Navepegritid
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1. Definition
Navepegritid (TransCon® CNP) ist ein Präparat des C-Typ-natriuretischen Peptids (CNP) und wird für die Behandlung von Kindern mit Achondroplasie entwickelt.
Die zugrunde liegende TransCon-Technologie ermöglicht eine kontrollierte, kontinuierliche Freisetzung des aktiven CNPs über einen Zeitraum von einer Woche und erlaubt so bei einmal wöchentlicher Gabe eine kontinuierliche systemische Exposition zur Behandlung von Kindern mit Achondroplasie. Ermöglicht wird dies durch die sehr lange Halbwertszeit (t1/2) von TransCon CNP von ~120 Stunden gegenüber dem nativen CNP mit einer t1/2 von 2-3 Minuten.[1][2]
Klinische Daten zur wöchentlichen Therapie mit TransCon CNP belegen gegenüber Placebo eine signifikante Steigerung des Längenwachstums sowie Verbesserungen der Körperproportionen und der Lebensqualität über einen Beobachtungszeitraum von bis zu 104 Wochen. Das günstige Sicherheitsprofil der Therapie ist durch überwiegend milde und moderate unerwünschte Ereignisse gekennzeichnet. Auch Reaktionen an der Injektionsstelle (ISRs) wurden selten beobachtet (ca. 0,35 pro Patientenjahr), waren überwiegend mild und vorübergehend und erforderten keine Anpassung der Behandlung. Die bei einmal täglich verabreichten CNP-Analoga beobachteten vorübergehenden Blutdruckabfälle (symptomatische Hypotonien), traten unter der Behandlung mit Navepegritid im gesamten Beobachtungszeitraum nicht auf.[3][4][5]
2. Wirkstoff
Navepegritid wird mithilfe der TransCon-Technologie („Transiente Konjugation“) hergestellt. Dabei ist der pharmakologisch aktive, unmodifizierte Wirkstoff vorübergehend über einen spezifischen TransCon-Linker an einen inerten Träger gebunden. In gebundener Form ist der Wirkstoff inaktiv und vor Rezeptorbindung, renaler Clearance und proteolytischem Abbau geschützt. Nach subkutaner Applikation kommt es unter physiologischen Bedingungen (abhängig von pH-Wert und Temperatur) zu einer kontinuierlichen, vorhersehbaren Freisetzung des unveränderten Wirkstoffs, wobei dessen ursprünglicher Wirkmechanismus erhalten bleibt.[1]
Die in Deutschland entwickelte TransCon-Technologie bildet die Basis für weitere Therapeutika für seltene endokrine Erkrankungen. Dazu zählen das 2023 zugelassene Wachstumshormon-Präparat Lonapegsomatropin (Skytrofa) sowie Palopegteriparatid (Yorvipath), das 2024 zur Behandlung von chronischem Hypoparathyreoidismus bei Erwachsenen eingeführt wurde.[6][7] Für beide TransCon-basierten Wirkstoffe liegen klinische Daten aus mehrjährigen Studien vor, die ein konsistentes Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil beschreiben.[8][9][10]
Wirkmechanismus
Navepegritid entfaltet seine physiologischen und systemischen Effekte durch eine kontinuierliche Freisetzung von C-Typ-natriuretischem Peptid (CNP) und eine daraus resultierende dauerhafte systemische Exposition (t1/2 ~120 Stunden). Das freigesetzte CNP aktiviert den Natriuretischen-Peptid-Rezeptor B (NPR-B) in verschiedenen Geweben und wirkt dadurch kontinuierlich der konstitutiv aktiven FGFR3-Signalübertragung, die der Achondroplasie zugrunde liegt, entgegen.[1]
Im Knochengewebe ist CNP ein positiver Regulator des enchondralen Knochenwachstums, indem es über die Aktivierung von NPR-B die cGMP-Produktion stimuliert. Dies führt zur Hemmung des MAP-Kinase-Signalwegs downstream von FGFR3 und fördert die Differenzierung von Chondrozyten.[11][12][13][14][15]
Für das Muskelgewebe wird angenommen, dass CNP zusätzliche Effekte entfalten könnte, darunter eine Verbesserung der muskulären Ausdauer und Kraft. Diese Effekte gelten derzeit als hypothetisch und sind Gegenstand weiterer Untersuchungen.[3][16][17][18]
3. Klinische Studie
