Fruktose
Synonyme: Fructose, Lävulose, Fruchtzucker
Englisch: fructose
Definition
Fruktose ist ein natürlich vorkommendes, süß schmeckendes Monosaccharid mit der Summenformel C6H12O6.
Chemie
Fruktose weist sechs Kohlenstoffatome auf und gehört deshalb zu den Hexosen; ihr C2-Atom trägt eine Ketogruppe (Ketohexose). In wässriger Lösung liegt Fruktose als Gleichgewicht verschiedener Formen vor. Dabei können sowohl Fünfring- (Furanose) als auch Sechsringstrukturen (Pyranose) auftreten.
Biochemie
Fruktose ist ein wichtiger Metabolit des menschlichen Organismus. Sie wird über die Nahrung aufgenommen (u.a. aus Saccharose nach Spaltung durch Disaccharidasen) und im Dünndarm hauptsächlich über den Transporter GLUT5 resorbiert. Der Transport ins Blut erfolgt u.a. über GLUT2.
Ein Teil der aufgenommenen Fruktose wird bereits im Dünndarm metabolisiert, bevor sie über die Pfortader zur Leber gelangt.
In der Leber wird Fruktose überwiegend über die sogenannte Fruktolyse verstoffwechselt:
- Phosphorylierung durch Fruktokinase zu Fruktose-1-phosphat
- Spaltung durch Aldolase B in Dihydroxyacetonphosphat (DHAP) und Glycerinaldehyd
- Weiterverarbeitung (u.a. über Triokinase) zu Intermediaten der Glykolyse
Alternativ kann Fruktose in geringem Maße durch Hexokinase zu Fruktose-6-phosphat phosphoryliert werden. Die entstehenden Metabolite können in Glykolyse, Glukoneogenese und Lipogenese eingeschleust werden.
Ernährungsmedizin
Fruktose ist ein natürlicher Bestandteil vieler Lebensmittel (z.B. Obst, Honig) und wird häufig als Bestandteil der Saccharose oder in Form von industriell hergestelltem Glukose-Fruktose-Sirup (HFCS) aufgenommen.
Im Gegensatz zu Glukose erfolgt die hepatische Metabolisierung von Fruktose weitgehend Insulin-unabhängig. Fruktose wird bevorzugt in der Leber verstoffwechselt und kann in erhöhtem Maße zur Lipogenese beitragen. Eine hohe Fruktosezufuhr wird daher mit der Entwicklung von metabolischen Erkrankungen assoziiert, insbesondere mit Insulinresistenz und metabolischem Syndrom.
Darüber hinaus kann eine erhöhte Fruktoseaufnahme über den gesteigerten Abbau von ATP zu AMP die Bildung von Harnsäure fördern und so zur Entstehung einer Hyperurikämie beitragen.
Die klinische Relevanz hängt von der aufgenommenen Menge und der Darreichungsform ab. Während Fruktose in natürlicher Form (z.B. in Obst) in der Regel unproblematisch ist, wird eine hohe Zufuhr von isolierter oder zugesetzter Fruktose (z.B. in zuckerhaltigen Getränken) kritisch bewertet.
Bei einer Fruktosemalabsorption besteht ein Defekt des Fruktosetransporters GLUT5 im Darm, der zur verminderten Fruktoseaufnahme führt und mit Blähungen und Diarrhö einhergeht. In diesem Fall sollte die Zufuhr fruktosereicher Lebensmittel reduziert werden. Therapeutisch kommen u.a. diätetische Maßnahmen (z.B. FODMAP-arme Ernährung) zum Einsatz.
Nach aktueller Lehrmeinung (2026) wird Fruktose nicht mehr als Glukoseersatz bei Diabetikern empfohlen.
Klinik
Zu den Erkrankungen, die durch Störungen des Fruktosestoffwechsels bedingt sind, zählen:
- essentielle Fruktosurie: seltene, meist benigne Stoffwechselstörung, die auf einem Mangel des Enzyms Fruktokinase beruht und zu erhöhten Fruktosespiegeln im Blut und im Harn führt
- hereditäre Fruktoseintoleranz (HFI): autosomal-rezessive Erkrankung durch Mutationen im ALDOB-Gen (Aldolase B), die eine Anreicherung von Fruktose-1-phosphat in Leber, Niere und Darm nach sich zieht
Fruktose ist ein wichtiges Substrat für die Spermatozoen, sie wird von den Samenbläschen produziert und kommt deswegen in erhöhter Konzentration (≥ 13 μmol/Ejakulat) vor. Ein Fruktosemangel korreliert oft mit verminderter Spermienqualität. Der Fruktosegehalt im Ejakulat ist ein wichtiger differentialdiagnostischer Marker zur Unterscheidung von obstruktiver und sekretorischer Azoospermie. Ein erniedrigter Fruktosewert im Ejakulat deutet auf eine Ejakulationsgangobstruktion oder eine Samenblasenbeteiligung hin.