Vermillionektomie
Synonyme: Lippenrotresektion, Vermilionektomie
Englisch: vermilionectomy
Definition
Die Vermillionektomie ist ein chirurgisches Therapieverfahren zur partiellen oder vollständigen Resektion des Lippenrots ("Vermilion") unter Schonung der tieferliegenden Muskelstrukturen. Sie wird vor allem zur Behandlung prämaligner und früher maligner Läsionen der Lippe eingesetzt.
Indikationen
Die häufigste Indikation ist die aktinische Cheilitis als potenziell maligne Veränderung mit Risiko der Progression in ein Plattenepithelkarzinom der Lippe. Weitere Indikationen sind z.B.:
- oberflächliche, auf das Lippenrot begrenzte Plattenepithelkarzinome
- ausgedehnte Dysplasien des Lippenrots
- therapierefraktäre chronische Cheilitiden mit schwerer epithelialer Dysplasie
Technik
Die Vermillionektomie wird in der Regel in Lokalanästhesie mit oder ohne Sedierung durchgeführt. Nach Markierung der Resektionsgrenzen erfolgt die vollständige Abtragung des Lippenrots bis auf die Muskelschicht des Musculus orbicularis oris. Die Resektion kann mit dem Skalpell, Elektrokauter oder Laser erfolgen.
Anschließend wird die labiale Mundschleimhaut mobilisiert und nach kranial vorgeschoben (Mukosaverschiebelappen), um das resezierte Lippenrot zu rekonstruieren. Die Adaptation erfolgt spannungsarm mit resorbierbarem Nahtmaterial. Ziel ist eine funktionell und ästhetisch zufriedenstellende Wiederherstellung der Lippenkontur.
Komplikationen
Mögliche Komplikationen sind z.B,:
- Nachblutung und Hämatombildung
- Wundheilungsstörungen
- Sensibilitätsstörungen
- Narbenbildung mit funktioneller oder ästhetischer Beeinträchtigung
- Lippenkonturdeformitäten
Kontraindikationen
Relative Kontraindikationen bestehen bei ausgedehnter Tumorinfiltration mit Beteiligung der Mundschleimhaut, der Haut oder des Musculus orbicularis oris, da hier erweiterte resezierende oder rekonstruktive Verfahren erforderlich sind. Allgemeine Kontraindikationen ergeben sich aus dem individuellen Operations- und Narkoserisiko.