Frühes Repolarisationsmuster
Synonym: frühe Repolarisation
Englisch: early repolarization pattern (ERP), benign early repolarisation (BER)
Definition
Beim frühen Repolarisationsmuster, kurz ERP, handelt es sich um eine EKG-Abweichung, die in der Regel gutartig ist. Sie ist durch eine Erhebung des J-Punktes am Ende des QRS-Komplexes gekennzeichnet.
Abgrenzung
Von einem frühen Repolarisationssyndrom (ERS) spricht man bei Vorliegen eines frühen Repolarisationsmusters mit erhöhter Neigung zu ventrikulären Arrhythmien bzw. plötzlichem Herzstillstand.
Epidemiologie
Das frühe Repolarisationsmuster ist häufig: Es tritt bei 1 bis 13 % der Normalbevölkerung auf, dabei sind primär Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. In 60 bis 70 % der Fälle sind die Betroffenen männlich. Die Prävalenz bei Sportlern beträgt bis zu 44 %.
Ätiologie
Die Ursachen des frühen Repolarisationsmusters sind bislang (2026) unbekannt, möglicherweise ist es erblich bedingt. Pathophysiologisch wird eine verstärkte epikardiale Repolarisation mit Ausbildung transmuraler Spannungsgradienten diskutiert. Das frühe Repolarisationsmuster zählt gemeinsam mit dem Brugada-Syndrom zu den sogenannten J-wave-Syndromen.
Symptome
In der Regel ist das frühe Repolarisationsmuster eine benigne EKG-Veränderung, die Betroffenen sind ansonsten gesund und asymptomatisch. Neuere Studien zeigen jedoch, dass die Veränderung mit einem leicht erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztod assoziiert ist. Übergänge oder Überschneidungen mit dem Brugada-Syndrom wurden in Einzelfällen beschrieben.
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt anhand der EKG-Morphologie. Im EKG ist eine konkave ST-Hebung sichtbar. Dabei ist der J-Punkt in mindestens 2 benachbarten Ableitungen (inferior oder lateral) um ≥ 1 mm erhöht. Es wird zwischen zwei anormalen Formen des deszendierenden Schenkels der R-Zacke unterschieden: "notched" (kleine Zacke nach R-Zacke) oder "slurred" (kleine Stufe von R-Zacke ausgehend). Bei der notched-Form, sowie bei einer Anhebung des J-Punktes ≥ 2 mm im Inferior- oder Inferolateralgebiet ist das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöht. Eine horizontale oder deszendierend verlaufende ST-Strecke nach der J-Punkt-Hebung gilt als ungünstiger prognostischer Marker.
Differentialdiagnosen
Mögliche Differentialdiagnosen, die ebenfalls mit einer ST-Hebung einhergehen sind:
- Perikarditis
- ST-Hebungsinfarkt
- Brugada-Syndrom
- Hypothermie mit Osborn-Wellen
Quellen
- Philippe FURGER und Co., SURFmed GUIDELINES Allgemeine Innere Medizin, 6. Auflage 2021
- ekgecho.de - Frühe Repolarisation, abgerufen am 29.07.2022
- LITFL - Benign Early Repolarisation, abgerufen am 29.07.2022
- Universitätsklinikum Heidelberg - Early Repolarization Syndrom, abgerufen am 29.07.2022