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Tourniquet

1 Definition

Ein Tourniquet ist ein Abbindesystem zur Blutstillung stark blutender Extremitätenwunden. Es ist ein essentieller Bestandteil der Wehrmedizin bzw. der dortigen Erstversorgung. Wegen seiner Effizienz und einfachen Handhabung wird es auch in der modernen Notfallrettung und durch qualifizierte Ersthelfer vorgehalten und angewendet.

2 Wirkprinzip

Das Tourniquet baut durch Kompression der Weichteile einen so hohen Druck auf, dass das Gefäßlumen der Extremitätenarterie temporär verschlossen wird. Das Gewebe distal des Tourniquets ist dadurch von der Blutzufuhr abgeschnitten. Die Blutung sistiert.

3 Formen

Man unterscheidet grundsätzlich pneumatische und mechanische Tourniquets. Pneumatische Tourniquets ähneln einer Blutdruckmanschette. Der jotwendige Druck wird über das Aufblasen der Manschette mit einem Ballon erreicht. Mechanischen Tourniquets erreichen die Kompression, indem ein zirkulär um die Extremität laufendes Band durch Rotation eines Knebels verkürzt wird. Die Verkürzung erzeugt den notwendigen Druck.

3.1 Combat Application Tourniquet

Das Combat Application Tourniquet (C.A.T.) besteht aus einem eingeschlauften Gurt, der einseitig mit Flausch- und Hakenklett besetzt ist. Nach Festzurren des Gurtes durch den Klettverschluss, wird mit dem angebrachten Knebel weiterer Druck ausgeübt. Sobald die Blutung steht, wird der Knebel eingehakt und fixiert. Auf der Klett-Fixierung kann bzw. soll dabei die Anlagezeit notiert werden.

3.2 Special Operations Forces Tactical Tourniquet Wide

Das Special Operations Forces Tactical Tourniquet Wide (SOFTT-W) besteht ebenfalls aus einem eingeschlauften Gurt, der jedoch durch Verzurren in einem Gurtspanner gehalten wird. Nach Festzurren des Gurtes wird der gedrehte Metall-Knebel in einem Metall-Dreieck fixiert. Das Feld zur Notierung der Anlagezeit befindet sich am Ende des Gurtes. Das SOFTT-W zeichnet sich durch größere Robustheit aus, unter anderem durch die Verwendung widerstandsfähigerer Materialien. Es ist dadurch jedoch auch größer und schwerer als das C.A.T.

3.3 Emergency & Military Tourniquet

Im Gegensatz zu C.A.T. und SOFTT-W ist das Emergency & Military Tourniquet (EMT) ein pneumatisches Tourniquet, das auf den ersten Blick einer Blutdruckmanschette ähnelt. Durch die breitere Auflagefläche reduziert es die Gefahr von Gewebeschädigungen. Neben dem vergleichsweise hohen Preis, ist es vor allem für abgesessen operierende Einsatzkräfte häufig zu groß. Im öffentlichen Rettungsdienst bietet es jedoch eine patientenschonende Alternative.

4 Anwendung

Das Tourniquet wird etwa eine Handbreit proximal der Verletzung angelegt. Die Stelle ist so zu wählen, dass eine ausreichend komprimierbare Weichteilmasse vorliegt. Gelenke oder Wundhöhlen sind auszusparen. Der Druck wird so gewählt, dass die Blutung klinisch zum Stillstand kommt. Ist die Blutung durch ein Tourniquet nicht zu beherrschen, kann oberhalb des ersten ein zweites Tourniquet angelegt werden.

Zusätzlich zur Dokumentation in der Patientenakte sollte man nach der Anlage ihren genauen Zeitpunkt auf dem Tourniquet oder der Haut des Patienten mit einem wasserfesten Stift vermerken.

Ein zu geringer Anlagedruck kann das Gegenteil einer Blutstillung bewirken und ist in der Praxis ein gängiger Fehler. Ähnlich der Verwendung eines Stauschlauches, bleibt dann der arterielle Zufluss erhalten, während der venöse Rückfluss gehemmt wird - die Blutung wird somit verstärkt.

Am Hals darf aus naheliegenden Gründen niemals ein Tourniquet angelegt werden, da es sowohl die Atmung als auch die Blutversorgung des Gehirns beeinträchtigen würde.

5 Indikationen

Bei einer besonderen Gefährdungslage an einer Einsatzstelle (z.B. Schusswaffengebrauch) kann an betroffenen Extremitäten sofort und möglichst proximal ein Tourniquet angelegt werden, um den Verletzten zunächst zu retten und das Tourniquet dann bei Bedarf in gesicherter Umgebung durch einen Druckverband zu ersetzen.

6 Komplikationen

Mit der Liegezeitdauer des Tourniquets steigt das Risiko für das Auftreten von Komplikationen. Dazu zählen u.a.:

Bei einem länger liegenden Tourniquet kann es darüber hinaus zu einem Tourniquet-Syndrom kommen. Ein einmal angelegtes Tourniquet soll deshalb möglichst erst unter ärztlicher Aufsicht und stationären Bedingungen wieder entfernt werden.

Diese Seite wurde zuletzt am 12. Februar 2020 um 20:56 Uhr bearbeitet.

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