Hiatt-Klassifikation
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LoslegenEnglisch: Hiatt classification
Definition
Die Hiatt-Klassifikation ist eine anatomische Klassifikation der arteriellen Gefäßversorgung der Leber. Sie unterscheidet eine reguläre Anatomie und fünf Varianten anhand des Ursprungs der Leberarterien.
siehe auch: Leberanatomie
Hintergrund
Grundlage der Klassifikation waren 1.000 Organentnahmen zur Lebertransplantation zwischen 1984 und 1993.[1] Die Hiatt-Klassifikation basiert auf der älteren Michels-Klassifikation, die zehn Typen unterscheidet. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass Hiatt bei den Typen II bis IV nicht zwischen einer ersetzten und einer akzessorischen Leberarterie unterscheidet. Dadurch werden mehrere Michels-Typen in gemeinsamen Kategorien zusammengefasst.
Eine ersetzte Arterie übernimmt dabei die Versorgung eines Leberanteils anstelle des normalerweise vorhandenen Gefäßes. Eine akzessorische Arterie ist dagegen eine zusätzliche arterielle Versorgung neben der regulären Arterie.
Klassifikation
| Typ | Anatomie | Häufigkeit in der Originalarbeit |
|---|---|---|
| I | Reguläre arterielle Anatomie | 75,7 % |
| II | Ersetzte oder akzessorische linke Leberarterie aus der Arteria gastrica sinistra | 9,7 % |
| III | Ersetzte oder akzessorische rechte Leberarterie aus der Arteria mesenterica superior | 10,6 % |
| IV | Kombination aus ersetzter oder akzessorischer rechter und linker Leberarterie aus Arteria mesenterica superior beziehungsweise Arteria gastrica sinistra | 2,3 % |
| V | Arteria hepatica communis aus der Arteria mesenterica superior | 1,5 % |
| VI | Arteria hepatica communis direkt aus der Aorta | 0,2 % |
Bei Typ I entspringt die Arteria hepatica communis regulär aus dem Truncus coeliacus. Nach Abgang der Arteria gastroduodenalis setzt sie sich als Arteria hepatica propria fort, die sich in eine rechte und linke Leberarterie aufteilt.
Die angegebenen Häufigkeiten beziehen sich auf die ursprüngliche Kohorte von Hiatt et al. und sind nicht als allgemeingültige Prävalenzwerte zu verstehen.[1] Eine retrospektive brasilianische Kohorte von 479 Lebertransplantationen fand nach der Hiatt-Klassifikation eine deutlich niedrigere Gesamtvariantenrate, mit Typ III (6,05 %) und Typ II (3,34 %) als häufigsten Abweichungen. Eine 2025 publizierte systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von 85 Studien und 47.732 Patienten fand eine reguläre Anatomie in nur 69,96 %. Diese Werte unterstreichen die populationsabhängige Streuung der Prävalenzangaben.[2]
Klinische Bedeutung
Die Kenntnis der arteriellen Varianten ist u.a. bei Lebertransplantationen, Leberresektionen, Pankreasoperationen und interventionell-radiologischen Eingriffen von Bedeutung. Abweichend verlaufende Gefäße können intraoperativ verletzt oder unbeabsichtigt ligiert und dadurch eine hepatische oder biliäre Ischämie ausgelöst werden. Von Bedeutung ist beispielsweise eine rechte Leberarterie aus der Arteria mesenterica superior (Typ III). Sie verläuft typischerweise dorsal der Vena portae und muss unter anderem bei hepatobiliären und pankreatischen Eingriffen berücksichtigt werden.
Bei der Lebertransplantation muss die arterielle Anatomie des Spenderorgans vollständig erfasst werden, um eine ausreichende arterielle Perfusion sämtlicher Leberanteile und des Gallengangsystems sicherzustellen. Abweichende Arterien können zusätzliche Rekonstruktionen oder eine Anpassung der arteriellen Anastomose erforderlich machen.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Hiatt JR, Gabbay J, Busuttil RW. Surgical anatomy of the hepatic arteries in 1000 cases. Ann Surg. 1994;220(1):50-2.
- ↑ Balcerzak A, Triantafyllou G, Demetriou F, Piagkou M, Olewnik Ł. The hepatic arterial system variations: a systematic review with meta-analysis. Ann Anat. 2025;263:152752. DOI: 10.1016/j.aanat.2025.152752