Strain-Counterstrain
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LoslegenSynonyme: Strain-Counterstrain-Technik, Counterstrain, Jones-Technik
Englisch: strain-counterstrain, counterstrain
Definition
Strain-Counterstrain, kurz SCS, ist ein passives Verfahren der osteopathischen und manuellen Therapie. Es ist der Alternativmedizin zuzuordnen. Für die Wirksamkeit gibt es nur eine geringe Evidenz.
Hintergrund
Tenderpoints sind umschriebene Stellen maximaler Druckempfindlichkeit, oft mit tastbaren Gewebeveränderungen.[1] Anders als myofasziale Triggerpunkte strahlen Tenderpoints in der Regel nicht aus, sondern bleiben lokal begrenzt. Sie liegen zudem nicht zwingend in einem verhärteten Muskelstrang.[2]
Der Therapeut sucht einen druckempfindlichen Punkt (Tenderpoint) auf und lagert den Patienten anschließend so, dass die Druckempfindlichkeit dieses Punktes deutlich abnimmt. Das Verfahren gehört zur Gruppe der Positional-Release-Techniken.[1]
Geschichte
Der US-amerikanische Osteopath Lawrence H. Jones entwickelte die Technik ab 1955.[1][3] Ausgangspunkt war ein Patient mit starken Rückenschmerzen, dem bisherige Behandlungen nicht geholfen hatten. Jones fand eine bequeme Lagerung, in der die Schmerzen deutlich nachließen. Danach war der Patient erstmals seit vier Monaten schmerzfrei.[2] Ähnliche Erfahrungen bei weiteren Patienten führten zur Ausarbeitung des Verfahrens.[1]
Wirkmechanismus
Der Wirkmechanismus und die Wirkrationale sind unklar. Die meisten Erklärungsmodelle stützen sich auf Tier- und Laborstudien.[1] Diskutiert werden propriozeptive Mechanismen sowie eine durch die Lagerung verbesserte Durchblutung.
Durchführung
Der Ablauf ist wie folgt:[1][3]
- Der Therapeut tastet den Tenderpoint und lässt den Patienten die Druckempfindlichkeit einschätzen, zum Beispiel als 10 von 10.
- Er bringt die angrenzenden Gelenke passiv in eine Position, in der der betroffene Muskel angenähert und entspannt ist. Die Druckempfindlichkeit soll dabei um mindestens 70 % sinken, also auf höchstens 3 von 10; angestrebt wird Schmerzfreiheit.
- Diese Position wird etwa 90 Sekunden gehalten. Der Therapeut kontrolliert dabei den Punkt mit leichtem Fingerkontakt.
- Anschließend wird der Patient langsam in die Neutralstellung zurückgeführt, und der Tenderpoint wird erneut geprüft.
Je nach Lage des Tenderpoints kann Flexion, Extension, Rotation oder Seitneigung der umgebenden Muskeln und Strukturen notwendig sein.
Verwandt ist die Facilitated Positional Release (FPR). Dort wird in der Entlastungsstellung zusätzlich Kompression, Torsion oder Traktion ausgeübt und nur etwa 5 Sekunden gehalten.[1]
Anwendungsgebiete
SCS wird bei zahlreichen Beschwerden des Bewegungsapparats eingesetzt, unter anderem bei Nackenschmerzen, Kreuzschmerzen, Schulterschmerzen, Plantarfasziitis, Sprunggelenksinstabilität, Epikondylalgie und Kopfschmerzen. Es wird auch bei chronischen Schmerzen genutzt.[1]
Evidenz
Insgesamt gibt es wenig Forschung zur Evidenz von SCS.[1][3]
Ein systematisches Review mit Metaanalyse von 2025 untersuchte Positional-Release-Techniken bei Kreuzschmerzen. Dazu wurden 18 Studien mit 918 Erwachsenen eingeschlossen, 14 davon mit hohem Verzerrungsrisiko. In Kombination mit konventioneller Physiotherapie verringerten die Techniken Schmerzintensität und Funktionseinschränkung stärker als Physiotherapie allein. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz war jedoch sehr niedrig. Als alleinige Behandlung zeigte Positional Release keinen Nutzen.[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Fritz et al., Physiology, Counterstrain and Facilitated Positional Release (FPR), StatPearls, 2026
- ↑ 2,0 2,1 Speicher, Clinical Guide to Positional Release Therapy, us.humankinetics, 2016
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Bazzi und Sergent, Osteopathic Manipulative Treatment: Counterstrain Procedure - Cervical Vertebrae, StatPearls, 2023
- ↑ Danazumi et al., Positional release technique in the management of low back pain: a systematic review and meta-analysis, J Bodyw Mov Ther, 2025