V3-Rezeptor
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LoslegenSynonyme: V1b-Rezeptor, Vasopressin-V1b-Rezeptor, AVPR1B
Englisch: vasopressin V1b receptor, V3 receptor
Definition
Der V3-Rezeptor ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor für das Hormon Vasopressin (ADH). Er wird überwiegend auf den kortikotropen Zellen der Adenohypophyse exprimiert und vermittelt dort die vasopressininduzierte Ausschüttung von ACTH.[1]
Nomenklatur
Der hypophysäre Vasopressinrezeptor wird synonym als V3- oder V1b-Rezeptor bezeichnet. Die Bezeichnung „V3" folgt der Reihenfolge der pharmakologischen Charakterisierung (V1, V2, V3), während „V1b" den Rezeptor anhand seiner Signalweg-Verwandtschaft zum V1a-Rezeptor (beide Gq/11-gekoppelt) der V1-Unterfamilie zuordnet.[2]
Genetik
Der V3-Rezeptor wird durch das AVPR1B-Gen kodiert. Dieses befindet sich auf Chromosom 1 (1q32.1).
Vorkommen
Biochemie
Der V1b-Rezeptor hat den charakteristischen Aufbau G-Protein-gekoppelter Rezeptoren mit sieben Transmembrandomänen, einem extrazellulären N-Terminus und einem intrazellulären C-Terminus. Die transmembranären und extrazellulären Abschnitte vermitteln die Bindung des Liganden. Strukturell ähnelt er stärker dem V1a- als dem V2-Rezeptor und ist eng mit dem Oxytocinrezeptor verwandt.[2]
Signaltransduktion
Der V1b-Rezeptor koppelt an ein Gq/11-Protein und aktiviert die Phospholipase C. Diese spaltet Phosphatidylinositol-4,5-bisphosphat in die Second Messenger Inositoltrisphosphat (IP3) und Diacylglycerin (DAG):
- IP3 setzt Ca2+ aus intrazellulären Speichern frei
- DAG aktiviert die Proteinkinase C
Über diesen Signalweg wird die ACTH-Sekretion aus den kortikotropen Zellen dosisabhängig gesteigert.[1][2]
Funktion
Der V1b-Rezeptor ist ein zentraler Bestandteil der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse). Vasopressin wirkt hier synergistisch mit dem Corticotropin-releasing Hormon (CRH) und verstärkt die stressinduzierte ACTH-Freisetzung.
Tierexperimentelle Untersuchungen an V1b-Rezeptor-defizienten Mäusen belegen die Bedeutung des Rezeptors: Sie weisen sowohl unter Ruhe- als auch unter Stressbedingungen erniedrigte ACTH- und Corticosteronspiegel auf.[3] Darüber hinaus wird der Rezeptor mit der Regulation des Blutzuckerspiegels sowie mit Aspekten des Sozial- und Aggressionsverhaltens in Verbindung gebracht.[2]
Klinische Bedeutung
Kortikotrope Hypophysenadenome, die dem Morbus Cushing zugrunde liegen, überexprimieren häufig den V3-Rezeptor. Er gilt als Marker des kortikotropen Phänotyps und könnte über die Aktivierung des Phospholipase-C-Signalwegs an der Tumorentstehung beteiligt sein.[4] Auf der vermehrten Rezeptorexpression beruht auch der Desmopressin-Test, der in der Differentialdiagnostik des Cushing-Syndroms eingesetzt wird.
Pharmakologie
V1b-Rezeptor-Antagonisten (z.B. Nelivaptan) wurden experimentell zur Behandlung von Angststörungen und Depressionen untersucht, haben bislang (2026) aber keine klinische Zulassung erhalten.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Thibonnier M et al. The human V3 pituitary vasopressin receptor: ligand binding profile and density-dependent signaling pathways. Endocrinology. 1997;138(10):4109-4122.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Koshimizu TA et al. Vasopressin V1a and V1b receptors: from molecules to physiological systems. Physiol Rev. 2012;92(4):1813-1864.
- ↑ Tanoue A et al. The vasopressin V1b receptor critically regulates hypothalamic-pituitary-adrenal axis activity under both stress and resting conditions. J Clin Invest. 2004;113(2):302-309.
- ↑ de Keyzer Y et al. V3 vasopressin receptor and corticotropic phenotype in pituitary and nonpituitary tumors. Endocr Res. 1997.
Literatur
- Kochs E et al. Anästhesiologie. 2. Aufl. Thieme; 2009.