Die ApproaCH-Studie war eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, multizentrische Phase-2b-Studie, in der 84 Kinder im Alter von 2 bis 11 Jahren mit genetisch bestätigter Achondroplasie einmal wöchentlich subkutan entweder 100 µg/kg Navepegritid oder Placebo erhielten. Primärer Endpunkt war die annualisierte Wachstumsgeschwindigkeit (AGV) nach 52 Wochen. Unter Behandlung mit Navepegritid zeigte sich eine signifikant höhere AGV im Vergleich zu Placebo (Differenz 1,49 cm/Jahr; 95 %-KI 1,05–1,93; p < 0,001).[3]
Über den primären Endpunkt hinaus wurden gegenüber Placebo Verbesserungen radiografischer Parameter der unteren Extremitäten beobachtet, darunter der Femorotibialwinkel, die mechanische Achsenabweichung sowie das Verhältnis von Fibula- zu Tibialänge. Zusätzlich zeigten sich positive Veränderungen in patientenberichteten Endpunkten, erfasst mithilfe des Achondroplasia Child Experience Measure, eines standardisierten Fragebogens zur Erhebung körperlicher Funktionen und krankheitsbezogener Alltagserfahrungen bei Kindern mit Achondroplasie. Die Studiendaten weisen damit darauf hin, dass Navepegritid neben dem Längenwachstum auch funktionelle und skelettbezogene Aspekte der Erkrankung beeinflussen kann.[3]
In der offenen Verlängerungsphase blieben die unter der Therapie beobachteten Effekte erhalten: Die erhöhte annualisierte Wachstumsgeschwindigkeit hielt bis zu 104 Wochen an. Nach Wechsel von Placebo auf Navepegritid zeigte sich ebenfalls eine vergleichbare Steigerung. Zudem blieben Verbesserungen der Körpergrößen-Z-Scores und Körperproportionen über diesen Zeitraum bestehen.[4]
Über bis zu 104 Wochen blieb das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil konsistent ohne neue Sicherheitssignale, bei gleichzeitig abnehmender Rate an Reaktionen an der Injektionsstelle (0,35 ISRs pro Patientenjahr in Woche 104).[4]
4. Indikation
In der ApproaCH-Studie (NCT05598320) wurden Kinder im Alter von 2 bis 11 Jahren eingeschlossen, die eine molekulargenetisch gesicherte Achondroplasie aufwiesen und zuvor nicht mit wachstumsfördernden Substanzen behandelt worden waren.[3]
In den USA wurde der Wirkstoff im Februar 2026 von der FDA zur Erhöhung des Längenwachstums bei pädiatrischen Patienten ab 2 Jahren mit Achondroplasie und offenen Epiphysen zugelassen.[5]
5. Dosierung
In der placebokontrollierten ApproaCH-Studie erhielten die Teilnehmenden im Verum-Arm einmal wöchentlich subkutane Injektionen von Navepegritid in einer Dosierung von 100 µg/kg Körpergewicht.[3]
Die in den USA zugelassene Dosierung beträgt 0,1 mg/kg Körpergewicht, verabreicht als subkutane Injektion einmal wöchentlich. Die Dosis wird entsprechend dem Körpergewicht angepasst und die Behandlung bis zum Epiphysenschluss fortgeführt.[5]
6. Nebenwirkungen
Navepegritid zeigte in der ApproaCH-Studie eine gute Verträglichkeit. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse (AEs) waren:[3]
- Fieber
- Infekte der oberen Atemwege
- Mittelohrentzündung
- Erbrechen
- Kopfschmerzen
Die bei einmal täglich verabreichten CNP-Analoga beobachteten vorübergehenden Blutdruckabfälle (symptomatische Hypotonien), traten unter der Behandlung mit Navepegritid nicht auf.[3][4] Während der Studiendauer wurden zudem keine Frakturen beobachtet. Reaktionen an der Injektionsstelle wurden nur selten berichtet (0,41 pro Patientenjahr), waren überwiegend mild und vorübergehend und erforderten keine Anpassung der Therapie.[3]
Über bis zu 104 Wochen blieb das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil konsistent ohne neue Sicherheitssignale, bei gleichzeitig abnehmender Rate an Reaktionen an der Injektionsstelle (0,35 ISRs pro Patientenjahr in Woche 104).[4]
7. Zulassung
8. Literatur
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Breinholt VM, Rasmussen CE, Mygind PH, et al. TransCon CNP, a Sustained-Release C-Type Natriuretic Peptide Prodrug, a Potentially Safe and Efficacious New Therapeutic Modality for the Treatment of Comorbidities Associated with Fibroblast Growth Factor Receptor 3-Related Skeletal Dysplasias. J Pharmacol Exp Ther 2019; 370(3): 459-71.
