Thiazid-Paradoxon
Definition
Das Thiazid-Paradoxon beschreibt das Phänomen, dass Thiazide und Thiazid-ähnliche Diuretika zwar kurzfristig einen diuretischen Effekt zeigen, aber langfristig antidiuretisch wirken.
Pharmakologie
Durch Blockade des thiazid-sensitiven Cotransporters (NCC) wird die Natriumrückresorption im Tubulussystem der Niere gehemmt, die Diurese wird gesteigert. Da der Körper den Verlust an Extrazellulärvolumen registriert, aktiviert er das RAAS. Angiotensin II aktiviert daraufhin NHE3 und NBC im proximalen Tubulus, wodurch die Natriumrückresorption aus dem Tubuluslumen gesteigert wird. Wasser folgt den Natriumionen passiv nach – der diuretische Effekt der Thiazide wird dadurch ineffektiv.
Zusätzliche Effekte, die zum Thiazid-Paradoxon beitragen, sind:
- reduzierte GFR
- verminderte distale Solutzufuhr
- sekundäre Veränderungen im Sammelrohr
Anwendung
Das Thiazid-Paradoxon kann bei verschiedenen Erkrankungen therapeutisch genutzt werden:
- ADPKD: in Kombination mit Tolvaptan, um den aquaretischen Effekt von Tolvaptan im Sammelrohr zu reduzieren
- Diabetes insipidus renalis: Reduktion der Aquarese im Sammelrohr
- Proximale renal-tubuläre Azidose: Da der proximale Tubulus dazu angeregt wird, mehr Natrium und Bikarbonat zurückzuresorbieren, kann der Bikarbonatverlust begrenzt werden
- Arterielle Hypertonie: Durch die Aktivierung des RAAS wirken RAAS-Inhbitoren in Kombination mit Thíaziden besser in der Blutdrucksenkung.
Literatur
- Perrine ALA, Reechaye D, Banerjee I, Robinson J, Banerjee I. Paradoxical Anti-diuretic Effects of Thiazide and Thiazide-Like Diuretics in Diabetes Insipidus: A Systematic Review. Cureus. 2025 Apr 14;17(4):e82247. doi: 10.7759/cureus.82247. PMID: 40370922; PMCID: PMC12077745.