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Rete mirabile epidurale (Veterinärmedizin)

1 Definition

Als Rete mirabile epidurale bezeichnet man ein durch Äste der Arteria maxillaris gebildetes Wundernetz an der Gehirnbasis. Es ist bei den meisten Haussäugetieren ausgebildet.

2 Anatomie

Die Hauptzuflüsse erhält das Rete mirabile epidurale aus Ästen der Arteria maxillaris. Sie ist die eigentliche Fortsetzung der Arteria carotis externa und entlässt ihre Äste im Bereich der Fossa pterygopalatina.

Das Rete mirabile epidurale unterliegt großen tierartlichen Unterschieden, weshalb es für jedes Tier gesondert betrachtet werden sollte.

2.1 Katze

Das Rete mirabile epidurale der Katze wird durch die Arteria maxillaris selbst gebildet. Sie zieht zuvor durch die Fissura orbitalis. Aus dem Wundernetz geht schließlich die Arteria carotis cerebralis hervor, die der Aufteilung und der Funktion der Arteria carotis interna des Hundes entspricht. Dieses Gefäß speist einen Arterienring, der als Circulus arteriosus cerebri bezeichnet wird. Aus dem Wundernetz gehen zusätzlich noch Arterien hervor, die den Bulbus oculi der Katze versorgen.

2.2 Rind

Da beim Rind die Arteria carotis interna postfetal obliteriert, wird die Funktion des Gefäßes durch das Rete mirabile epidurale übernommen. Hierbei wird beim Rind zwischen einem größeren Rete mirabile epidurale rostrale und einem kleineren Rete mirabile epidurale caudale unterschieden. Beide stehen untereinander in Verbindung.

Das größere Wundernetz wird von Ästen der Arteria maxillaris gespeist. Diese treten beim Wiederkäuer durch das Foramen ovale und das Foramen orbitorotundum ein.

Das kleinere Rete mirabile epidurale caudale wird von zwei Arterien gebildet. Zum einen von der Arteira vertebralis, die zwischen dem 2. und 3. Halswirbel in den Canalis vertebralis eintritt und zum anderen von der durch den Canalis nervi hypoglossi ziehenden Arteria condylaris. Aus dem kleineren Wundernetz geht nun die Arteria basilaris (Veterinärmedizin)Arteria basilaris hervor, die mit dem Circulus arteriosus cerebri anastomosiert.

2.3 Kleiner Wiederkäuer

Bei der Ziege und beim Schaf findet man annähernd gleiche Verhältnisse, wie beim Rind. Allerdings liegt beim kleinen Wiederkäuer nur ein Rete mirabile epidurale rostrale vor. Die Arteria basilaris entspringt demnach nicht aus dem Wundernetz, sondern aus der Arteria spinalis ventralis.

2.4 Schwein

Beim Schwein liegt ein kleineres Rete mirabile epidurale rostrale (gespeist von der Arteria maxillaris) und ein größeres Rete mirabile epidurale caudale (gespeist von der Arteria vertebralis und condylaris) vor. Sie weisen keine direkte Verbindung miteinander auf. Aus dem größeren caudalen Wundernetz entspringt die Arteria basilaris, die den Circulus arteriosus cerebri versorgt.

3 Funktion

Speziell bei Paarhufern spielt das Rete mirabile epidurale eine tragende Rolle. Es dient ihnen als Wärmeaustauscher und und somit als internes "Kühlsystem des Butes". Dabei strömt das kühle Blut aus dem Nasenrachenraum - je nach Hirntemperatur vermehrt - durch zwei unterschiedliche Venen. Ist die Hirntemperatur niedrig, so fließt venöses Blut vermehrt über die Vena facialis ab und es erfolgt keine Temperaturabsenkung des Blutes. Steigt im Gegensatz dazu die Hirntemperatur an (z.B. durch vermehrte Anstrengung), so kommt es zu einem gesteigerten Abfluss über die Vena angularis oculi zum venösen Sinus cavernosus. Dessen venöses Blut umspült das wärmere, arterielle Blut des Rete mirabile epidurale und es erfolgt eine Temperaturabsenkung im arteriellen System.

4 Besonderheit bei Kamelen

Da Kamele in der Wüste ihren Wasserverlust so gering wie möglich halten müssen, haben sie eine spezielle Form der wassersparenden Thermoregulation entwickelt. Mittels der kühlenden Funktion des Rete mirabile epidurale können Kamele ihre Wärmeabgabe stark reduzieren und gut regulieren, da sie erst Wärme abgeben, wenn die innere Körpertemperatur auf über 40° C angestiegen ist. Demnach wird nur so viel Schweiß sezerniert, wie auch tatsächlich verdunsten kann und es kommt zu keinem gesteigerten Wasserverlust.

5 Literatur

  • Geyer, Hans, Uwe Gille. Anatomie für die Tiermedizin. Ed. Franz-Viktor Salomon. Enke-Verlag, 2005.
  • Engelhardt, Wolfgang. Physiologie der Haustiere. Enke-Verlag 2000

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