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Vernagelung (Pferd)

Synonym: Fehlbenagelung

1 Definition

Eine Vernagelung ist eine beim Hufbeschlag des Pferdes vorkommende Verletzung der Lederhaut.

2 Ätiologie

Die Verletzung der Lederhaut oder des Hufbeins durch einen Nagel im Rahmen des Beschlagens wird als Vernagelung bezeichnet. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer direkten (Nagelstich) oder einer indirekten Vernagelung (Nageldruck).

3 Pathogenese

Beim Beschlagen eines Hufs werden die Nägel (entweder 6 oder 8 Stück) in der weißen Linie so platziert, dass sie innerhalb dieser Schicht in Richtung Tragrand eingebracht werden. Beim Benageln muss der Nagel dann so gewinkelt werden, dass er letztendlich wieder durch die Glasurschicht nach außen tritt, sodass das Nagelende umgeschlagen und abgezwickt werden kann.

Unterschiedliche Auslöser (z.B. falsche Winkelung beim Nageln, plötzliches Wegziehen der Gliedmaße während des Benagelns u.ä.) können zum falschen Versenken des Nagels im Huf führen. Bei der direkten Verletzung penetriert die Nagelspitze die Lederhaut oder das Hufbein, während bei der indirekten Vernagelung der Nagel nahe der Huflederhaut zum liegen kommt und durch die unmittelbare Nähe das Gewebe quetscht.

4 Klinik

Bei einer direkten Vernagelung zeigen die Tiere im Moment der Verletzung Schmerzen. Je nachdem, welche Strukturen vom Nagel getroffen wurden, kann aus dem Nagelloch Blut austreten. Betroffene Pferde gehen sofort lahm und die Hauptmittelfußarterie zeigt eine verstärkte Pulsation.

Bei der indirekten Vernagelung besteht initial keine Lahmheit. Erst einige Tage nach dem Hufbeschlag (ca. 3 bis 4 Tage später) entwickeln die Tiere aufgrund des konstanten Drucks auf die Lederhaut und der damit einhergehenden Entzündung eine Stützbeinlahmheit.

Sowohl bei der direkten als auch bei der indirekten Vernagelung kann sich durch die Einwanderung von Bakterien eine Pododermatitis purulenta entwicklen.

5 Diagnose

Anamnese (frischer Hufbeschlag) und Klinik sind pathognomonisch für eine Vernagelung. Bei der orthopädischen Untersuchung sollte immer ein frischer Schnitt über die Sohlenfläche vorgenommen werden. Zusätzlich kann eine Röntgenuntersuchung der distalen Zehe angefertigt werden.

6 Differenzialdiagnosen

Als Differenzialdiagnosen kommen Pododermatitiden anderer Genese in Frage.

7 Therapie

Der betreffende Nagel ist sofort zu entfernen. Der Stichkanal muss erweitert (Hornlücke) und mit desinfizierender Lösung ausreichend gespült werden. Anschließend ist - abhängig von den verletzten Strukturen - wie bei einem Nageltritt vorzugehen.

Bei unzureichendem bzw. unsicherem Tetanus-Impfstatus erhält das Pferd Tetanusserum oder eine Simultanimpfung.

8 Literatur

  • Brehm W, Burk J, Delling U, Hagen J, Köhler M, Litzke LF, Nowak M, Rijkenhuizen A, Schusser GF, Tietje S, Troillet A. Krankheiten des Bewegungsapparats. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A (Hrsg.). 2017. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thieme Verlag KG. 849-1148. ISBN: 978-3-13-219621-6

Diese Seite wurde zuletzt am 15. Oktober 2020 um 11:01 Uhr bearbeitet.

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