Miglitol
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenHandelsname: Diastabol® (Deutschland, außer Handel)
Englisch: miglitol
Definition
Miglitol ist ein orales Antidiabetikum aus der Gruppe der α-Glucosidasehemmer. Der Wirkstoff wird in Deutschland nicht mehr vertrieben.
Chemie
Miglitol ist ein Derivat des Desoxynojirimycins. Die Summenformel lautet C8H17NO5, die molare Masse beträgt 207,2 g/mol.
Wirkmechanismus
Miglitol hemmt reversibel membranständige intestinale α-Glucosidasen im Bürstensaum des Dünndarms. Diese Enzyme spalten Oligosaccharide und Disaccharide zu resorbierbaren Monosacchariden. Durch die Hemmung wird der Abbau komplexer Kohlenhydrate verzögert und dadurch vor allem der postprandiale Blutzuckeranstieg vermindert.
Die Resorption bereits vorliegender Monosaccharide wie Glucose wird durch Miglitol nicht gehemmt. Im Unterschied zu Sulfonylharnstoffen stimuliert Miglitol die Insulinsekretion nicht.
Pharmakokinetik
Die pharmakodynamische Wirkung von Miglitol ist auf den Gastrointestinaltrakt gerichtet. Der Wirkstoff wird jedoch in relevantem Umfang systemisch resorbiert. Die Resorption erfolgt dosisabhängig und sättigbar: Eine Dosis von 25 mg wird nahezu vollständig resorbiert, eine Dosis von 100 mg dagegen nur zu etwa 50 bis 70 %.
Das Verteilungsvolumen beträgt etwa 0,18 l/kg, die Plasmaproteinbindung ist mit < 4 % vernachlässigbar. Miglitol wird nicht metabolisiert und unverändert renal ausgeschieden. Die Halbwertszeit beträgt etwa 2 bis 3 Stunden.
Indikationen
Miglitol wird zur Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt – in Verbindung mit einer Diät allein oder in Kombination mit Sulfonylharnstoffen, wenn hierdurch keine ausreichende Blutzuckereinstellung erreicht wird.
In der aktuellen Therapie des Typ-2-Diabetes haben α-Glucosidasehemmer insgesamt nur noch eine untergeordnete Bedeutung.
Dosierung
Die Behandlung wird üblicherweise mit 3-mal täglich 50 mg begonnen. Zur Verbesserung der gastrointestinalen Verträglichkeit kann einschleichend mit 3-mal täglich 25 mg begonnen werden. Nach mehrwöchiger Behandlung kann je nach Verträglichkeit und Therapieerfolg auf 3-mal täglich 100 mg gesteigert werden.
Miglitol wird zu Beginn der Mahlzeit mit dem ersten Bissen eingenommen, da die Wirkung auf die Kohlenhydratverdauung während der Mahlzeit abzielt. Bei einer Kreatinin-Clearance über 25 ml/min ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei einer Kreatinin-Clearance unter 25 ml/min ist Miglitol kontraindiziert.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen betreffen überwiegend den Gastrointestinaltrakt und sind dosisabhängig. Sie nehmen im Therapieverlauf häufig ab. Sehr häufig treten auf:
- Flatulenz bis hin zum Meteorismus
- Diarrhö
- Bauchschmerzen
Häufig sind auch Übelkeit und Völlegefühl. Diese Beschwerden lassen sich durch eine Reduktion von Haushaltszucker und zuckerhaltigen Lebensmitteln vermindern.
Miglitol allein verursacht grundsätzlich keine Hypoglykämie. In Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin kann das Hypoglykämierisiko jedoch steigen. Hier ist ggf. eine Dosisreduktion des Kombinationspartners zu erwägen. Zur Behandlung einer Hypoglykämie ist Glucose (Traubenzucker) geeignet, deren Resorption durch Miglitol nicht verzögert wird – nicht dagegen Saccharose (Haushaltszucker).
Als seltene, im Rahmen der Postmarketing-Überwachung beobachtete Nebenwirkung wurde eine Pneumatosis cystoides intestinalis beschrieben. Bei Verdacht ist Miglitol abzusetzen und eine geeignete bildgebende Diagnostik einzuleiten.
Wechselwirkungen
Adsorbenzien wie medizinische Kohle sowie Verdauungsenzympräparate mit kohlenhydratspaltenden Enzymen (z.B. Amylase, Pankreatin) können die Wirkung von Miglitol vermindern und sollten nicht gleichzeitig eingenommen werden.
Die Resorption des Betablockers Propranolol kann durch Miglitol verringert werden. Für Glibenclamid, Metformin und Digoxin wurden nur geringfügige, klinisch nicht relevante Änderungen der Bioverfügbarkeit beobachtet.
Kontraindikationen
Miglitol ist unter anderem kontraindiziert bei:
- Überempfindlichkeit gegen Miglitol
- diabetischer Ketoazidose
- schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 25 ml/min)
- chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Kolonulzerationen
- partiellem Darmverschluss oder Prädisposition dazu
- chronischen Darmerkrankungen mit ausgeprägten Verdauungs- oder Resorptionsstörungen
- Zuständen, die sich durch vermehrte intestinale Gasbildung verschlechtern können (z.B. größere Hernien)
- Stillzeit
Für die Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Daten vor. Zur Blutzuckereinstellung wird in diesem Fall Insulin bevorzugt. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren liegen ebenfalls keine Daten vor, sodass Miglitol in dieser Altersgruppe nicht angewendet werden soll.
Zulassung
Quelle
- ↑ U.S. Food and Drug Administration. Glyset (miglitol) tablets – Prescribing Information. Stand 2009, abgerufen am 20.08.2026.