrischen Patienten oder bei vorbestehenden kardiopulmonalen Erkrankungen ist die Interpretation nur eingeschränkt valide. Zudem können isolierte schwere Verletzungen ohne relevante Veränderungen der Vitalparameter durch den RTS unterschätzt werden.
Literatur
- Rathore et. al., Injuries to the duodenum – prognosis correlates with body Injury Severity Score: A prospective study, International Journal of Surgery 2007, abgerufen am 11.01.2026
- Yu et. al., Predictive value of Modified Early Warning Score (MEWS) and Revised Trauma Score (RTS) for the short-term prognosis of emergency trauma patients: A retrospective study, BMJ Open 2021, abgerufen am 11.01.2026
- Huei et. al., Validation of the trauma mortality prediction scores from a Malaysian population, Burns & Trauma 2017, abgerufen am 11.01.2026