Vestibularorgan
Synonyme: Gleichgewichtsorgan, Vestibularapparat, Organon vestibulare
Englisch: vestibular system
Definition
Das Vestibularorgan ist Teil des Innenohrs. Es gehört zu den Sinnesorganen und dient der Steuerung des Gleichgewichts.
Anatomie
Das Vestibularorgan befindet sich im Felsenbein. Es handelt sich um ein kleines Sinnesorgan mit einer Ausdehnung von nur 8–10 mm. Es besteht beidseits aus drei Bogengängen und zwei Makulaorganen (Sacculus und Utriculus), die mit Endolymphe gefüllt sind und zum häutigen Labyrinth gehören.
Die drei Bogengänge (anterior, posterior und lateral) stehen annähernd senkrecht zueinander. Sie haben jeweils einen Radius von etwa 3–4 mm. Jeder Bogengang besitzt eine Ampulle mit einer Crista ampullaris. Sie enthält Sinneszellen (Haarzellen), deren Stereozilien in eine gallertige Cupula ragen.
Die Makulaorgane enthalten eine Macula mit Haarzellen, deren Stereozilien in eine Otolithenmembran eingebettet sind. Diese ist mit Otolithen (Statolithen aus Calciumcarbonat) beschwert.
Die Haarzellen des Vestibularorgans sind sekundäre Sinneszellen, die mechanische Reize in elektrische Signale umwandeln und ihre Informationen über den Nervus vestibularis (Teil des Nervus vestibulocochlearis) an das ZNS weiterleiten.
Funktion
Auslösende Wahrnehmungsreize für die Makulaorgane sind Translationsbeschleunigungen und die Gravitation. Die auslösenden Reize für die Bogengangsorgane sind Drehbeschleunigungen.
Die Reiztransduktion erfolgt über Haarzellen, deren Stereozilien durch Bewegung der Endolymphe bzw. der Cupula oder Otolithenmembran abgelenkt werden. Dies führt zu einer Änderung der Transmitterfreisetzung und damit zu einer Modulation der Entladungsfrequenz der afferenten Fasern des Nervus vestibularis.
Das Vestibularorgan ist wesentlich an der Stabilisierung von Blick und Körperhaltung beteiligt. Über den vestibulookulären Reflex (VOR) werden Augenbewegungen an Kopfbewegungen angepasst, sodass eine stabile Fixation möglich ist.
Die zentralen Verschaltungen erfolgen über die Vestibulariskerne im Hirnstamm mit Projektionen u.a. zum Kleinhirn, zu okulomotorischen Kerngebieten sowie zum Rückenmark (vestibulospinale Bahnen), wodurch Haltung und Muskeltonus reguliert werden.
Klinik
Störungen des Vestibularorgans führen zu Schwindel, Nystagmus und Gleichgewichtsstörungen, wie z.B. beim Morbus Menière oder beim benignen paroxysmalern Lagerungsschwindel.
Podcast
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