Weidenröschen
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LoslegenHandelsnamen: ApoFit Weidenröschenkraut©, Fluxonorm© (NEM)
Synonyme: Feuerkraut, Antoniuskraut, Männerkraut, Koptischer Tee, Epilobii herba, Epilobium angustifolium, Epilobium parviflorum
Englisch: willow herb, small-flowered willow herb
Definition
Weidenröschen ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Als pflanzliche Droge wird das getrocknete, während oder kurz vor der Blüte gesammelte Kraut (Epilobii herba) verwendet. Es findet traditionell Anwendung bei Beschwerden der ableitenden Harnwege im Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung (BPH).
Herkunft
Botanik
Weidenröschen sind einjährige bis ausdauernde, krautige Pflanzen mit Wuchshöhen von 80 cm bis zu 2 m. Das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) besitzt linealisch-lanzettliche, weidenartige Blätter und purpurrote Blüten in verlängerten Trauben. Das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum) zeichnet sich durch eine grundständige Tochterrosette und dicht behaarte Stängel mit kleineren, hellrosa Blüten aus.
Die Früchte sind lange, schmale Kapselfrüchte, die zur Reife aufspringen und seidenhaarige Samen freigeben. Der Gattungsname Epilobium leitet sich von griechisch „epi“ (auf), „lobos“ (Schote) und „ion“ (Veilchen) ab, frei übersetzt „Veilchen auf der Schote“, und beschreibt die auf dem schotenförmigen Fruchtknoten sitzenden Blüten.[1]
Pharmakologie
Arzneilich verwendet wird das getrocknete Kraut ( Epilobii herba, Weidenröschenkraut), das aus den oberirdischen Teilen der blühenden Pflanze (Stängel, Blätter, Blüten, Früchte) besteht.
Inhaltsstoffe
Die wirksamkeitsmitbestimmenden Inhaltsstoffe des Weidenröschenkrauts umfassen einen komplexen Mix sekundärer Pflanzenstoffe:
- Flavonoide (v.a. Kämpferol, Myricetin, Quercetin)
- Gerbstoffe (insbesondere die tanninreichen Oenotheine A und B)
- Phytosterole (v.a. β-Sitosterol)
- Schleimstoffe und Vitamin C[2]
Den Oenotheinen und dem β-Sitosterol wird eine besondere Bedeutung für die Prostatagesundheit zugeschrieben.[3]
Anwendung
Weidenröschen wird überwiegend innerlich als Tee oder Extrakt angewendet:
- Tee (Aufguss): 1,5–2 g (ca. ½ Teelöffel) des geschnittenen Krauts mit ca. 150–200 ml kochendem Wasser übergießen, 5–10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Empfohlene Trinkmenge: 2- bis 5-mal täglich eine Tasse frisch zubereiteten Tee.
- Standardisierte Extrakte in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten häufig Tagesdosen von 500 bis 2.000 mg (standardisiert auf mind. 15 % Oenothein B). Fertigarzneimittel gibt es nicht auf dem Markt.[1]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Wirkung
Die Anwendung zielt auf die Linderung von Miktionsbeschwerden bei benigner Prostatahyperplasie ab. Die Wirkung wird auf ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen zurückgeführt:
- Antiinflammatorische und antioxidative Effekte durch Hemmung von Entzündungsmediatoren
- Modulation des Hormonhaushalts durch Hemmung der 5α-Reduktase und Aromatase (in vitro)
- Antimikrobielle Aktivität gegen bestimmte Bakterien[4]
Da diese Effekte überwiegend in vitro nachgewiesen sind, ist ihre klinische Relevanz unklar. Die Evidenz für die Wirksamkeit von Weidenröschen-Zubereitungen ist insgesamt begrenzt. Es gibt keine gesicherte krankheitsmodifizierende Wirkung bei BPH.
Nebenwirkungen
Die Anwendung sollte nur nach ärztlichem Ausschluss einer schwerwiegenden Erkrankung erfolgen. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist die Anwendung aufgrund der Indikation und mangels Daten nicht indiziert. In der Schwangerschaft und Stillzeit wird die Einnahme ebenfalls nicht empfohlen.
Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt. Kontraindikation besteht bei bekannter Allergie gegen Bestandteile der Pflanze.[1]
Regulatorische Bewertung
- HMPC: Traditionell angewendet zur Linderung von Symptomen der unteren Harnwege im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie[2]
- ESCOP: Anerkannt bei leichten Miktionsbeschwerden infolge benigner Prostatahyperplasie und Reizblase[4]
- Kommission E: Keine Monografie vorhanden[1]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Arzneipflanzenlexikon – Weidenröschen, abgerufen am 19.05.2026
- ↑ 2,0 2,1 European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) – Assessment report on Epilobium angustifolium L. and/or Epilobium parviflorum Schreb., herba, abgerufen am 19.05.2026
- ↑ PTAheute: Weidenröschen – ein Prostatamittel („Feuerkraut“), abgerufen am 19.05.2026
- ↑ 4,0 4,1 European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) – Epilobii herba (Willow herb), abgerufen am 19.05.2026