Koronare mikrovaskuläre Dysfunktion
Synonym: koronare Mikrozirkulationsstörung
Englisch: coronary microvascular dysfunction, CMD
Definition
Die koronare mikrovaskuläre Dysfunktion, kurz CMD, ist eine Funktionsstörung der kleinen Koronargefäße, die zu einer mangelnden Anpassung des koronaren Blutflusses an den Sauerstoffbedarf des Myokards führt. Sie kann eine Myokardischämie und Angina pectoris verursachen, auch wenn in der Koronarangiographie keine hämodynamisch relevante Koronarstenose nachweisbar ist.
siehe auch: Mikrozirkulationsstörung
Hintergrund
Die koronare Mikrozirkulation umfasst Gefäße mit einem Durchmesser von weniger als 500 µm. Sie ist wesentlich für die Regulation des Koronarwiderstands und damit der Myokardperfusion. Eine CMD ist der vermutete Pathomechanismus einer Angina pectoris bzw. Myokardischämie bei unauffälliger Koronarmorphologie (ANOCA bzw. INOCA).
Ätiologie
Eine mikrovaskuläre Dysfunktion kann primär, z.B. aufgrund einer endothelialen Dysfunktion oder Störung der Vasomotorik, oder sekundär auftreten. Mögliche Gründe für die häufigere sekundäre Form sind u.a.:
Pathophysiologie
Die Veränderungen der Mikrozirkulation bei CMD sind multifaktoriell bedingt. Wesentliche Auslöser sind endotheliale Dysfunktion und mikrovaskuläres Remodeling mit Verdickung der Gefäßwand. Sie führen zu einer Lumenreduktion und einem erhöhten Gefäßwiderstand. In der Folge kommt es zu einer eingeschränkten koronaren Flussreserve.
Klinik
Klinisch resultiert ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf, häufig belastungs- oder stressinduziert. Typisch sind anginaähnliche Beschwerden mit Dyspnoe und reduzierter Belastbarkeit. In der Bildgebung lassen sich jedoch keine relevanten Koronarstenosen nachweisen. Die CMD tritt häufiger bei Frauen auf und wird nicht selten als funktionell fehlinterpretiert.