Hiatt-Klassifikation
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Englisch: Hiatt classification
Definition
Die Hiatt-Klassifikation ist eine anatomische Klassifikation der arteriellen Gefäßversorgung der Leber. Sie unterscheidet eine reguläre Anatomie und fünf Varianten anhand des Ursprungs der Leberarterien.
Die Klassifikation wurde 1994 von Hiatt et al. anhand der arteriellen Anatomie von 1.000 Spenderlebern entwickelt und stellt eine vereinfachte Modifikation der Michels-Klassifikation dar.
Klassifikation
| Typ | Anatomie | Häufigkeit in der Originalarbeit |
|---|---|---|
| I | Reguläre arterielle Anatomie | 75,7 % |
| II | Ersetzte oder akzessorische linke Leberarterie aus der Arteria gastrica sinistra | 9,7 % |
| III | Ersetzte oder akzessorische rechte Leberarterie aus der Arteria mesenterica superior | 10,6 % |
| IV | Kombination aus ersetzter oder akzessorischer rechter und linker Leberarterie aus A. mesenterica superior beziehungsweise A. gastrica sinistra | 2,3 % |
| V | Arteria hepatica communis aus der A. mesenterica superior | 1,5 % |
| VI | A. hepatica communis direkt aus der Aorta | 0,2 % |
Bei Typ I entspringt die A. hepatica communis regulär aus dem Truncus coeliacus. Nach Abgang der A. gastroduodenalis setzt sie sich als A. hepatica propria fort, die sich in eine rechte und linke Leberarterie aufteilt.
Die angegebenen Häufigkeiten beziehen sich auf die ursprüngliche Kohorte von Hiatt et al. und sind nicht als allgemeingültige Prävalenzwerte zu verstehen.[1]
Hintergrund
Grundlage der Klassifikation waren 1.000 Organentnahmen zur Lebertransplantation zwischen 1984 und 1993. Bei 757 Spendern lag die reguläre arterielle Anatomie vor, während bei 243 eine der beschriebenen Varianten gefunden wurde.[1]
Die Hiatt-Klassifikation basiert auf der älteren Michels-Klassifikation, die zehn Typen unterscheidet. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass Hiatt bei den Typen II bis IV nicht zwischen einer ersetzten und einer akzessorischen Leberarterie unterscheidet. Dadurch werden mehrere Michels-Typen in gemeinsamen Kategorien zusammengefasst.
Eine ersetzte Arterie übernimmt dabei die Versorgung eines Leberanteils anstelle des normalerweise vorhandenen Gefäßes. Eine akzessorische Arterie stellt dagegen eine zusätzliche arterielle Versorgung neben der regulären Arterie dar.
Klinische Bedeutung
Die Kenntnis der arteriellen Varianten ist insbesondere bei Lebertransplantationen, Leberresektionen, Pankreasoperationen und interventionell-radiologischen Eingriffen von Bedeutung. Abweichend verlaufende Gefäße können intraoperativ verletzt oder unbeabsichtigt ligiert werden und dadurch eine hepatische oder biliäre Ischämie verursachen.
Bei der Lebertransplantation muss die arterielle Anatomie des Spenderorgans vollständig erfasst werden, um eine ausreichende arterielle Perfusion sämtlicher Leberanteile und des Gallengangsystems sicherzustellen. Abweichende Arterien können zusätzliche Rekonstruktionen oder eine Anpassung der arteriellen Anastomose erforderlich machen.
Von besonderer chirurgischer Bedeutung ist beispielsweise eine rechte Leberarterie aus der A. mesenterica superior (Typ III). Sie verläuft typischerweise dorsal der Vena portae und muss unter anderem bei hepatobiliären und pankreatischen Eingriffen berücksichtigt werden.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Hiatt et al., Surgical anatomy of the hepatic arteries in 1000 cases, Ann Surg, 1994
Literatur
- Hiatt et al., Surgical anatomy of the hepatic arteries in 1000 cases, Annals of Surgery, 1994
- Fonseca-Neto et al., Anatomic variations of hepatic artery: a study in 479 liver transplantations, Arquivos Brasileiros de Cirurgia Digestiva, 2017