Patientenschutz (Strahlenschutz)
Definition
Der Patientenschutz im Strahlenschutz umfasst alle Maßnahmen zur Minimierung der Strahlenexposition von Patienten bei Anwendung ionisierender Strahlung.
Abgrenzung
Im Gegensatz zum beruflichen Strahlenschutz existieren für Patienten keine festen Dosisgrenzwerte. Stattdessen basiert der Patientenschutz auf der rechtfertigenden Indikation und der Optimierung der Exposition im Sinne des ALARA-Prinzips.
Maßnahmen
Technische und organisatorische Maßnahmen
Die wirksamsten Maßnahmen zur Dosisreduktion betreffen die Planung und Durchführung der Untersuchung. Dazu gehören insbesondere:
- geeignete Wahl des Untersuchungsverfahrens (z.B. Einsatz von MRT oder Ultraschall als strahlungsfreie Alternativen)
- Anpassung der Untersuchungsparameter (z.B. Röhrenspannung, Strom, Pitch im CT)
- Nutzung automatischer Belichtungs- und Dosismodulationssysteme
- konsequente Kollimation zur Begrenzung des Strahlenfeldes
- korrekte Positionierung des Patienten
Abschirmung des Patienten
Die physische Abschirmung durch strahlenabsorbierende Materialien (z.B. Blei) wurde eingesetzt, um empfindliche Organe außerhalb des Untersuchungsbereichs zu schützen. Typische Beispiele sind:
- Gonadenschutz
- Schilddrüsenschutz
- Augenlinsenschutz
- Brustschutz
In der modernen Radiologie wird die routinemäßige Patientenabschirmung in der Projektionsradiographie und Computertomographie nicht mehr empfohlen. Gründe sind:
- zunehmende Bedeutung der Streustrahlung gegenüber der Primärstrahlung
- mögliche Beeinflussung automatischer Belichtungssteuerungen
- Artefaktbildung und Beeinträchtigung der Bildqualität
- insgesamt oft geringe zusätzliche Dosisreduktion
Besondere Patientengruppen
Kinder
Kinder weisen eine erhöhte Strahlenempfindlichkeit auf und haben eine längere Lebenserwartung, wodurch das Risiko stochastischer Strahlenschäden erhöht ist. Daher sind besonders strenge Optimierungsmaßnahmen erforderlich.
Schwangerschaft
Bei schwangeren Patientinnen ist eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Wenn möglich, sollten strahlungsfreie Verfahren bevorzugt werden. Ist eine Untersuchung mit ionisierender Strahlung notwendig, sind Exposition und bestrahltes Volumen strikt zu minimieren.
Qualitätssicherung
Zur Bewertung und Optimierung der Patientenexposition werden diagnostische Referenzwerte herangezogen. Sie dienen als Orientierung für typische Untersuchungen und ermöglichen die Identifikation unnötig hoher Strahlenexpositionen.