Trauma-Bandage
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LoslegenSynonyme: Israeli-Bandage, Notfall-Druckverband, Emergency-Bandage, Hartmann-Bandage
Englisch: trauma bandage
Definition
Die Trauma-Bandage ist ein steriler, vorkonfektionierter Druckverband zur schnellen Kontrolle äußerer, potenziell lebensbedrohlicher Blutungen an den Extremitäten, im Halsbereich und am Kopf. Sie vereint Wundauflage, elastische Bandage sowie ein integriertes Druckelement in einem System und ermöglicht so eine effektive Blutstillung ohne zusätzliches Verbandmaterial.
Geschichte
Die Ur-Version wurde ab 1984 von dem israelischen Militärsanitäter Bernard Bar-Natan entwickelt, nachdem ihm die veralteten, teils aus den 1940er-Jahren stammenden Verbandmittel aufgefallen waren. Statt einen Stein zum Druckaufbau zu verwenden, integrierte er ein festes Druckelement direkt in den Verband. Nach mehrjähriger Entwicklung wurde der Verband 1998 über sein Unternehmen First Care Products erstmals kommerziell vertrieben.
Aufbau
Die Trauma-Bandage besteht aus einer sterilen, nicht haftenden Wundauflage, die fest mit einer elastischen Binde verbunden ist. Zentraler Bestandteil ist ein integriertes Druckelement (Druckapplikator bzw. Druckbügel), das gezielt auf die Blutungsquelle aufgelegt wird und durch Umlenkung der Bandage einen hohen lokalen Anpressdruck erzeugt.
Zusätzlich verfügt die Bandage über ein mechanisches Fixierelement (Verschlussklammer oder Hakenverschluss), das ein sicheres Abschließen ohne zusätzliche Klammern oder Knoten erlaubt. Die Verpackung ist kompakt, vakuumversiegelt und wasserabweisend, sodass ein Öffnen auch unter schlechten Licht- und Umweltbedingungen möglich ist. Gängige Breiten sind 10 cm und 15 cm bei einer Bindenlänge von rund 4,5 m.
Anlage
Extremitäten
Die Wundauflage wird auf die stark blutende Wunde gedrückt und um die Extremität angelegt. Die Bandage wird anschließend durch die Plastikschlaufe (Druckelement) geführt und angezogen. Dadurch wird die Schlaufe umgelegt, sodass über die Hebelkraft der Schlaufe Druck auf die Wunde ausgeübt wird. Die restliche Bandage wird um die Extremität gerollt und mittels integrierter Fixierhaken befestigt.
Dabei sollte ein möglichst starker und gleichmäßiger Druck ausgeübt werden, ohne dass die Extremität distal der Verletzung vollständig venös gestaut wird. Bei zu starkem Druck muss die Bandage vorsichtig gelockert werden, ohne den Druck auf die Wunde deutlich zu reduzieren.
Hals
Eine Anlage an einseitigen, stark blutenden Halswunden ist ebenfalls möglich. Die Wundauflage mit dem Druckelement wird auf die verletzte Halsseite aufgelegt, wobei der Druck ausschließlich auf diese Seite wirken darf. Um eine zirkuläre Kompression des Halses zu vermeiden, wird die Bandage nicht ringförmig um den Hals, sondern im Sinne einer Achtertour über die gegenüberliegende Achselhöhle geführt und dort verankert.
Cave: Eine zirkuläre Umschnürung des Halses ist unbedingt zu vermeiden. Sie kann die Atemwege verlegen und durch beidseitige Kompression der Karotiden eine zerebrale Minderperfusion verursachen. Die nicht betroffene Halsseite muss stets frei bleiben.
Kopf
Bei stark blutenden Kopfwunden wird die Wundauflage über der Wunde platziert und das Druckelement direkt darüber positioniert. Anschließend wird die Bandage zirkulär um den Schädel – über Stirn und Hinterhaupt – geführt und mit dem Fixierelement verschlossen. Der Druckapplikator fokussiert den Anpressdruck auf die Wunde, während die weiteren Wicklungen die Auflage sichern und den Verband gegen Verrutschen schützen. Die Wicklungen sind so anzulegen, dass Augen, Ohren und Atemwege frei bleiben. Bei Verdacht auf eine Schädelfraktur oder bei freiliegendem Hirngewebe wird kein starker punktueller Druck ausgeübt.
Einsatzgebiete
Die Trauma-Bandage ist neben dem Tourniquet fester Bestandteil moderner Blutungskontrollkonzepte. Im Algorithmus der taktischen Verwundetenversorgung (TCCC bzw. MARCH-Schema) dient sie der Versorgung komprimierbarer Blutungen, bei denen ein Tourniquet nicht indiziert ist, sowie als Druckverband über einer bereits tamponierten Wunde. Anwendung findet sie in der präklinischen militärischen und rettungsdienstlichen Versorgung, im Katastrophenschutz und Zivilschutz sowie zunehmend in zivilen Notfall- und Laienhilfekonzepten (z.B. IFAKs, „Stop the Bleed"-Programme, taktische Erste-Hilfe-Sets, MANV-Ausrüstungen).
Bei einer nicht durch direkten Druck beherrschbaren arteriellen Extremitätenblutung ersetzt die Emergency-Bandage nicht das Tourniquet – beide Verfahren ergänzen einander.
Literatur
- Neitzel C et al. Taktische Medizin – Notfallmedizin und Einsatzmedizin. Springer; 2015.
- Elsevier Emergency – Traumaversorgung. Elsevier; Ausgabe 06/2021.