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Skabies

Synonyme: Krätze, Scabies
Englisch: scabies

1 Definition

Skabies ist eine durch Parasiten (Krätzmilben) hervorgerufene, ansteckende Hauterkrankung.

ICD-10-Code: B 86

2 Erreger

Die Skabies wird durch den Erreger Sarcoptes scabiei var. hominis ausgelöst, der zu den Spinnentieren gehört. Man kann ihn aufgrund seiner Lebensweise sowohl den Endo- als auch den Ektoparasiten zuordnen.

Weibliche Milben sind ovoide, etwa 0,3 bis 0,5 mm groß, männliche Milben, gleichfalls ovoid, 0,2 bis 0,3 mm - damit sind sie mit dem bloßen Auge gerade noch erkennbar. Im ausgereiften Stadium und im Nymphenstadium besitzen sie 4 Beinpaare, im Larvenstadium 3 Beinpaare.

3 Übertragung

Die Übertragung der Krätzmilbe kann auf 2 Arten erfolgen:

3.1 Direkte Übertragung

Hier wird die Infektion durch direkten Hautkontakt zwischen 2 Menschen weitergegeben. Für die Übertragung können selbst kurze Kontakte ausreichen. Die Übertragungswahrscheinlichkeit steigt mit der Milbendichte auf der Haut des Infizierten.

3.2 Indirekte Übertragung

Die Übertragung auf dem indirekten Weg erfolgt durch Kontakt mit infizierten Hautschuppen. Als Übertragungsorte bzw. -gegenstände kommen gemeinsame Schlafplätze, Leibwäsche, Handtücher, Gummihandschuhe, Polstermöbel oder Schlafzimmerfußböden in Frage. Krätzmillben können nach dem Abschuppen aus den Herden infizierter Patienten bei Zimmertemperatur 24-36 Stunden, in Einzelfällen sogar bis zu 96 Stunden außerhalb ihres Wirts überleben.

4 Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren für eine Infektion mit Skabies zählen unter anderem:

5 Epidemiologie

Krätze kommt vor allem dort vor, wo viele Menschen auf begrenztem Raum mit mangelnder Hygiene leben. In Europa begegnet einem die Krankheit häufig in Alters- oder Pflegeheimen, wo sie sich - vor allem bei zu später Erkennung der Ursache - rasch zu einer Endemie entwickeln kann.

6 Pathogenese

Die Hautveränderungen bei Skabies sind das Resultat einer Reizung und Gewebszerstörung durch die Krätzmilben. Die weiblichen Milben bohren Gänge in das Stratum corneum der Haut und legen dort ihre Eier ab. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die aus den Bohrgängen auswandern und auf der Hautoberfläche neue Bohrtaschen graben. Hier entwickeln sich aus den Larven so genannte Nymphen. Aus den Nymphen wiederum entstehen neue Männchen und Weibchen, die nach der Begattung auf der Hautoberfläche weitere Hautareale befallen.

Die befruchteten Weibchen graben sich in die Haut ein und beginnen während ihrer 2.monatigen Lebenszeit damit, täglich 2 bis 4 Eier abzulegen, aus denen sich eine 6-beinige Protolarve entwickelt. Die Protolarve entwickelt sich nach 3-4 Tagen dann entweder zu einem Männchen oder zur weiblichen Tritonnymphe. Nach weiteren 3-4 Tagen reift die Tritonnymphe zum geschlechtsreifen Weibchen heran. Bei fortgeschrittener Immunsuppression des Wirtes (z.B. HIV-Infektion) kann es zur Borkenkrätze (Scabies norvegica oder Scabies crustosa) kommen, bei der in dicken Hautkrusten Tausende von Milben anzutreffen sind.

Die erste Phase des Befalls nimmt zwei bis sechs Wochen nach Infektion in Anspruch. Ihr folgt eine zweite Erkrankungsphase, die häufig durch allergische Abläufe bestimmt wird. Zunächst tritt eine Allergie vom Soforttyp auf, der später eine Allergie vom Spättyp folgen kann.

