Ungedecktes Gesundheitsbedürfnis
Englisch: unmet health needs
Definition
Als ungedecktes Gesundheitsbedürfnis bezeichnet man die Diskrepanz zwischen dem subjektiven oder objektiven Versorgungsbedarf eines Individuums und den tatsächlich erhaltenen Gesundheitsleistungen.
Hintergrund
Das Konzept der ungedeckten Gesundheitsbedürfnisse wird in der Versorgungsforschung und Gesundheitsberichterstattung verwendet, um die Unterversorgung von Patienten zu beschreiben.
Davon abzugrenzen ist das populationsbezogene Konzept der Versorgungslücke, das strukturelle bedingte Versorgungsdefizite bezeichnet und als Public Health Indikator gilt.
Ursachen
Versorgungslücken sind neben Zugangsbarrieren (z. B. Sprachbarriere, Mobilitätsbarriere, Zeitmangel, Finanzielle Hürden) eine der Hauptursachen für ungedeckte Gesundheitsbedürfnisse. Daneben ist Gesundheitskompetenz ein entscheidender Faktor dafür, dass ausreichende Gesundheitsleistungen in Anspruch genommen werden.
Unterschieden wird je nach Ursache, ob die ungedeckten Gesundheitsbedürfnisse auf einen nicht geäußerten oder erkannten Bedarf oder auf eine bewusste/erzwungene Nichtinanspruchnahme zurückzuführen ist.
Gegenmaßnahmen
Um das Ausmaß ungedeckter Gesundheitsbedürfnisse zu reduzieren, können Individualfaktoren und Kontextfaktoren adressiert werden.
Individualfaktoren
- Förderung von Gesundheitskompetenz
- Sprachförderung
- Berufliche Förderung
- Psychotherapeutische Interventionen
Kontextfaktoren
- Verbesserung der Zugänglichkeit
- Verbesserung des Versicherungsschutzes
- Reduzierung von Zuzahlungen
- Unterstützung vulnerabler Patientengruppen
- Abbau räumlicher Barrieren, z. B. durch Telemedizin/Telepflege
Ergebnisfaktoren
- Verbesserung des Versorgungsangebots
- Reduzierung des Krankheitslast
- Stärkere Nutzung von Früherkennungsuntersuchungen
- Stärkere Inanspruchnahme von Beratungsangeboten
- Vorrangige Nutzung der Primärversorgung
Public Health
Das Ausbleiben einer hochwertigen Gesundheitsversorgung bei einem bestehenden Gesundheitsbedürfnis kann individuelle (z. B. Leid), medizinische (z. B. schlechtere Gesundheitsergebnisse) und gesellschaftliche (z. B. Produktivitätsverluste) Folgen haben.
Der sozioökonomische Status von Patienten (z. B. Armut, Migration, Abhängigkeit) ist ein wesentlicher Prädiktor dafür, ob ungedeckte Versorgungsbedürfnisse bei einem Individuum auftreten, was populationsbezogen bestehende Ungleichheiten vor allem in Lebensqualität, Lebenserwartung und Mortalität weiter verschärft.
Literatur
- Unmet health care needs statistics (eurostat)
- Unmet healthcare needs among older Europeans: trends, determinants, and the role of public health expenditure (Journal of Public Health)