Osteom
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenEnglisch: osteoma
Definition
Ein Osteom ist ein gutartiger, sehr langsam wachsender Tumor aus reifem, überwiegend lamellärem Knochengewebe. Er tritt fast ausschließlich im kraniofazialen Skelett auf.
Einteilung
Nach dem histologischen Aufbau werden ein kompaktes Osteom (Osteoma eburneum, sog. Elfenbeinosteom), ein spongiöses Osteom und ein gemischtes Osteom unterschieden. In allen Formen liegt reifer lamellärer Knochen ohne zelluläre Atypien vor.
Epidemiologie
Osteome sind die häufigsten gutartigen Knochentumoren des kraniofazialen Skeletts. Für die Nasennebenhöhlen werden in CT-Serien Häufigkeiten von etwa 3 % beschrieben. Osteome können in jedem Lebensalter auftreten, werden jedoch überwiegend im Erwachsenenalter diagnostiziert. Die Angaben zur Geschlechtsverteilung sind uneinheitlich.
Ätiologie
Die Ätiologie ist bisher (2026) nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden entwicklungsbedingte Faktoren, vorausgegangene Traumata sowie chronisch-entzündliche Prozesse.
Multiple Osteome können im Rahmen einer APC-assoziierten Polyposis auftreten, (insbesondere an Kalotte und Mandibula) und den intestinalen Manifestationen zeitlich vorausgehen. Sie sind selbst klinisch meist unproblematisch und zeigen keine maligne Transformation.
Lokalisation
- Nasennebenhöhlen: Häufigste Lokalisation, betroffen sind vor allem Stirnhöhle und Siebbeinzellen
- Kiefer: Osteome der Mandibula treten unter anderem am Unterrand des Corpus, am Ramus und im Bereich des Kondylus auf, seltener an der Maxilla
- Kalotte: meist kleine, breitbasig aufsitzende, hyperdense Läsionen der Tabula externa
- Äußerer Gehörgang: typischerweise unilateral, solitär und gestielt. Sie entspringen meist im Bereich der tympanosquamösen Sutur.
Beschrieben sind außerdem Osteome der Orbita, intrakranielle bzw. subdurale Osteome sowie – sehr selten – Osteome des Stammskeletts und der langen Röhrenknochen.
Klinik
Die Mehrzahl der Osteome ist asymptomatisch und wird als Zufallsbefund in der Bildgebung entdeckt. Die Symptomatik hängt von Größe, Lage und Wachstumsrichtung ab:
- kraniofazial allgemein: tastbare, derbe, schmerzlose Vorwölbung
- Nasennebenhöhlen: Kopfschmerzen, Druckgefühl über dem betroffenen Sinus, nasale Obstruktion, Rhinorrhö, Hyposmie
- Orbita: Exophthalmus, Diplopie, Visusminderung, bei Beteiligung der Tränenwege Epiphora
- Gehörgang: Hörminderung durch Verlegung, Cerumen- oder Sekretretention
- Kiefer: Asymmetrie, seltener Okklusionsstörung oder eingeschränkte Mundöffnung bei Kondylusbefall
Durch Verlegung des Ausführungsgangs einer Nasennebenhöhle kann ein Osteom den Sekretabfluss behindern und die Entstehung einer Mukozele begünstigen. Bei großen Osteomen sind durch Verdrängung oder Erosion angrenzender Strukturen selten Komplikationen möglich, darunter Mukopyozelen, orbitale Komplikationen, Liquorrhö und Pneumozephalus. Sekundäre intrakranielle Infektionen sind sehr selten.
Diagnostik
Osteome werden bildgebend diagnostiziert. Bei typischem Befund ist eine Biopsie nicht erforderlich. Methode der Wahl ist die Computertomographie. Charakteristisch ist eine scharf begrenzte, knochendichte Läsion mit breitbasigem oder gestieltem Ansatz. Die CT erlaubt die Beurteilung von Größe, Ansatzpunkt und Beziehung zu Nachbarstrukturen wie Orbita, Schädelbasis und Sinusostien.
Eine Magnetresonanztomographie kann ergänzend bei Verdacht auf Beteiligung von Weichgewebe, Orbita oder intrakraniellen Strukturen sowie zur Darstellung von Sekretretention und Mukozelen eingesetzt werden. Das Osteom selbst ist überwiegend signalarm.
Bei multiplen Osteomen sollte eine APC-assoziierte Polyposis erwogen und bei entsprechendem Verdacht eine humangenetische und gastroenterologische Abklärung veranlasst werden.
Differentialdiagnose
- Osteoid-Osteom
- Osteoblastom
- Enostose
- Exostose bzw. Torus palatinus/mandibularis
- Fibröse Dysplasie und ossifizierendes Fibrom
- Morbus Paget
- Meningeom vom En-plaque-Typ
Bei atypischer Begrenzung, Periostreaktion, Weichteilkomponente oder rascher Größenprogredienz sind weitere knöcherne Läsionen einschließlich maligner Tumoren zu berücksichtigen.
Therapie
Asymptomatische und kleine Osteome bedürfen in der Regel keiner Therapie. Je nach Befund kann eine klinische und bildgebende Verlaufskontrolle erfolgen. Eine operative Entfernung kommt insbesondere in Betracht bei:
- symptomatischen Befunden
- relevanter Größenprogredienz
- Obstruktion eines Sinusostiums
- Mukozele
- orbitaler, Schädelbasis- oder intrakranieller Beteiligung
- funktioneller Beeinträchtigung, z.B. Gehörgangsverlegung oder Okklusionsstörung
- ausgeprägter kosmetischer Beeinträchtigung
Die Indikation wird individuell unter Berücksichtigung von Größe, Lokalisation, Wachstum und Beziehung zu benachbarten Strukturen gestellt.
Prognose
Bei vollständiger Entfernung ist die Prognose sehr gut, Rezidive sind selten. Eine maligne Transformation ist nicht beschrieben. Bei ausgedehnten Befunden mit Beteiligung von Orbita oder Schädelbasis kann eine vollständige Resektion erschwert sein, sodass Restbefunde verbleiben und Revisionseingriffe erforderlich werden können.
Literatur
- Nielsen GP et al.; Osteoma. WHO Classification of Tumours Editorial Board. Soft Tissue and Bone Tumours. 5. Aufl. Lyon: IARC; 2020.
- Tarsitano A et al.; Craniofacial Osteomas: From Diagnosis to Therapy. J Clin Med. 2021;10(23):5584. doi:10.3390/jcm10235584.
- Yen T et al.; APC-Associated Polyposis Conditions. GeneReviews®. University of Washington, Seattle, abgerufen am 04.09.2026
- Sofokleous V et al.; Management of paranasal sinus osteomas: A comprehensive narrative review of the literature and an up-to-date grading system. Am J Otolaryngol. 2021;42(5):102644. doi:10.1016/j.amjoto.2020.102644. PMID:33799138.
- Erdogan N et al.; A prospective study of paranasal sinus osteomas in 1,889 cases: changing patterns of localization. Laryngoscope. 2009;119(12):2355-2359. doi:10.1002/lary.20646. PMID:19780030.
- Carbone PN, Nelson BL. External Auditory Osteoma. Head Neck Pathol. 2012;6(2):244-246. doi:10.1007/s12105-011-0314-7.
- Colas L et al.; Skull Vault Lesions: A Review. AJR Am J Roentgenol. 2015;205(4):840-847. doi:10.2214/AJR.14.13415.
- Lygeros S et al.; Unusual Manifestations of Sinonasal Osteomas: A Narrative Review. Clin Pract. 2026;16(7):126. doi:10.3390/clinpract16070126.