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Retinales Pigmentepithel

(Weitergeleitet von Pigmentepithel)

Synonyme: Stratum pigmentosum retinae, Pars pigmentosa retinae, Stratum pigmenti
Englisch: retinal pigment epithelium, pigmented part of retina, pigmented epithelium

1 Definition

Das retinale Pigmentepithel, kurz RPE, ist die Pigmentschicht der Netzhaut (Retina). Es bildet das äußerste Blatt der Netzhaut und liegt direkt der Aderhaut (Choroidea) an.

2 Histologie

Die Pigmentschicht der Netzhaut (Stratum pigmentosum retinae) entwickelt sich aus der Augenblase und ist neuroektodermalen Ursprungs. Sie ist die äußere der zwei übereinanderliegenden Schichten des Augenbechers. Man unterscheidet:

Das Pigmentepithel besteht aus flachem, einschichtigem Epithel, das hexagonal aufgebaut ist. In den Epithelzellen sieht man ein große Anzahl von Melanosomen. Dementsprechend enthalten sie viele Pigmente, vor allem Melanin, welche die Zellschicht schwarz färben. Die Fortsätze des Pigmentepithels umgreifen apikal die Photorezeptoren.

3 Funktionen

Das Pigmentepithel der Retina hat mehrere Funktionen:

  • Regeneration des Rhodopsins: Durch den Photoneneinfall auf die Retina wird in den Photorezeptoren das an Rhodopsin gebundene 11-cis-Retinal zu all-trans-Retinal isomerisiert. Um das all-trans-Retinal wieder zu regenerieren, wird es aus der Bindung mit Opsin gelöst und aus der Zelle ins benachbarte Pigmentepithel transportiert. Dort wird das all-trans-Retinal wieder zu 11-cis-Retinal isomerisiert. Dieses kann nun wieder in die Photorezeptoren transportiert und dort mit Opsin zum regenerierten Rhodopsin verbunden werden. Die Regeneration des all-trans-Retinals der Zapfen findet aber nicht ausschließlich im RPE, sondern auch in den Müller-Zellen statt.[1]
  • Phagozytose: Das Pigmentepithel phagozytiert die Außensegmente der Photorezeptoren, die fortlaufend abgestoßen werden. Diese Außensegmente sind durch die starke Durchblutung der Retina in Verbindung mit der gebündelten Lichtenergie einem starken photooxidativen Stress ausgesetzt.
  • Absorption von Streulicht: Durch die Absorption von Streulicht im Pigmentepithel verbessert sich Auflösung des auf die Retina projizierten Bildes. Zudem wird reflektierte Lichtenergie von den Melanosomen der Pigmentepithelzellen absorbiert, so dass sich die Exposition der Photorezeptoren gegenüber photooxidativem Stress reduziert.
  • Blut-Retina-Schranke: Das Pigmentepithel ist die äußere Schicht der Blut-Retina-Schranke. Die Zellen sind durch zahlreiche Tight junctions verbunden und bilden so eine Barriere für bestimmte Substanzen und Blutzellen. Dadurch wir das Immunprivileg des Augeninnenraums ermöglicht.
  • Sekretion: Das retinale Pigmentepithel kommuniziert auf seiner choroidalen Seite mit dem Endothel der Lamina choroidocapillaris und Immunzellen. Es sezerniert zahlreiche Signalmoleküle wie ATP, Fibroblasten-Wachstumsfaktoren (FGF), CNTF, IGF-1, PDGF, VEGF, LEDGF, PEDF und Interleukine.

4 Klinik

Bei Patienten mit okulokutanem Albinismus enthält das retinale Pigmentepithel kein Melanin.

Funktionstörungen des RPE sind die pathophysiologoische Grundlage der altersbedingten Makuladegeneration und der Retinitis pigmentosa.

Ein Hypertrophie des RPE sieht man beim Gardner-Syndrom.

5 Literatur

  • Lüllmann-Rauch et al., Taschenlehrbuch Histologie, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 6. Auflage
  • Behrends et al., Duale Reihe Physiologie, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 3. Auflage

6 Quellen

  1. Xue Y et al.: CRALBP supports the mammalian retinal visual cycle and cone vision J Clin Invest. 2015 Feb 2; 125(2): 727–738. Published online 2015 Jan 20. doi: 10.1172/JCI79651 PMCID: PMC4319437 PMID: 25607845

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Fachgebiete: Physiologie, Sehorgan

Diese Seite wurde zuletzt am 11. März 2021 um 14:06 Uhr bearbeitet.

Nicht ganz: Stäbchen - RPE; Zapfen: RPE und Müllerzellen, siehe Quelle. Ergänzt
#2 am 11.03.2021 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Gast
Nur das Retinal der Stäbchen wird im Stratum pigmentosum regeneriert, Das der Zäpfchen wird in den Müller-Zellen reisomeriert.
#1 am 11.03.2021 von Gast (Student/in der Humanmedizin)

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