Liquorzirkulation
Synonyme: Liquorfluss, Liquortransport
Englisch: cerebrospinal fluid circulation, CSF circulation
Definition
Unter Liquorzirkulation versteht man den zyklischen Prozess aus Bildung, Transport und Resorption der Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) in den verschiedenen Liquorräumen des zentralen Nervensystems. Es handelt sich dabei nicht um eine gerichtete Bewegung wie in Blutgefäßen, sondern um eine komplexe pulsatile Flüssigkeitsdistribution.
Physiologie
Die Bildung des Liquor cerebrospinalis findet in den Plexus choroidei der Hirnventrikel statt. Täglich werden in allen vier Ventrikeln etwa 500-700 ml Liquor gebildet. Durch Resorption wird die zirkulierende Menge kontinuierlich auf etwa 150 ml begrenzt. Davon befinden sich etwa 20% in den Ventrikeln und 80% im Subarachnoidalraum.
Der Liquor gelangt über die Apertura mediana und die Aperturae laterales in den Subarachnoidalraum. Dieser weist Liquordepots in Form von Zisternen (Cisternae subarachnoideae) auf. Wichtige Zisternen sind die Cisterna cerebellomedullaris (magna) und die Cisterna basalis. Weitergehend findet auch eine Zirkulation des Liquors in den Canalis centralis des Rückenmarks statt.
Die Resorption des Liquors erfolgt vor allem im Subarachnoidalraum im Bereich der Granulationes arachnoideales. Darüber hinaus wird er im Bereich der Spinalnervenwurzeln über venöse Plexus und Lymphbahnen resorbiert. Neben diesen Resorptionswegen spielt das glymphatische System eine wichtige Rolle. Entlang perivaskulärer Räume (Virchow-Robin-Räume) gelangt Liquor in Kontakt mit der interstitiellen Flüssigkeit des Hirnparenchyms und tauscht sich mit ihr aus. Auf diese Weise trägt er zum Abtransport von Metaboliten sowie zur Verteilung von Nährstoffen und Signalmolekülen bei. Die interstitielle Flüssigkeit verlässt das Gehirn schließlich über lymphatische und venöse Abflusssysteme.
Ein wichtiger Antrieb für die Liquorzirkulation sind die arteriellen Pulsationen des Hirnparenchyms. Sie erzeugen intrazerebrale Volumenänderungen, die den Liquortransport möglich machen. Dadurch kann der Transport auch lageunabhängig und entgegen der Schwerkraft erfolgen, sodass der Liquor vom Unterhorn und Hinterhorn der Seitenventrikel nach superior befördert wird. Weitere Antriebsfaktoren sind Atembewegungen, Körperhaltung und venöse Pulsationen sowie die Zilienbewegung des Ependyms.
Klinik
Ist die Liquorzirkulation beinträchtigt, spricht man von einer Liquorzirkulationsstörung, welche die Produktion, den Abfluss oder die Resorption des Liquors betreffen kann. Liquorzirkulationsstörungen kommen unter anderem bei Malformationen, Hirnblutungen, Hirnvenenthrombosen und Neurosarkoidose vor. Häufig kommt es zu einer intrakraniellen Druckerhöhung und/oder zu einer Erweiterung der Ventrikelräume, die man als Hydrozephalus bezeichnet.
Quellen
- M. Schünke, E. Schulte, U. Schumacher et al.: Kopf, Hals und Neuroanatomie – Prometheus, 2. Auflage, Thieme (2009), S. 264 ff.
- Subarachnoidalraum: A. Koenitz, Dr. rer. nat. Fabienne Reh, Marlon Kamlah, Dr. Frank Antwerpes, Isabel Keller et al.: DocCheck Flexikon 12.11.2025