Respiratory Effort-Related Arousal
Synonym: atemaufwandsassoziierte Arousalreaktion
Definition
Ein Respiratory Effort-Related Arousal, kurz RERA, bezeichnet ein schlafbezogenes respiratorisches Ereignis, bei dem es infolge eines zunehmenden inspiratorischen Atemaufwands zu einer kortikalen Weckreaktion (Arousal) kommt, ohne dass die diagnostischen Kriterien einer Apnoe oder Hypopnoe erfüllt sind.
Hintergrund
Das Konzept der RERAs wurde eingeführt, um respiratorische Ereignisse zu erfassen, die unterhalb der Schwelle klassischer Apnoe- oder Hypopnoe-Definitionen liegen. Insbesondere bei Patienten mit ausgeprägter Tagesmüdigkeit trotz unauffälligem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) kommt RERAs diagnostische Bedeutung zu. Sie sind ein zentrales Merkmal des Upper Airway Resistance Syndrome (UARS) und erweitern das Kontinuum zwischen primärem Schnarchen und obstruktiver Schlafapnoe.
Pathophysiologie
RERAs entstehen durch eine zunehmende funktionelle Einengung der oberen Atemwege während des Schlafs. Der resultierende erhöhte Atemwegswiderstand führt zu einem progressiv steigenden inspiratorischen Atemaufwand, ohne dass es zu einer relevanten Reduktion des Atemflusses oder zu einer Sauerstoffdesaturation kommt. Die verstärkte Atemarbeit aktiviert afferente mechanosensitive und chemosensitive Signale, was schließlich ein Arousal auslöst. Wiederholte RERAs beeinträchtigen die Schlafarchitektur und führen zu einer verminderten Schlafqualität.
Diagnostik
Die Diagnostik von RERAs erfolgt im Rahmen der Polysomnographie. Charakteristisch sind:
- eine Sequenz von Atemzügen mit zunehmendem inspiratorischem Atemaufwand
- fehlende Erfüllung der Kriterien für Apnoe oder Hypopnoe
- ein EEG-assoziiertes Arousal am Ende des Ereignisses
Als Goldstandard zur Quantifizierung des Atemaufwands gilt die ösophageale Druckmessung, die jedoch aufgrund ihrer Invasivität im klinischen Alltag nur selten eingesetzt wird. Alternativ können nasale Druckflussmessungen Hinweise liefern, insbesondere durch eine typische Abflachung der Inspirationskurve. Definition und Scoring orientieren sich an den Kriterien der American Academy of Sleep Medicine.
Bedeutung
RERAs sind insbesondere bei einer Diskrepanz zwischen subjektiver Symptomatik und polysomnographischen Standardparametern relevant. Sie führen zu einer Fragmentierung des Schlafs und können klinisch relevante Tagesbeeinträchtigungen verursachen. Es wird diskutiert, ob RERAs – ähnlich wie andere schlafbezogene Atmungsstörungen – zur Entwicklung kardiovaskulärer und metabolischer Folgeerkrankungen beitragen können.
Therapie
Die Therapie orientiert sich an den Behandlungsprinzipien obstruktiver schlafbezogener Atmungsstörungen und umfasst:
- kontinuierliche positive Atemwegsdrucktherapie (CPAP), insbesondere bei relevanter Symptomatik
- Unterkieferprotrusionsschienen bei geeigneter anatomischer Voraussetzung
- Modifikation begünstigender Faktoren wie Übergewicht, Alkoholkonsum oder Einnahme sedierender Substanzen
Die Indikationsstellung sollte sich primär an der klinischen Symptomlast und weniger an isolierten Indexwerten orientieren.
Literatur
- American Academy of Sleep Medicine. The AASM Manual for the Scoring of Sleep and Associated Events. Aktuelle Ausgabe.
- Guilleminault C, Stoohs R, Clerk A, Cetel M, Maistros P. A cause of excessive daytime sleepiness. The upper airway resistance syndrome. Chest. 1993;104(3):781-787. doi:10.1378/chest.104.3.781
- Berry RB, Brooks R, Gamaldo C, et al. AASM Scoring Manual Updates for 2017 (Version 2.4). J Clin Sleep Med. 2017;13(5):665-666. Published 2017 May 15. doi:10.5664/jcsm.6576