Interstitielle Zystitis
Englisch: interstitial cystitis
Definition
Die interstitielle Zystitis, kurz IC, ist ein urologisches Schmerzsyndrom aus der Gruppe der chronischen urogenitalen Beckenschmerzsyndrome (CPPS). Es ist durch Schmerzen in der Blasenregion, Pollakisurie und imperativen Harndrang sowie durch objektiv nachweisbare entzündliche Veränderungen charakterisiert.
- ICD-10-Code: N30.1
Nomenklatur
Die aktuelle deutsche AWMF-Leitlinie (2025) verwendet den Oberbegriff IC/BPS für das gesamte Spektrum chronischer Blasenschmerzen. Innerhalb dieses Spektrums werden aber zwei Subtypen klar differenziert:
- Interstitielle Zystitis (IC): Subtyp mit objektiv nachweisbaren entzündlichen Veränderungen in Zystoskopie und/oder Histologie (z.B. Hunner-Läsionen, Glomerulationen, Mastzellinfiltration, Fibrose)
- Blasenschmerzsyndrom (BPS): Subtyp ohne objektive strukturelle oder entzündliche Befunde – rein symptombasierte Diagnose nach Ausschluss organischer Pathologien
In der internationalen ICS-Nomenklatur werden IC und BPS hingegen weniger streng voneinander getrennt.
Epidemiologie
Da die IC und das Blasenschmerzsyndrom rein symptomatisch nicht zu unterscheiden sind, werden epidemiologische Angaben für das gesamte IC/BPS-Spektrum zusammenfassend berichtet.
siehe auch: chronisches Beckenschmerzsyndrom.
Ätiologie
Die genaue Ursache der Erkrankung ist unklar. Unter anderem werden neurologische, hormonelle, vaskuläre, allergische und immunologische Störungen als Auslöser gehandelt. Als weitere Faktoren kommen in Betracht:
- häufige Infektionen
- veränderte Blasenschleimhautbarriere
- exogene Noxen
Einteilung
Die interstitielle Zystitis wird nach zystoskopischen und histologischen Befunden in zwei Subtypen eingeteilt:
- Hunner-Typ IC (HIC): mit zystoskopisch sichtbaren Hunner-Läsionen
- Nicht-Hunner-Typ IC (NHIC):
- mit Glomerulationen
- ohne Glomerulationen
Symptome
Die Beschwerden einer interstitiellen Zystitis sind denen einer bakteriellen Zystitis ähnlich, aber oft deutlich stärker ausgeprägt und chronisch:
Diagnostik
Zunächst erfolgt eine ausführliche Anamnese sowie die systematische Erhebung von Schmerz- und Miktionsprofilen. Entscheidend ist der Ausschluss anderer Ursachen wie Infektionen, Tumoren oder Endometriose. Eine Zystoskopie, idealerweise mit Hydrodistension, dient der Beurteilung der Blasenschleimhaut und der Subtypisierung (z.B. Nachweis von Hunner-Läsionen oder Glomerulationen). Eine Blasenbiopsie kann zum Ausschluss anderer Pathologien (z.B. Carcinoma in situ) sowie zur weiteren Charakterisierung sinnvoll sein.
Therapie
Die Therapie erfolgt stufenweise nach aktuellem Leitlinienstandard. Zunächst werden Allgemeinmaßnahmen wie Ernährungsumstellung, Anpassung des Trinkverhaltens und Stressbewältigung empfohlen.
Zur medikamentösen Behandlung zählen unter anderem schmerzmodulierende Antidepressiva wie Amitriptylin, der Blasenschleimhaut-protektive Wirkstoff Pentosanpolysulfat, sowie Antihistaminika, insbesondere bei nachgewiesener Mastzellinfiltration.
Intravesikale Therapien umfassen die Instillationstherapie (z.B. mit Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat oder Lidocain) sowie die EMDA-Therapie.
Weitere Optionen sind die Behandlung mit Botulinumtoxin A, Neuromodulation sowie multimodale Schmerztherapie und psychosomatische Mitbehandlung.
Prognose
Die Prognose ist variabel. Eine frühzeitige Diagnose und subtypspezifische Therapie kann Chronifizierung und Komplikationen (z.B. Blasenfibrose) entgegenwirken.
Literatur
- AWMF-Leitlinie Interstitielle Zystitis / Blasenschmerzsyndrom (IC/BPS), abgerufen am 26.01.2026