Gallengangsanastomose
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LoslegenSynonyme: biliäre Anastomose, biliäre Rekonstruktion
Englisch: biliary anastomosis, biliary reconstruction
Definition
Eine Gallengangsanastomose ist eine operativ angelegte Verbindung zwischen zwei Gallengangsabschnitten oder zwischen einem Gallengang und dem Gastrointestinaltrakt. Sie dient der Wiederherstellung des Galleabflusses nach Resektion, Verletzung oder Transplantation.
Terminologie
Der Begriff wird nicht einheitlich verwendet. Streng genommen bezeichnet eine Gallengangsanastomose die Duct-to-duct-Anastomose, also eine direkte Verbindung zwischen zwei Gallengängen. Im klinischen Sprachgebrauch wird der Begriff teils auch für die biliodigestive Anastomose verwendet, also die Verbindung eines Gallengangs mit dem Gastrointestinaltrakt.
Formen
Duct-to-duct-Anastomose
Bei der Duct-to-duct-Anastomose werden die zwei Abschnitte des Gallengangsystems direkt miteinander verbunden. Die Gallengangsanastomose ist Bestandteil jeder Lebertransplantation, da eine Rekonstruktion des Gellenabflusses erforderlich ist. Meist erfolgt diese als End-zu-End-Anastomose, seltener auch als Seit-zu-Seit-Anastomose.
Die Duct-to-duct-Anastomose ist bei geeigneten anatomischen Voraussetzungen der bevorzugte Rekonstruktionstyp bei der Lebertransplantation.[1] Vorteile sind der Erhalt des physiologischen Galleabflusses über den Sphincter Oddi, der Verzicht auf eine intestinale Anastomose und insbesondere der erhaltene endoskopische Zugang zum Gallengangsystem über eine konventionelle ERCP. Voraussetzungen sind ausreichend vitale, gut perfundierte Gangenden sowie eine möglichst spannungsfreie Anastomose. Eine übermäßige Präparation bzw. Skelettierung des Gallengangs muss vermieden werden, da die Blutversorgung über ein feines Gefäßnetz erfolgt und eine lokale Ischämie die Entstehung von Komplikationen begünstigt.
Größenunterschiede zwischen Spender- und Empfängergallengang können die Rekonstruktion technisch erschweren und das Risiko einer späteren Striktur erhöhen.
Biliodigestive Rekonstruktion
Ist eine direkte Duct-to-duct-Anastomose operativ nicht sinnvoll oder technisch nicht möglich, kann eine biliodigestive Anastomose angelegt werden. Bei der Lebertransplantation erfolgt dies typischerweise als Roux-en-Y-Hepatikojejunostomie. Ein Nachteil gegenüber der Duct-to-duct-Rekonstruktion ist der erschwerte endoskopische Zugang zum Gallengangsystem. Eine konventionelle ERCP ist nach Roux-en-Y-Rekonstruktion meist nicht möglich; bei Komplikationen können daher ballonenteroskopische, perkutane oder andere interventionelle Zugangsverfahren erforderlich sein.
siehe auch: biliodigestive Anastomose
Komplikationen
Die wichtigsten Komplikationen einer Gallengangsanastomose sind:
- Anastomosenstriktur
- Anastomosenleckage
- Cholangitis
- Gallengangsobstruktion
- seltener vollständige Anastomoseninsuffizienz
Anastomosenleckage und Anastomosenstriktur zählen zu den häufigsten Komplikationen nach Lebertransplantation und werden nach der BileducTx-Konsensusklassifikation eingeteilt.[2] Sie werden von Erkrankungen des übrigen Gallengangsystems, insbesondere einer Posttransplantations-Cholangiopathie, abgegrenzt.[3] Lokale Ischämie, technische Faktoren, Größeninkongruenz und eine vorausgegangene Galleleckage begünstigen die Ausbildung einer fibrotischen Anastomosenstriktur.
Quellen
- ↑ Jabłonska B. End-to-end ductal anastomosis in biliary reconstruction: indications and limitations. Can J Surg. 2014;57(4):271-7.
- ↑ Memeo R, Piardi T, Sangiuolo F, Sommacale D, Pessaux P. Management of biliary complications after liver transplantation. World J Hepatol. 2015;7(29):2890-5.
- ↑ Esser H, de Jong IEM, Roos FM, et al. Consensus classification of biliary complications after liver transplantation: guidelines from the BileducTx meeting. Br J Surg. 2025;112(5).