Dreigläserprobe
Synonym: 3-Gläser-Probe
Englisch: three-glass test
Definition
Eine Dreigläserprobe ist ein Untersuchungsverfahren in der Urologie und Neurologie, bei dem das zu untersuchende Material auf drei verschiedene Proben aufgeteilt wird.
Urologie
Die Dreigläserprobe ist eine Urinprobe, bei welcher der Urin bei normaler Blasenentleerung in drei getrennten Portionen aufgefangen wird. Sie ermöglicht eine Aussage darüber, in welchem Abschnitt der männlichen Harnwege eine Entzündung besteht.
Im Rahmen der Dreigläserprobe erhält man drei verschiedene Harnportionen:
Der Erststrahlurin erlaubt Rückschlüsse auf den Keimbefall der Harnröhre. Hat die Keimbesiedlung schon die Harnblase erreicht, sind darüber hinaus auch im Mittelstrahlurin Krankheitserreger nachzuweisen. Der Terminalstrahlurin wird nach vorsichtiger Prostatamassage gewonnen und gibt Hinweise auf den Keimstatus der Prostata.
Neurologie
Die Dreigläserprobe dient bei der Liquorentnahme der Differenzierung zwischen artifiziellen und intrathekalen Blutungen. Sie wird u.a. zur Diagnose bei Verdacht auf Subarachnoidalblutung herangezogen. Ihre Verlässlichkeit ist allerdings umstritten.[1]
Bei der Dreigläserprobe wird nach adäquater Punktion das herauslaufende Liquorvolumen (bei Erwachsenen 5–10 ml, bei Kindern 3–5 ml) auf drei Röhrchen bzw. Gefäße verteilt. Wird der Liquor im Vergleich zum ersten Röhrchen im zweiten und dritten zunehmend klarer, kann man von einer artifiziellen, also durch die Punktion induzierten, Blutung ausgehen.
Sollte der Liquor in allen drei Gefäßen eine gleiche rötliche Färbung aufweisen, spricht dies für eine intrathekale Blutung. Eine rotbraune oder gelbliche Verfärbung (Xanthochromie) entsteht erst verzögert durch den Abbau von Blutbestandteilen.
Quelle
- ↑ Petridis et al., Aneurysmal subarachnoid hemorrhage—diagnosis and treatment, Dtsch Arztebl Int, 2017