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Zahnstein (Pferd)

Synonym: Calculus dentalis
Englisch: tartar, calculus

1 Definition

Als Zahnstein bezeichnet man feste Auflagerungen auf der Zahnoberfläche beim Pferd, die durch einfaches Spülen nicht entfernt werden können.

2 Vorkommen

Zahnstein kann bei fast allen Pferden in unterschiedlicher Ausprägung nachgewiesen werden. Alte Pferde scheinen vermehrt betroffen zu sein als junge. Am häufigsten weisen Hakenzähne des Unterkiefers Zahnstein auf.

3 Ätiologie

Zahnstein bildet sich vor allem an Zähnen, die sich in unmittelbarer Nähe zu Ausführungsgänge von Speicheldrüsen befinden. Eine zusätzliche mechanische Ursache wird diskutiert.

4 Pathogenese

Durch Einlagerung von anorganischen Stoffen (v.a. Kalziumhydrogenkarbonat) aus dem Speichel in bakterielle Plaque entsteht unlösliches und poröses Kalziumkarbonat. Zusammen mit Futterpartikeln und Mikroorganismen haften diese ausgehärteten Beläge an der Zahnoberfläche an.

Zusätzlich neigen fehlbelastete Zähne zur Zahnsteinanlagerung. Starke Druckbelastungen von überlangen Schneidezähnen verursachen eine unphysiologische Beweglichkeit des Diastemas im Unterkiefer. Diese Kräfte führen zu einer Unruhe in der Alveole des Hakenzahns und damit zu Zahnsteinanlagerungen.

5 Klinik

Neben Hengstzähnen scheinen auch Schneidezähne häufig von Zahnstein betroffen zu sein. Betroffene Zähne weisen einen grau-weißen bis dunkelgrauen, manchmal auch gelb-grün bis senfgrünen Zahnbelag auf. Dieser Belag schlägt sich oftmals als Saum am Übergang von Zahn zu Gingiva nieder und kann - abhängig von der Ausprägung - auch ganze Lingual- und Labialflächen der Schneide- oder Hengstzähne betreffen. Die Kauflächen bleiben aufgrund des Abriebs frei von Zahnstein.

Klinisch bedeutsame Erkrankungen (z.B. Parodontitis und Gingivitis) gehen gehäuft mit Zahnsteinbildungen einher. Hier ist jedoch noch ungeklärt, ob der Zahnstein primär ursächlich für die Weichteilentzündung ist oder ob er infolge und somit sekundär zu anderen Pathologien vorkommt. Kommt es zu einer Überlappung des Zahnsteins über die Gingiva, bilden sich unter ihm ulzerative Veränderungen, die einen Foetor ex ore verursachen.

6 Therapie

Zahnstein muss mechanisch mit einem sogenannten Scaler oder ähnlichen Instrumenten entfernt werden. Hierbei muss unbedingt darauf geachtet werden, dass auch die Beläge unter der Gingiva mit entfernt werden. Auf diese Weise kann eine Neubildung möglichst lange hinausgezögert werden. Ursächliche Auslöser sind weitgehend zu vermeiden.

Ultraschallgestütze Zahnsteinentfernungen (wie z.B. beim Kleintier) haben sich beim Pferd bislang nicht durchgesetzt.

7 Literatur

  • Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A, Hrsg. 2017. 4. Auflage. Handbuch Pferdepraxis. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thime Verlag KG.
  • Simon T, Herold I. 2009. Praxisleitfaden der Zahn- und Kiefererkrankungen des Pferdes. 1. Auflage. Stuttgart: Parey in MVS Medizinverlaug Stuttgart GmbH & Co. KG.

Diese Seite wurde zuletzt am 11. Juli 2020 um 22:45 Uhr bearbeitet.

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