Strahlungsinduzierte Leberschädigung
Englisch: radiation-induced liver disease, RILD, radiation-induced liver injury, RILI
Definition
Die strahlungsinduzierte Leberschädigung, kurz RILI, bezeichnet eine strahlenbedingte Schädigung des Leberparenchyms nach externer Radiotherapie oder selektiver interner Radiotherapie. Sie tritt typischerweise Wochen bis Monate nach Exposition auf und ist dosis- und volumenabhängig.
Hintergrund
Die RILI ist eine relevante Komplikation nach Leberbestrahlung, insbesondere bei vorbestehender Leberschädigung oder nach intensiver Vorbehandlung (z. B. Chemotherapie). Sie kann die Leberfunktion erheblich einschränken und die Durchführbarkeit weiterer Therapien limitieren.
Pathophysiologie
Die RILI beruht auf einer Schädigung der sinusoidalen Endothelzellen mit konsekutiver Mikrozirkulationsstörung, venöser Obstruktion und Parenchymhypoxie. Das histopathologische Korrelat entspricht einer veno-okklusiven Erkrankung bzw. einem sinusoidalen Obstruktionssyndrom (VOD/SOS).
Man unterscheidet zwei klinische Formen:
- klassische RILI: gekennzeichnet durch Anstieg der alkalischen Phosphatase, Hepatomegalie und anikterischem Aszites ohne ausgeprägte Transaminasenerhöhung
- nicht-klassische RILI: tritt v. a. bei vorbestehender Lebererkrankung auf und ist definiert durch Transaminasenanstieg > 5× oberer Normwert oder eine Verschlechterung des Child-Pugh-Scores um ≥ 2 Punkte, ggf. mit Entwicklung einer Leberinsuffizienz
Risikofaktoren
Wichtige Risikofaktoren sind:
- Ausmaß einer zugrunde liegenden Leberzirrhose
- Hepatitis B-Status
- bestrahltes Lebervolumen sowie applizierte Gesamtdosis
- vorangegangene systemische Therapien
Diagnose
Die Diagnose basiert auf dem zeitlichen Zusammenhang zur Strahlentherapie sowie klinischen und laborchemischen Befunden. Bildgebende Verfahren können unterstützend sein.
Therapie
Therapeutisch stehen supportive Maßnahmen im Vordergrund, da keine spezifische kausale Therapie etabliert ist. Dazu zählen insbesondere:
- Diuretika zur Behandlung des Aszites
- ggf. Einsatz von Glukokortikoiden in ausgewählten Fällen
Prävention
Präventiv ist die Einhaltung von Dosisgrenzen und die sorgfältige Patientenselektion entscheidend. Leitlinien (z.B. ASTRO) empfehlen u. a. die Begrenzung der mittleren Leberdosis (z. B. < 30–32 Gy bei konventioneller Fraktionierung) sowie die Schonung ausreichender funktioneller Lebervolumina, um das Risiko einer RILI zu minimieren.