- ↑ Breinholt VM, Mygind PH, Christoffersen ED et al. Phase 1 safety, tolerability, pharmacokinetics and pharmacodynamics results of a long-acting C-type natriuretic peptide prodrug, TransCon CNP. Br J Clin Pharmacol. 2022 Nov;88(11):4763-4772.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 3,8 Savarirayan R, McDonnell C, Bacino CA, et al. Once-Weekly Navepegritide in Children With Achondroplasia: The APPROACH Randomized Clinical Trial. JAMA Pediatr. 2026;180(1):18–25. doi:10.1001/jamapediatrics.2025.4771
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Savarirayan R, et al. ApproaCH Open-Label Extension: 104-Wochen-Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit von Navepegritid. Präsentiert auf dem ACMG Annual Clinical Genetics Meeting 2026.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 YUVIWEL® (navepegritide) Initial U.S. Approval: 2026. Prescribing Information. Ascendis Pharma; Februar 2026.
- ↑ Fachinformation Skytrofa® Februar 2025, Ascendis Pharma.
- ↑ Fachinformation Yorvipath® April 2025, Ascendis Pharma.
- ↑ Maniatis AK, Thornton PS, Nadgir UM, et al. Children with Growth Hormone Deficiency Treated with Lonapegsomatropin Demonstrated Sustained Height Improvements for up to 6 Years: enliGHten Trial Final Results. Horm Res Paediatr 2025; 6:1-13.
- ↑ Khan A, Clarke B, Rubin M, Schwarz P, Shoback D, Gagnon C, et al. Efficacy and safety of palopegteriparatide treatment in adults with hypoparathyroidism: 3-year results from the phase 3 PaTHway trial. Presented at: Endocrine Society Annual Meeting (ENDO); June 2025; San Francisco, CA, USA.
- ↑ Palermo A, Khan AA, Rubin MR, Schwarz P, Clarke B, Pagotto U, et al. Long-term efficacy and safety of palopegteriparatide treatment in adults with chronic hypoparathyroidism: 4-year results from the phase 2 PaTH Forward trial. Presented at: European Congress of Endocrinology (ECE); 2025; Copenhagen, Denmark. Abstract OC7.9.
- ↑ Horton WA, Hall JG, Hecht JT. Achondroplasia. Lancet 2007; 370(9582): 162-72.
- ↑ Rintz E, Wegrzyn G, Fujii T, Tomatsu S. Molecular Mechanism of Induction of Bone Growth by the C-Type Natriuretic Peptide. Int J Mol Sci 2022; 23(11).
- ↑ Krejci P, Salazar L, Kashiwada TA, et al. Analysis of STAT1 activation by six FGFR3 mutants associated with skeletal dysplasia undermines dominant role of STAT1 in FGFR3 signaling in cartilage. PLoS One 2008; 3(12): e3961.
- ↑ Yasoda A, Komatsu Y, Chusho H, et al. Overexpression of CNP in chondrocytes rescues achondroplasia through a MAPK-dependent pathway. Nature medicine 2004; 10(1): 80-6.
- ↑ Miyazawa T, Ogawa Y, Chusho H, et al. Cyclic GMP-dependent protein kinase II plays a critical role in C-type natriuretic peptide-mediated endochondral ossification. Endocrinology 2002; 143(9): 3604-10.
- ↑ Valentim MA, Brahmbhatt AN, Tupling AR. Skeletal and cardiac muscle calcium transport regulation in health and disease. Biosci Rep 2022; 42(12).
- ↑ Bachmann JC, Kirchhoff JE, Napolitano JE, et al. C-type natriuretic peptide induces inotropic and lusitropic effects in human 3D-engineered cardiac tissue: Implications for the regulation of cardiac function in humans. Exp Physiol 2023; 108(9): 1172-88.
- ↑ Fajardo VA, Bombardier E, Vigna C, et al. Co-expression of SERCA isoforms, phospholamban and sarcolipin in human skeletal muscle fibers. PLoS One 2013; 8(12): e84304.