Gallengangsanastomose
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Synonyme: biliäre Anastomose, biliäre Rekonstruktion
Englisch: biliary anastomosis, biliary reconstruction
Definition
Eine Gallengangsanastomose ist eine operativ angelegte Verbindung zwischen zwei Abschnitten des Gallengangsystems oder zwischen einem Gallengang und dem Gastrointestinaltrakt. Sie dient der Wiederherstellung des Galleabflusses nach Resektion, Verletzung oder Transplantation.
Besondere Bedeutung besitzt die Gallengangsanastomose bei der Lebertransplantation, bei der nach Implantation des Transplantats eine Rekonstruktion des biliären Abflusses erforderlich ist. Grundsätzlich wird zwischen einer direkten Duct-to-duct-Anastomose und einer biliodigestiven Anastomose (BDA) unterschieden.
Formen
| Form | Prinzip | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| Duct-to-duct-Anastomose | Direkte Verbindung zwischen zwei Gallengängen, meist End-zu-End | Standardverfahren bei der Lebertransplantation bei geeigneter Anatomie |
| Biliodigestive Anastomose | Verbindung eines Gallengangs mit dem Gastrointestinaltrakt | Bei fehlender Möglichkeit einer direkten Gallengangsanastomose |
| Hepatikojejunostomie | Verbindung des Ductus hepaticus bzw. zentraler Gallengänge mit einer Jejunumschlinge | Häufigste Form der biliodigestiven Rekonstruktion |
| Choledochojejunostomie | Verbindung des Ductus choledochus mit dem Jejunum | Je nach anatomischer Situation |
| Hepatikoduodenostomie | Verbindung des Gallengangs mit dem Duodenum | Seltener eingesetzte biliodigestive Rekonstruktion |
Duct-to-duct-Anastomose
Bei der Duct-to-duct-Anastomose wird der Gallengang des einen Operationspartners direkt mit dem Gallengang des anderen verbunden. Bei der Lebertransplantation handelt es sich typischerweise um eine Verbindung zwischen Spender- und Empfängergallengang. Meist erfolgt diese als End-zu-End-Anastomose; auch Seit-zu-Seit-Techniken wurden beschrieben.
Die Duct-to-duct-Anastomose gilt bei geeigneten anatomischen Voraussetzungen als bevorzugte biliäre Rekonstruktion bei der Lebertransplantation. Vorteile sind der Erhalt des physiologischen Galleabflusses über den Sphincter Oddi, der Verzicht auf eine intestinale Anastomose und insbesondere der erhaltene endoskopische Zugang zum Gallengangsystem über eine konventionelle ERCP.
Voraussetzungen sind ausreichend vitale, gut perfundierte Gallengangsenden sowie eine möglichst spannungsfreie Anastomose. Eine übermäßige Präparation bzw. Skelettierung des Gallengangs sollte vermieden werden, da dessen Blutversorgung über ein feines peribiliäres Gefäßnetz erfolgt und eine lokale Ischämie die Entstehung biliärer Komplikationen begünstigen kann.
Eine Größeninkongruenz zwischen Spender- und Empfängergallengang kann die Rekonstruktion technisch erschweren und das Risiko einer späteren Striktur erhöhen. Je nach Situation können technische Anpassungen der Anastomose erforderlich sein.
Biliodigestive Rekonstruktion
Ist eine direkte Duct-to-duct-Anastomose nicht sinnvoll oder technisch nicht möglich, kann eine biliodigestive Anastomose angelegt werden. Bei der Lebertransplantation erfolgt dies typischerweise als Roux-en-Y-Hepatikojejunostomie.
Mögliche Gründe sind unter anderem eine ungeeignete Anatomie oder Qualität des Empfängergallengangs, ausgeprägte Größenunterschiede, komplexe biliäre Rekonstruktionen sowie bestimmte vorausgegangene Operationen. Bei Split- und Lebendlebertransplantationen können aufgrund mehrerer kleiner Gallengangsostien ebenfalls komplexere Rekonstruktionen notwendig werden.
Ein Nachteil gegenüber der Duct-to-duct-Rekonstruktion ist der erschwerte endoskopische Zugang zum Gallengangsystem. Eine konventionelle ERCP ist nach Roux-en-Y-Rekonstruktion meist nicht möglich; bei biliären Komplikationen können daher ballonenteroskopische, perkutane oder andere interventionelle Zugangsverfahren erforderlich sein.
Komplikationen
Die wichtigsten Komplikationen einer Gallengangsanastomose sind:
- Anastomosenstriktur
- Anastomosenleckage
- Cholangitis
- biliäre Obstruktion
- seltener vollständige Anastomoseninsuffizienz
Nach Lebertransplantation sollten anastomotische Komplikationen von Erkrankungen des übrigen Gallengangsystems, insbesondere einer Posttransplantations-Cholangiopathie, unterschieden werden. Nach dem BileducTx-Konsensus werden anastomotische Veränderungen separat als Anastomosenstriktur oder Anastomosenleckage dokumentiert.
Die Durchblutung der Gallengangsenden ist dabei von besonderer Bedeutung. Lokale Ischämie, technische Faktoren, Größeninkongruenz und eine vorausgegangene Galleleckage können die Ausbildung einer fibrotischen Anastomosenstriktur begünstigen.
Bedeutung bei der Lebertransplantation
Die biliäre Rekonstruktion stellt einen technisch und prognostisch wichtigen Schritt der Lebertransplantation dar. Aufgrund der besonderen Ischämieempfindlichkeit des Gallengangsepithels und seiner im Wesentlichen arteriellen Blutversorgung werden biliäre Komplikationen traditionell als eine wesentliche Achillesferse der Lebertransplantation angesehen.
Bei der Dokumentation biliärer Komplikationen sollte deshalb auch die Art der biliären Rekonstruktion angegeben werden. Dies wird ausdrücklich von der aktuellen BileducTx-Konsensusklassifikation empfohlen.
Quellen
Jablonska B et al., End-to-end ductal anastomosis in biliary reconstruction: indications and limitations. , Can J Surg. 2014
Memeo R et al., Management of biliary complications after liver transplantation. , World J Hepatol. 2015
Esser et al., Consensus classification of biliary complications after liver transplantation: guidelines from the BileducTx meeting, Br J Surg, 2025