Neurotensin
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Loslegenvon altgriechisch: νεῦρον ("neuron") - Sehne, Nerv
von lateinisch: tensio - Spannung
Synonyme: NT, NTS
Englisch: neurotensin
Definition
Neurotensin ist ein aus 13 Aminosäuren bestehendes Neuropeptid, das im Zentralnervensystem als Neurotransmitter bzw. Neuromodulator und in der Peripherie – v.a. im Gastrointestinaltrakt – als Hormon wirkt. Es wurde 1973 von Carraway und Leeman aus dem Hypothalamus von Rindern isoliert.[1]
Biochemie
Das Peptid hat die Summenformel C78H121N21O20. Die C-terminale Region ist für die biologische Aktivität verantwortlich, während die N-terminale Region eine regulatorische Funktion einnimmt.
Synthese
Neurotensin wird als Teil eines 169–170 Aminosäuren langen Präkursor-Proteins gebildet, das auch das Neuropeptid Neuromedin N enthält, das in der C-terminalen Region Ähnlichkeiten zu Neurotensin aufweist. Die Prozessierung erfolgt durch Prohormonkonvertasen.[2][3]
Rezeptoren
Neurotensin vermittelt seine Effekte über drei Neurotensin-Rezeptoren. NTSR1 und NTSR2 sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren mit sieben Transmembrandomänen. NTSR1 besitzt die höchste Affinität und vermittelt die meisten Effekte. NTSR3 ist identisch mit dem Sortierrezeptor Sortilin – ein Typ-I-Membranrezeptor mit nur einer Transmembrandomäne, der nicht an G-Proteine gekoppelt ist.[4]
Funktion
Im Zentralnervensystem kommt Neurotensin v.a. im Hypothalamus, in der Amygdala und im Nucleus accumbens vor, wo es modulierende und regulatorische Rollen einnimmt.
ZNS
Neurotensin ist an der Regulation der hypophysären Prolaktin- und LH-Sekretion beteiligt. Es moduliert das dopaminerge System und besitzt antipsychotisch-ähnliche Eigenschaften. Zudem wirkt es an der Regulation von Körpertemperatur, Essverhalten, Fortbewegung und Analgesie mit.[5]
Gastrointestinaltrakt
Im Darm wird Neurotensin von den N-Zellen – enteroendokrinen Zellen v.a. des Ileums – gebildet und insbesondere nach fettreichen Mahlzeiten freigesetzt. Es moduliert die gastrointestinale Motilität, die Kontraktion der glatten Gefäßmuskulatur und die pankreatikobiliäre Sekretion sowie die Freisetzung von Insulin und Glukagon aus dem Pankreas.[6]
Klinik
Onkologie
Neurotensin ist ein starkes Mitogen. NT und insbesondere NTSR1 sind in zahlreichen Tumoren – u.a. kolorektalem, pankreatischem, Mammakarzinom, Prostatakarzinom und Lungenkarzinom – überexprimiert und mit einer schlechteren Prognose assoziiert.[4][7] NTSR1 wird daher als Zielstruktur für die molekulare Bildgebung und Radioligandentherapie untersucht.
Biomarker
Erhöhte Nüchternspiegel von Proneurotensin (Pro-NT) im Plasma sind mit einem erhöhten Risiko für Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Mammakarzinom und erhöhte Mortalität assoziiert – mit stärkerer Ausprägung bei Frauen.[8]
Neuropsychiatrie
Die Modulation des dopaminergen Systems und die antipsychotisch-ähnlichen Effekte lassen vermuten, dass Neurotensin als endogenes Neuroleptikum wirken könnte.
Quellen
- ↑ Carraway R, Leeman SE. The isolation of a new hypotensive peptide, neurotensin, from bovine hypothalami. J Biol Chem. 1973;248(19):6854-6861.
- ↑ Dobner PR et al. Cloning and sequence analysis of cDNA for the canine neurotensin/neuromedin N precursor. Proc Natl Acad Sci U S A. 1987.
- ↑ Kislauskis E et al. The rat gene encoding neurotensin and neuromedin N: structure, tissue-specific expression, and evolution of exon sequences. J Biol Chem. 1988.
- ↑ 4,0 4,1 Mazella J. Deciphering Mechanisms of Action of Sortilin/Neurotensin Receptor-3 in the Proliferation Regulation of Colorectal and Other Cancers. Int J Mol Sci. 2022;23(19):11888.
- ↑ Katz LM et al. Neurotensin-induced hypothermia improves neurologic outcome after hypoxic-ischemia. Crit Care Med. 2004.
- ↑ Friry C et al. Production of recombinant large proneurotensin/neuromedin N-derived peptides and characterization of their binding and biological activity. Biochem Biophys Res Commun. 2002.
- ↑ Wang X et al. Curcumin inhibits neurotensin-mediated interleukin-8 production and migration of HCT116 human colon cancer cells. Clin Cancer Res. 2006.
- ↑ Melander O et al. Plasma proneurotensin and incidence of diabetes, cardiovascular disease, breast cancer, and mortality. JAMA. 2012;308(14):1469-1475.