Chronisches Beckenschmerzsyndrom
Englisch: chronic pelvic pain syndrome
Definition
Das chronische Beckenschmerzsyndrom, kurz CPPS, ist ein Oberbegriff für Schmerzsyndrome im kleinen Becken ohne klare Pathologie, die mindestens drei bis sechs Monate andauern. Es handelt sich um ein heterogenes Krankheitsbild mit unterschiedlichen Ursachen, Verläufen und Therapieansätzen. Die Erkrankung betrifft sowohl Männer als auch Frauen.
Terminologie
Der Begriff CPPS wird in der internationalen Literatur uneinheitlich verwendet. Die International Association for the Study of Pain (IASP) unterscheidet zwischen Beckenschmerz mit klar definierter Pathologie („specific disease-associated pelvic pain“) und chronischem Beckenschmerzsyndrom ohne offensichtliche Pathologie („chronic pelvic pain syndrome“, CPPS).
In der urologischen Praxis wird CPPS primär für chronische, nicht-infektiöse Schmerzsyndrome der Harnblase, der Prostata oder der Harnwege verwendet. Diese Form wird auch als "urologisches chronisches Beckenschmerzsyndrom" (UCPPS) abgegrenzt.
In der Gynäkologie kursiert darüber hinaus die Bezeichnung "chronischer Unterbauchschmerz der Frau", die sich mit dem CPPS überlappt, jedoch auch Schmerzen umfasst, denen strukturelle Veränderungen (z.B. eine Adenomyosis uteri) zugrunde liegen.
Epidemiologie
Das chronische Beckenschmerzsyndrom ist eine Erkrankung, die in allen Altersklassen auftritt. Aufgrund unterschiedlicher Definitionen variieren Angaben zur Prävalenz erheblich.
Ätiologie
Mögliche Ursachen eines chronischen Beckenschmerzsyndroms sind:
Gynäkologie
- Vulvo-/Vestibulodynie
- venöse Stauung im kleinen Becken (Beckenvenenstauungssyndrom, Pelvic Venous Disorder)
Urologie
Gastroenterologie
Muskuloskelettales System
- Fibromyalgiesyndrom
- myofasziale Schmerzen
- Neuralgien und neuropathisches Schmerzsyndrom, z.B.
- Nervenkompressionssyndrome
- Beckenbodendysfunktion
Psychiatrie
Psychische Komorbiditäten wie affektive Störungen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung oder somatoforme Schmerzstörungen können Prädisposition, Wahrnehmung und Chronifizierung beeinflussen. Im Sinne eines biopsychosozialen Modells ist eine isolierte Zuordnung zu ausschließlich psychischen oder ausschließlich somatischen Ursachen häufig nicht möglich.
Symptome
Leitsymptom ist ein Beckenschmerz, der länger als 3 bis 6 Monate besteht. Je nach Ursache können weitere Beschwerden bestehen, z.B.:
- Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule
- Schmerzen bei der Defäkation
- Schmerzen beim Sitzen
- Flankenschmerzen
- Dysmenorrhö (bei Frauen)
- Dyspareunie
- Dysurie
- Diarrhö/Obstipation
- Fatigue
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst die Anamnese und die körperliche Untersuchung. Je nach vermuteter Ursache kommt ergänzend eine spezielle urologische, gynäkologische oder gastroenterologische Diagnostik zum Einsatz. Darüber hinaus werden verschiedene bildgebende Verfahren zum Ausschluss organischer Ursachen eingesetzt.
Literatur
- AWMF-Leitlinie Interstitielle Zystitis/Blasenschmerzsyndrom (IC/BPS), abgerufen am 26.01.2026