Lingualtechnik
Synonyme: innenliegende Zahnspange, Lingualorthodontie, linguale Kieferorthopädie
Englisch: lingual orthodontics, lingual appliance
Definition
Die Lingualtechnik ist ein kieferorthopädisches Behandlungsverfahren mit festsitzenden Apparaturen, die auf der lingualen bzw. palatinalen Zahnfläche befestigt werden. Sie dient der Korrektur von Zahnfehlstellungen bei weitgehend unsichtbarer Apparatur.
Prinzip
Bei der Lingualtechnik werden Brackets und orthodontische Bögen nicht auf der vestibulären, sondern auf der oralen Seite der Zähne angebracht. Dadurch unterscheidet sich die Biomechanik von konventionellen vestibulären Multibracketapparaturen. Die Kraftapplikation erfolgt näher an den lingualen Zahnflächen und erfordert eine präzise Planung von Bracketposition, Bogenform und Verankerung.
Moderne linguale Apparaturen können individuell mithilfe von CAD/CAM-Technologie hergestellt werden. Dabei werden Bracketbasen, Slotpositionen und Bögen an die Zahnform und das therapeutische Set-up angepasst.[1]
Klinik
Indikationen
Die Lingualtechnik wird vor allem bei Patienten eingesetzt, bei denen eine festsitzende Behandlung indiziert ist und gleichzeitig hohe ästhetische Anforderungen bestehen. Sie kann bei dentoalveolären Zahnfehlstellungen wie Engständen, Lückenständen, Rotationen und bestimmten sagittalen oder vertikalen Abweichungen angewendet werden.[2]
Kontraindikationen
Ein ausgeprägter Tiefbiss ist eine relative Kontraindikation, da die Oberkieferfrontzähne bei starker vertikaler Überlappung auf die lingual platzierten Brackets der Unterkieferfrontzähne okkludieren und diese dadurch beschädigt oder abgelöst werden können.
Klinische Besonderheiten
Klinisch relevant sind die anspruchsvolle Bracketpositionierung sowie die veränderte Torque- und Angulationskontrolle im Vergleich zur vestibulären Technik.
Die Einschränkung des Zungenraums durch die lingual platzierten Brackets kann vorübergehend zu Sprachveränderungen führen, insbesondere zu einem Sigmatismus (Lispeln). Diese Beeinträchtigungen bilden sich bei den meisten Patienten innerhalb weniger Wochen durch Adaptation zurück. In Einzelfällen kann die vollständige Normalisierung der Aussprache mehrere Monate in Anspruch nehmen. Neben Sprachveränderungen können die lingual platzierten Brackets zu Druckstellen und Schleimhautirritationen der Zunge führen, die sich ebenfalls in der Regel innerhalb weniger Wochen durch Adaptation zurückbilden.
Die Zugänglichkeit für die Mundhygiene ist durch die linguale Lage der Brackets eingeschränkt, was zu erhöhter Plaqueakkumulation führt. Eine eingehende Mundhygieneinstruktion vor und während der Behandlung ist daher obligat. Gegenüber vestibulären Apparaturen ist das Risiko für White-Spot-Läsionen auf den Bukkalflächen bei der Lingualtechnik reduziert. Auf den lingualen Zahnflächen selbst kann das Kariesrisiko durch die erschwerte Reinigung jedoch erhöht sein.
Quellen
- ↑ Wiechmann et al., Customized brackets and archwires for lingual orthodontic treatment, Am J Orthod Dentofacial Orthop, 2003
- ↑ Nandakumar et al., Implications of Lingual Orthodontics Compared to Conventional Orthodontics, Cureus, 2024