Navepegritid
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LoslegenHandelsname: Yuviwel®
Englisch: navepegritide
Definition
Navepegritid ist ein Analogon des C-Typ-natriuretischen Peptids (CNP), das als Orphan Drug zur Behandlung von Kindern mit Achondroplasie eingesetzt wird.
Hintergrund
Die Achondroplasie wird durch Mutationen des Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptors 3 (FGFR3) verursacht. FGFR3 reguliert physiologischerweise die enchondrale Ossifikation. Er wirkt als negativer Regulator der Chondrozytenproliferation und -differenzierung in der Epiphysenfuge. Nach Bindung von Fibroblasten-Wachstumsfaktoren an FGFR3 kommt es zur Aktivierung intrazellulärer Signalwege.
Bei der Achondroplasie führt die konstitutive Aktivierung von FGFR3 zu einer übermäßigen Hemmung der Chondrozytenproliferation und der enchondralen Ossifikation. Dadurch entstehen charakteristische Störungen des Längenwachstums mit Extremitätenverkürzung und disproportioniertem Kleinwuchs.
Wirkmechanismus
Navepegritid entfaltet seine Effekte durch eine kontinuierliche Freisetzung von C-Typ-natriuretischem Peptid (CNP). Das freigesetzte CNP aktiviert den natriuretischen Peptidrezeptor vom Typ B (NPR-B) in verschiedenen Geweben und wirkt dadurch der konstitutiv aktiven FGFR3-Signalübertragung, die der Achondroplasie zugrunde liegt, entgegen.[1]
Im Knochengewebe ist CNP ein positiver Regulator des enchondralen Knochenwachstums, indem es über die Aktivierung von NPR-B die cGMP-Produktion stimuliert. Dies führt zur Hemmung des MAP-Kinase-Signalwegs und fördert die Differenzierung von Chondrozyten.[2][3][4][5][6]
Pharmakokinetik
In Navepegritid liegt das native, pharmakologisch aktive CNP in pegylierter Form vor. Es ist über einen spaltbaren Linker an einen inerten Polyethylenglykol-(PEG)-Träger gebunden. Die Pegylierung schützt das Peptid vor rascher proteolytischer Degradation und renaler Elimination. Das freigesetzte aktive Peptid entspricht funktionell dem endogenen CNP.
Unter physiologischen Bedingungen erfolgt nach subkutaner Applikation eine langsame, kontrollierte Freisetzung des unveränderten CNPs über mehrere Tage. Dadurch verlängert sich die Halbwertszeit von wenigen Minuten bei nativem CNP auf etwa 120 Stunden, was ein Dosisintervall von einer Woche ermöglicht.
Indikation
- Behandlung von Kindern mit molekulargenetisch gesicherter Achondroplasie und offenen Epiphysen
Dosierung
Die Dosierung beträgt 0,1 mg/kg Körpergewicht, verabreicht als subkutane Injektion einmal wöchentlich. Die Dosis wird entsprechend dem Körpergewicht angepasst und die Behandlung bis zum Epiphysenschluss fortgeführt.[7]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Klinische Studien
In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Multizenterstudie mit 84 Kindern im Alter von 2 bis 11 Jahren mit genetisch bestätigter Achondroplasie zeigte sich unter Navepegritid im Vergleich zu Placebo nach 52 Wochen eine signifikant höhere annualisierte Wachstumsgeschwindigkeit (AGV). Die Wachstumsdifferenz zugunsten der Verumgruppe betrug 1,49 cm/Jahr.[8]
Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen von Navepegritid sind:[8]
- Lokalreaktionen an der Injektionsstelle (z.B. Pruritus, Erythem, Schwellung)
- Fieber
- Infektionen der oberen Atemwege
- Mittelohrentzündung
- Erbrechen
- Kopfschmerzen
- Extremitätenschmerz
- Hypertrichose
Während der Studiendauer wurden keine Frakturen beobachtet.
Wechselwirkungen
Es wurden keine In-vitro-Untersuchungen oder klinischen Studien zur Bewertung des Potenzials von Navepegritid für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln durchgeführt. Da es sich um ein Peptid handelt, das von Peptidasen verstoffwechselt wird, sind Wechselwirkungen mit Arzneistoffen, die hepatisch abgebaut werden, nicht anzunehmen.
Zulassung
Therapiekosten
Zu den Therapiekosten lässt sich derzeit (2026) noch keine verlässliche Aussage treffen. In den USA sollen die Jahrestherapiekosten Schätzungen zufolge bei etwa 500.000 US$ liegen.[9]
Quellen
- ↑ Breinholt VM, Rasmussen CE, Mygind PH, et al. TransCon CNP, a Sustained-Release C-Type Natriuretic Peptide Prodrug, a Potentially Safe and Efficacious New Therapeutic Modality for the Treatment of Comorbidities Associated with Fibroblast Growth Factor Receptor 3-Related Skeletal Dysplasias. J Pharmacol Exp Ther 2019; 370(3): 459-71.
- ↑ Horton WA, Hall JG, Hecht JT. Achondroplasia. Lancet 2007; 370(9582): 162-72.
- ↑ Rintz E, Wegrzyn G, Fujii T, Tomatsu S. Molecular Mechanism of Induction of Bone Growth by the C-Type Natriuretic Peptide. Int J Mol Sci 2022; 23(11).
- ↑ Krejci P, Salazar L, Kashiwada TA, et al. Analysis of STAT1 activation by six FGFR3 mutants associated with skeletal dysplasia undermines dominant role of STAT1 in FGFR3 signaling in cartilage. PLoS One 2008; 3(12): e3961.
- ↑ Yasoda A, Komatsu Y, Chusho H, et al. Overexpression of CNP in chondrocytes rescues achondroplasia through a MAPK-dependent pathway. Nature medicine 2004; 10(1): 80-6.
- ↑ Miyazawa T, Ogawa Y, Chusho H, et al. Cyclic GMP-dependent protein kinase II plays a critical role in C-type natriuretic peptide-mediated endochondral ossification. Endocrinology 2002; 143(9): 3604-10.
- ↑ 7,0 7,1 Yuviwel® (navepegritide) Initial U.S. Approval: 2026. Prescribing Information. Ascendis Pharma; Februar 2026.
- ↑ 8,0 8,1 Savarirayan R, McDonnell C, Bacino CA, et al. Once-Weekly Navepegritide in Children With Achondroplasia: The APPROACH Randomized Clinical Trial. JAMA Pediatr. 2026;180(1):18–25. doi:10.1001/jamapediatrics.2025.4771
- ↑ Investing.com: BofA raises Ascendis Pharma stock price target on Yuviwel pricing, abgerufen am 6.5.2026