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Nervus hypoglossus (Veterinärmedizin)

Synonyme: 12. Hirnnerv, Nervux XII
Englisch: hypoglossal nerve

1 Definition

Als Nervus hypoglossus bezeichnet man den 12. Hirnnerv beim Haussäugetier. Er führt somatomotorische Fasern und ist für die Innervation der Zungenmuskulatur verantwortlich.

2 Allgemeines

Der Nervus hypoglossus nimmt aufgrund seiner Morphologie eine Sonderstellung unter den Hirnnerven ein. Er wird oftmals als modifizierter Rückenmarksnerv bezeichnet, der in den Schädelraum einbezogen und an das hintere Ende des verlängerten Marks (Medulla oblongata) angeschlossen ist.

Bei Fischen und Amphibien besitzt er durchaus noch den Charakter eines Spinalnerven.

3 Embryologie

Die Zungenmuskulatur ist entwicklungsgeschichtlich ein Teil der ventralen Rumpfmuskulatur, der frühembryonal in die Mundhöhle (Cavum oris) einwandert. Da die Sklerotome der drei bis vier ersten Segmente zusätzlich dem Schädel (Cranium) zugeschlagen werden, wird dieses Gebiet - ursprünglich vom vordersten Halsnerven versorgt - sekundär vom hintersten Hirnnerven innerviert.

Der Nervus hypoglossus unterscheidet sich durch die Rückbildung seiner sensiblen Anteile von einem echten Spinalnerven. Die Übergangsstellung zwischen einem Hirn- und einem Halsnerv kommt v.a. darin zum Ausdruck, dass der Nervus hypoglossus mit dem 1. Halsnerven durch die Ansa cervicalis in Verbindung steht und so auch an der Bildung des Plexus cervicalis ventralis beteiligt ist.

4 Anatomie

Der Nervus hypoglossus versorgt motorisch die eigentlichen Zungenmuskeln. Dazu zählen

Die kurzen und langen Zungenbeinmuskeln werden über die Ansa cervicalis vom Ventralast des 1. Halsnerven versorgt.

4.1 Kerngebiet

Die Wurzelzellen des Nervus hypoglossus formen den langgezogenen Nucleus motorius nervi hypoglossi unter dem Trigonum nervi hypoglossi der Rautengrube (Fossa rhomboidea). Diese stehen mit Kollateralen des Tractus solitarius und Tractus spinalis nervi trigemini in Verbindung. Über diese Querverbindungen können die reflektorischen Zungenbewegungen durch Rezeptoren in der Mund- und Zungenschleimhaut ausgelöst werden.

4.2 Verlauf

Die Wurzelfasern des Nervus hypoglossus verlassen in mehreren einzelnen Bündeln lateral von der Pyramide das verlängerte Mark. Im Zuge dessen lagern sich zarte, vom Pedunculus cerebellaris caudalis kommende Fäden an die Faserbündel an. In diesem Bereich können ein kleines Ganglion oder ganze Ganglienzellgruppen eingelagert sein, was ebenso auf einen ehemaligen Spinalnerv hindeutet.

Nachdem die Faserbündel die Dura mater durchstoßen haben, vereinigen sie sich zu einem kräftigen Nervenstamm, der die Schädelhöhle durch den Canalis nervi hypoglossi bzw. Foramen nervi hypoglossi verlässt. Anschließend zieht der Nervus hypoglossus zwischen dem Nervus vagus und Nervus accessorius hindurch nach rostroventral. Dabei kreuzt er die beiden Nerven und verbindet sich mit dem Ramus pharyngeus nervi vagi und dem Ganglion cervicale craniale, sodass er zusätzlich noch sympathische Fasern erhält. Er gibt weiterhin noch einen Verbindungsast (Ansa cervicalis) an den Ventralast des 1. Hirnnerven ab, der beim Hund besonders kräftig ausgeprägt ist und einen dorsalen sowie ventralen Schenkel besitzt.

Der weiterziehende Stamm des Nervus hypoglossus kreuzt die Arteria carotis externa lateral. Anschließend zieht er am ventralen Rand des Truncus linguofacialis und der Arteria lingualis entlang zur Zungenwurzel. Dort angekommen tritt er am unteren Rand des Musculus styloglossus unter Aufteilung in einen oberflächlichen und einen tiefen Ast (Rami linguales) in die Zungenmuskulatur ein.

Der tiefe Ast des Nervus hypoglossus zieht medial vom Nervus lingualis zur Zungenspitze und geht mit diesem eine schlingenförmige Verbindung ein, die als Ramus communicans cum nervi hypoglosso des Nervus lingualis bezeichnet wird.

5 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band IV: Nervensystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004

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