Die Ausscheidungen der Krätzmilben und die zerfallenden Milbenkörper enthalten starke Antigene, welche die Allergie unterhalten. Die Hautveränderungen sind dabei nicht auf den eigentlichen Sitz der Milben beschränkt, sondern tauchen bisweilen auch an Stellen auf, die vor längerer Zeit mit Milben befallen waren.

7 Symptome

Die ersten Symptome zeigen sich mit einer Latenz von 2-6 Wochen nach der Infektion:

  • Brennen oder starker Juckreiz der betroffenen Hautstellen - vor allem Nachts
  • Ekzemähnliche Hautveränderungen (Rötung, Schuppung, Papeln, Pusteln)
  • Granulome

Im Verlauf der Erkrankung sieht man häufig durch den starken Juckreiz ausgelöste Exkoriationen, die leicht zu einer bakteriellen Superinfektion führen können und dann die Erkennung der eigentlichen Effloreszenzen erschweren. Das Hautbild ist extrem "bunt" und kann nebeneinander Vesikel, Papulovesikel, Papeln, Pusteln, Quaddeln, Infiltrationen und als Sekundärläsionen Krusten und Furunkel aufweisen.

Hinweis: Der Juckreiz kann bei immunsupprimierten Patienten schwach ausgeprägt sein oder ganz fehlen.

8 Prädilektionsstellen

Die typischen Prädilektionsstellen der Skabies sind:

  • Umgebung der Brustwarzen
  • Zwischenfingerräume
  • Handgelenke
  • Ellenbogen
  • Leistenregion
  • Penis

Mitunter tritt eine Ausbreitung auf Arme und Schenkel, später auch auf Finger und Nagelumgebung auf. Auch Bauch, Rücken und das Gesicht können befallen sein. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind primär eher das Gesicht, die behaarte Kopfhaut und die Hände befallen.

9 Diagnose

Die Diagnose wird durch den mikroskopischen Nachweis von Milben im Hautmaterial (Hautgeschabsel) gestellt. Der Nachweis ist nicht immer einfach, da die Anzahl der Milben in floriden Herden häufig gering ist.

Eine Alternative stellt die direkte Betrachtung der Herde mit dem Dermatoskop bzw. Videodermatoskop dar. In klinischer Prüfung befindet sich der Nachweis von Antikörpern bzw. Antigenen mittels ELISA bzw. PCR.

10 Therapie

10.1 Basismaßnahmen

Als Basismaßnahme ist ein täglicher Wäschewechsel (Bettwäsche, Kleidung) wichtig, um eine Reinfektion zu vermeiden. Auch die direkten Kontaktpersonen des Patienten sollten auf Skabies untersucht werden.

10.2 Medikamentöse Therapie

Die Behandlung der Skabies erfolgt mit so genannten Antiskabiosa. Die Therapie erfolgt lokal durch Applikation von Sprays oder Cremes auf die befallenen Stellen oder - bei schweren Fällen - durch Einnahme von Tabletten. Zu den eingesetzten Medikamenten zählen:

Cave: Häufig wird die Skabies als "Ekzem" mit topischen Glukokortikoiden behandelt. Diese Therapie verschleiert die Diagnose, da Juckreiz und Entzündung unterdrückt werden. Bei unklaren chronischen "Ekzemen" an den typischen Prädilektionstellen sollte immer auch an Skabies gedacht werden.

11 Meldepflicht

Für eine individuelle Scabies-Erkrankung besteht keine Meldepflicht. Treten Scabies-Fälle jedoch in Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Kindergärten, Schulen, Heimen) auf, muss nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) der Leiter der Einrichtung umgehend das zuständige Gesundheitsamt informieren. Erkrankte dürfen keine Tätigkeiten in Gemeinschaftseinrichtungen ausüben, bei denen sie Kontakt zu den Betreuten haben.

12 Links

AWMF-Leitlinien Skabies

13 Quellen

  1. Orales Ivermectin in Deutschland verfügbar Pharmazeutische Zeitung online; Ausgabe 18/2016, abgerufen am 6.6.2015

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