Tagblindheit
Synonym: Hemeralopie
Englisch: hemeralopia, day blindness
Definition
Die Tagblindheit bezeichnet eine Einschränkung der visuellen Wahrnehmung bei Helligkeit. Betroffene berichten typischerweise über eine ausgeprägte Blendempfindlichkeit und sehen subjektiv bei Dämmerung besser als bei hellem Tageslicht.
Terminologie
Der Begriff Hemeralopie wird in der Literatur uneinheitlich verwendet und historisch teils fälschlich mit der Nachtblindheit gleichgesetzt.[1] Zur Vermeidung terminologischer Verwirrung wird daher zunehmend empfohlen, die Begriffe Tagblindheit und Nachtblindheit zu verwenden.
Ätiologie
Der Tagblindheit liegt meist eine primäre Störung der Zapfenfunktion zugrunde. Typische Ursachen sind hereditäre Netzhauterkrankungen mit Zapfenbeteiligung (z.B. Achromatopsie, Zapfendystrophie, Zapfen‑Stäbchen‑Dystrophie).
Davon abzugrenzen sind Zustände mit klinisch ähnlichen Beschwerden (v.a. Blendung und schlechtes Sehen bei Helligkeit) infolge gestörter Lichtbegrenzung oder -leitung, etwa bei Aniridie, okulokutanem Albinismus oder ausgeprägter Lichtstreuung im optischen Apparat (z.B. Katarakt).
Klinik
Typische Symptome sind:
- Verminderte Sehschärfe bei Helligkeit
- Ausgeprägte Blendempfindlichkeit
- Häufig begleitende Farbsehstörung (Dyschromatopsie)
- ggf. Nystagmus bei angeborenen Formen
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst eine ophthalmologische Basisuntersuchung mit Bestimmung von Visus und Refraktion sowie Spaltlampenbefund und Fundoskopie. Ergänzend erfolgen eine Prüfung des Farb- und Kontrastsehens. Bei Verdacht auf eine Zapfenfunktionsstörung wird ein Elektroretinogramm (ERG) durchgeführt, das typischerweise reduzierte photopische Antworten zeigt. Bei degenerativen Veränderungen kann zudem eine Bildgebung, beispielsweise mittels optischer Kohärenztomographie (OCT), sinnvoll sein.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Zur symptomatischen Behandlung wird ein konsequenter Blendschutz durch Sonnenbrille bzw. getönte Filtergläser empfohlen. Bei vorliegendem Katarakt kann dieser operativ behoben werden.
Quellen
- ↑ Ohba und Ohba, Nyctalopia and hemeralopia: the current usage trend in the literature, Br J Ophthalmol, 2006