Weidenröschen
Handelsname(n): ApoFit Weidenröschenkraut©, Fluxonorm© (NEM)
Synonyme: Feuerkraut, Antoniuskraut, Männerkraut, Koptischer Tee, Epilobii herba, Epilobium angustifolium, Epilobium parviflorum
Englisch: willow herb, small-flowered willow herb
Definition
Weidenröschen ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae). Als pflanzliche Droge wird das getrocknete, während oder kurz vor der Blüte gesammelte Kraut (Epilobii herba) verwendet. Es findet traditionell Anwendung bei Beschwerden der ableitenden Harnwege im Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung (BPH).
Merkmale
Weidenröschen sind einjährige bis ausdauernde, krautige Pflanzen mit Wuchshöhen von 80 cm bis zu 2 m. Das Schmalblättrige Weidenröschen (E. angustifolium) besitzt linealisch-lanzettliche, weidenartige Blätter und purpurrote Blüten in verlängerten Trauben. Das Kleinblütige Weidenröschen (E. parviflorum) zeichnet sich durch eine grundständige Tochterrosette und dicht behaarte Stängel mit kleineren, hellrosa Blüten aus. Die Früchte sind lange, schmale Kapselfrüchte, die zur Reife aufspringen und seidenhaarige Samen freigeben. Der Gattungsname Epilobium leitet sich von griechisch „epi“ (auf), „lobos“ (Schote) und „ion“ (Veilchen) ab, frei übersetzt „Veilchen auf der Schote“, und beschreibt die auf dem schotenförmigen Fruchtknoten sitzenden Blüten[1].
Herkunft und Geschichte
Die Gattung Epilobium ist mit bis zu 190 Arten in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel, besonders in Nordamerika und Eurasien, verbreitet. Das Schmalblättrige Weidenröschen ist eine typische Pionierpflanze, die nach Waldbränden oder auf Kahlschlägen massenhaft auftritt. In den 1970er Jahren wurde die Heilpflanze vor allem durch die österreichische Kräuterkundlerin Maria Treben populär gemacht, die besonders die positive Wirkung auf die Prostata hervorhob.
Arzneilich verwendete Pflanzenteile
Arzneilich verwendet wird das getrocknete Kraut: Epilobii herba (Weidenröschenkraut), das aus den oberirdischen Teilen der blühenden Pflanze (Stängel, Blätter, Blüten, Früchte) besteht.
Eine Monografie im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) existiert nicht. Die Droge des Handels stammt überwiegend aus Wildsammlungen in Mitteleuropa und kann das Kraut verschiedener Epilobium-Arten umfassen[1].
Inhaltsstoffe
Die wirksamkeitsmitbestimmenden Inhaltsstoffe des Weidenröschenkrauts umfassen einen komplexen Mix sekundärer Pflanzenstoffe:
- Flavonoide (v. a. Kämpferol, Myricetin, Quercetin)
- Gerbstoffe (insbesondere die ellagitanninreichen Oenotheine A und B)
- Phytosterole (v. a. β-Sitosterol)
- Schleimstoffe und Vitamin C[2]
Den Oenotheinen und dem β-Sitosterol wird eine besondere Bedeutung für die Prostatagesundheit zugeschrieben.[3]
Dosierung und Anwendung
Weidenröschen wird überwiegend innerlich als Tee oder Extrakt angewendet:
- Tee (Aufguss): 1,5–2 g (ca. ½ Teelöffel) des geschnittenen Krauts mit ca. 150–200 ml kochendem Wasser übergießen, 5–10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Empfohlene Trinkmenge: 2- bis 5-mal täglich eine Tasse frisch zubereiteten Tee.
- Standardisierte Extrakte in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten häufig Tagesdosen von 500–2000 mg (standardisiert auf mind. 15% Oenothein B). Fertigarzneimittel gibt es nicht auf dem Markt.[1]
Medizinische Wirkung
Die Anwendung zielt auf die Linderung von Miktionsbeschwerden bei benigner Prostatahyperplasie. Die Wirkung wird auf ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen zurückgeführt:
- Antiinflammatorische und antioxidative Effekte durch Hemmung von Entzündungsmediatoren
- Modulation des Hormonhaushalts durch Hemmung der 5α-Reduktase und Aromatase (in vitro)
- Antimikrobielle Aktivität gegen bestimmte Bakterien[4]
Regulatorische Bewertung:
- HMPC: Traditionell angewendet zur Linderung von Symptomen der unteren Harnwege im Zusammenhang mit benigner Prostatahyperplasie[2]
- ESCOP: Anerkannt bei leichten Miktionsbeschwerden infolge benigner Prostatahyperplasie und Reizblase[4]
- Kommission E: Keine Monografie vorhanden
Hinweise und Nebenwirkungen
Die Anwendung sollte nur nach ärztlichem Ausschluss einer schwerwiegenden Erkrankung erfolgen. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist die Anwendung aufgrund der Indikation und mangels Daten nicht indiziert. In der Schwangerschaft und Stillzeit wird die Einnahme ebenfalls nicht empfohlen.
Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt. Kontraindikation besteht bei bekannter Allergie gegen Bestandteile der Pflanze.[1]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Arzneipflanzenlexikon: Weidenröschen. URL: [1](https://arzneipflanzenlexikon.info/weidenroeschen.php) (abgerufen am 19.05.2026).
- ↑ 2,0 2,1 2,2 European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Assessment report on Epilobium angustifolium L. and/or Epilobium parviflorum Schreb., herba. 2024. URL: [2](https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/epilobii-herba) (abgerufen am 19.05.2026).
- ↑ 3,0 3,1 PTAheute: Weidenröschen – ein Prostatamittel („Feuerkraut“). URL: [3](https://www.ptaheute.de/serien/heimische-heilpflanzen/weidenroeschen-ein-prostatamittel) (abgerufen am 19.05.2026).
- ↑ 4,0 4,1 4,2 European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP): Epilobii herba (Willow herb) - Summary. 2024. URL: [4](https://www.escop.com/downloads/epilobii-herba-willow-herb/) (abgerufen am 19.05.2026).