Lipoprotein (a)
Synonym: Lipoprotein-klein-a
Englisch: lipoprotein (a), Lp(a), lipoprotein little a
Definition
Lipoprotein (a), kurz Lp(a), gehört zu den Plasma-Lipoproteinen und hat eine weitgehende Strukturähnlichkeit mit Low Density Lipoprotein (LDL). Es gilt als unabhängiger Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit und Arteriosklerose. Die individuelle Lipoprotein (a)-Konzentration im Blutplasma ist überwiegend genetisch determiniert.
Biochemie
Lipoprotein (a) hat zwei Apolipoproteine, Apolipoprotein B-100, das auch bei LDL und VLDL vorkommt, sowie Apolipoprotein (a). Apolipoprotein (a) hat große Ähnlichkeit mit Plasminogen. Es wird angenommen, dass diese Strukturähnlichkeit zu Interaktionen von Lipoprotein (a) mit der Fibrinolyse führt. Lp(a) besitzt selbst keine fibrinolytische Aktivität.
Labormedizin
Die Bestimmung von Lp(a) wird bei Erwachsenen mindestens einmal im Leben empfohlen, da die Konzentration überwiegend genetisch determiniert ist und im Verlauf meist nur gering variiert. Eine erneute Messung ist in der Regel nicht erforderlich, kann jedoch bei sekundären Einflussfaktoren oder zur Bestätigung eines initial erhöhten Wertes sinnvoll sein.
Material
Für die Untersuchung wird 1 ml Serum benötigt.
Interpretation
Das kardiovaskuläre Risiko steigt mit zunehmender Lp(a)-Konzentration kontinuierlich an. Werte < 30 mg/dl (< 75 nmol/l) gelten als eher unauffällig ("rule-out"), während Werte > 50 mg/dl (> 125 nmol/l) mit einem erhöhten Risiko assoziiert sind ("rule-in"). Zwischenbereiche sollten im Kontext des individuellen Gesamtrisikos bewertet werden. Eine feste Grenzwertdefinition existiert nicht, da das Risiko kontinuierlich zunimmt.
Die Angabe in nmol/l ist zu bevorzugen, da eine direkte Umrechnung zwischen mg/dl und nmol/l aufgrund der Apo(a)-Isoformvariabilität nicht zuverlässig möglich ist.
Erhöhte Lp(a)-Spiegel sind überwiegend genetisch determiniert, können jedoch auch bei Niereninsuffizienz oder im Rahmen von Akute-Phase-Reaktionen (z.B. Infektionen, Myokardinfarkt) auftreten. Zudem bestehen interethnische Unterschiede: Personen afrikanischer Abstammung weisen im Median höhere Lp(a)-Konzentrationen auf als kaukasische Populationen.
Das kardiovaskuläre Risiko durch erhöhte Lp(a)-Werte wird durch zusätzliche Risikofaktoren, insbesondere erhöhte LDL-Cholesterin-Spiegel, weiter verstärkt und sollte daher stets im Gesamtkontext beurteilt werden.
Klinische Relevanz
Erhöhte Lp(a)-Konzentrationen sind kausal mit atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert, insbesondere mit koronarer Herzkrankheit, Myokardinfarkt, Schlaganfall und peripherer arterieller Verschlusskrankheit. Darüber hinaus besteht ein Zusammenhang mit der kalzifizierenden Aortenklappenstenose.
Pharmakologie
Eine etablierte medikamentöse Therapie zur selektiven Senkung von Lipoprotein (a) mit gesichertem kardiovaskulärem Nutzen steht derzeit (2026) nicht zur Verfügung. Der therapeutische Schwerpunkt liegt daher auf der konsequenten Kontrolle aller modifizierbaren kardiovaskulären Risikofaktoren, insbesondere einer intensiven Senkung des LDL-Cholesterins entsprechend aktueller Leitlinien.
PCSK9-Inhibitoren können den Lp(a)-Spiegel moderat senken, werden jedoch primär zur LDL-C-Reduktion eingesetzt. Eine spezifische Indikation zur Lp(a)-Senkung besteht derzeit nicht.
Bei stark erhöhten Lp(a)-Konzentrationen und progredienter kardiovaskulärer Erkrankung trotz optimaler Therapie der übrigen Risikofaktoren kann eine Lipidapherese erwogen werden. Diese erfolgt in der Regel bei Lp(a)-Werten > 60 mg/dl.
Neue pharmakologische Therapieansätze befinden sich in fortgeschrittener klinischer Entwicklung. In verschiedenen klinischen Studien werden u.a. Antisense-Oligonukleotide (z.B. Pelacarsen), RNA-Interferenztherapeutika (z.B. Olpasiran, Zerlasiran, Lepodisiran) und niedermolekulare Inhibitoren (z.B. Muvalaplin) untersucht.[1]
Podcast
Bildquelle
- Bildquelle Podcast: ChatGPT (DocCheck)
Quelle
- ↑ Nicholls, Therapeutic Potential of Lipoprotein(a) Inhibitors, Drugs, 2024
Literatur
- Parhofer und Laufs, Lipiddiagnostik unter besonderer Berücksichtigung von Lipoprotein(a), Dtsch Arztebl Int, 2023
- Kronenberg et al., Lipoprotein(a) in atherosclerotic cardiovascular disease and aortic stenosis: a European Atherosclerosis Society consensus statement, European Heart Journal, 2022
- ESC Guidelines: Dyslipidaemias, abgerufen am 27.04.2026
- Boffa et al., Frequent questions and responses on the 2022 lipoprotein(a) consensus statement of the European Atherosclerosis Society, Atherosclerosis, 2023
- Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden: Merkblatt Indikation Lipoproteinapherese, abgerufen am 27.04.2026
- Tsimikas et al., Lipoprotein(a) Reduction in Persons with Cardiovascular Disease, New England Journal of Medicine, 2020
- Nissen et al., Single Ascending Dose Study of a Short Interfering RNA Targeting Lipoprotein(a) Production in Individuals With Elevated Plasma Lipoprotein(a) Levels, JAMA, 2022
- ClinicalTrials.gov - Lp(a)HORIZON, abgerufen am 27.04.2026