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Hodendystopie

(Weitergeleitet von Kryptorchismus)

Synonyme: Kryptorchismus, Hodenhochstand
Englisch: undescended testis, testicular retention, cryptorchism

1 Definition

Als Hodendystopie werden ein- oder beidseitige Fehlstände des Hodens bezeichnet, bei denen sich der Hoden vorübergehend oder dauerhaft außerhalb des Hodensacks (Skrotum) befindet.

2 Formen

2.1 Hodenretention

Bei der Hodenretention bleibt der Hoden während des Deszensus aus der Bauchhöhle in das Skrotum (zwischen 28. und 32. Embryonalwoche) meist im Leistenkanal liegen. Nach der Lokalisation werden daher unterschieden:

  • präskrotale Hodenretention (Retentio testis praescrotalis)
  • inguinale Hodenretention (Retentio testis inguinalis, Leistenhoden)
  • abdominelle Hodenretention (Retentio testis abdominalis, Bauchhoden)

2.2 Hodenektopie

Bei der Hodenektopie entspricht die Lokalisation des Hodens nicht dem durch das Gubernaculum testis vorgegebenen Weg für den testikulären Deszensus. Zu unterscheiden sind:

  • epifaszial-inguinale Hodenektopie (Ectopia inguinalis)
  • femorale Hodenektopie (Ectopia femoralis)
  • perineale Hodenektopie (Ectopia perinealis)
  • transverse Hodenektopie (Ectopia transversa)
  • penile oder penodorsale Hodenektopie

2.3 Pendelhoden

Der Pendelhoden ist ein normal ins Skrotum deszendierter Hoden, der jedoch durch äußere Reize und einen besonders lebhaften Kremasterreflex vorübergehend in eine hochskrotale oder inguinale Lokalisation gebracht wird.

2.4 Gleithoden

Der Gleithoden tastet sich meist im Bereich des äußeren Leistenringes oder am Skrotalansatz und lässt sich durch manuellen Druck in die normale intraskrotale Lage ausstreifen. Sein sofortiges zurückgleiten führt zur Namensgebung.

3 Problematik

Das 2. Lebensjahr wird als Scheidepunkt für eine normale bzw. gestörte oder fehlende Funktion eines dystopen Hodens angesehen. Sekundäre Veränderungen bei dystopen Hoden führen zu eingeschränkter Fertilität und erhöhen das Risiko einer tumorösen Entartung im späteren Lebensalter um das 5fache. Das höchste Entartungsrisiko besteht bei abdominaler Hodenretention.

4 Diagnostik

Die klinische Untersuchung kann den Verdacht auf eine Hodendystopie verifizieren. Bei retraktilen Hoden (Pendelhoden, Gleithoden) kann ein von den Eltern geführtes Hodenlageprotokoll wichtige Hinweise geben.

5 Differentialdiagnosen

6 Therapie

Hodendystopien werden ab dem 6. Lebensmonat therapiert, da bis dahin noch die Möglichkeit eines spontanen Deszensus besteht. Mit Vollendung des 12. Lebensmonats sollte die Behandlung abgeschlossen sein.[1]

Von den retraktilen Hodendystopien (Pendelhoden, Gleithoden) muss nur der Gleithoden behandelt werden. Der Pendelhoden muss nicht therapiert werden, wenn er sich hauptsächlich in Skrotallage befindet.

Die Behandlung beginnt meist mit einer Hormontherapie. Die betroffenen Jungen erhalten ab dem 6. Lebensmonat ein LHRH-Nasenspray (z.B. Kryptocur®) über 28 Tage. Eine intramuskuläre Therapie mit humanem Choriongonadotropin (HCG), wöchentlich in 4 aufeinanderfolgenden Wochen, kann alternativ versucht werden. Beide Methoden führen in etwa 30% der Fälle zu einem Deszensus.

Die Hormonbehandlung ist nicht indiziert bei einer Hodenektopie, einer begleitenden Leistenhernie oder nach Herniotomie.

Bleibt die endokrinologische Behandlung erfolglos, ist eine operative Orchidopexie mit Funikulolyse, ggf. mit Orchidofunikulolyse indiziert, die zwischen dem 6. und dem 12. Lebensmonat durchgeführt werden sollte. Die möglichst spannungsfreie Verlagerung des Hodens in das Skrotum führt zum günstigsten funktionellen und kosmetischen Ergebnis.

7 Quellen

  1. S2k-Leitlinie 006/022: Hodenhochstand; Stand: 08/2016

Tags:

Fachgebiete: Urologie

Fixed. Danke für den Hinweis
#2 am 19.01.2018 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
Laut aktuellen S2 Leitlinien (Stand 08/2016) der AWMF, sollte die Behandlung mit vollendetem 12. Lebensmonat abgeschlossen sein. Und nicht wie hier behauptet ab dann erst therapiert. (Quelle: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-022l_S2k_Hodenhochstand_Maldescensus-testis_2017-10.pdf)
#1 am 10.01.2018 von Dennis Kasten (Student der Humanmedizin)

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