Multikanal-Impedanz-pH-Metrie
Synonyme: Ösophageale Impedanz-pH Messung
Englisch: Multichannel intraluminal impedance and pH monitoring
Definition
Die Multikanal-Impedanz-pH-Metrie, kurz MII-pH-Metrie, ist ein diagnostisches Verfahren zur gleichzeitigen Messung von pH-Wert und Impedanz im Ösophagus. Sie ermöglicht die differenzierte Erfassung von Refluxereignissen, unabhängig davon, ob diese sauer, neutral oder gasförmig sind.
Hintergrund
Die Impedanzmessung beruht auf der Bestimmung des elektrischen Widerstands zwischen mehreren Elektroden, die entlang einer Sonde angeordnet sind. Veränderungen der Impedanz weisen darauf hin, dass Flüssigkeit oder Gas im Ösophagus aufsteigt.
Im Gegensatz zur klassischen pH-Metrie, mit der ausschließlich saurer Reflux erfasst werden kann, registriert die reine Impedanzmessung zwar jeden retrograden Bolustransport, erlaubt jedoch keine Aussage über den pH-Wert. Die MII-pH-Metrie kombiniert beide Verfahren und ermöglicht dadurch eine umfassende und differenzierte Beurteilung des gastroösophagealen Refluxes.
Indikation
Die MII-pH-Metrie wird insbesondere eingesetzt bei:
- Nicht-sauren Refluxmanifestationen, z.B. bei Gallereflux
- persistierenden Refluxbeschwerden trotz Protonenpumpenhemmer (PPI)
- extraösophagealen Symptomen wie chronischem Husten, Heiserkeit oder Asthma
- präoperativer Abklärung vor einer Anti-Reflux-Chirurgie
- Verdacht auf nicht-erosive Refluxkrankheit (NERD)
Funktionsweise
Die Untersuchung beruht auf zwei Messprinzipien:
- pH-Messung: Ein Sensor registriert den Säuregehalt im Ösophagus und identifiziert auf diese Weise saure Refluxepisoden (pH < 4).
- Impedanzmessung: Mehrere Elektrodenpaare entlang der Sonde messen den elektrischen Widerstand. Bei leerem Ösophagus (Luft oder Gewebe) besteht ein hoher Widerstand, bei Flüssigkeit oder Gas in der Speiseröhre sinkt der Widerstand oder verändert sich.
Durchführung
Vor der Untersuchung muss der Patient in der Regel 6–8 Stunden nüchtern bleiben. Zusätzlich sollten säurehemmende Medikamente wie Protonenpumpenhemmer etwa sieben Tage vorher abgesetzt werden, um verfälschte Ergebnisse zu vermeiden.
Für die Untersuchung wird eine dünne Sonde über die Nase in den Ösophagus eingeführt. Die Messphase dauert in der Regel 24 Stunden. Während dieser Zeit führt der Patient ein Protokoll, in dem Mahlzeiten, Beschwerden, körperliche Aktivitäten und Schlafzeiten dokumentiert werden. Die Sonde registriert kontinuierlich pH-Wert und Impedanzänderungen, wodurch sich Refluxereignisse mit Symptomen analysieren lassen.
Auswertung
- Art der Refluxepisoden: Bei sauren Refluxepisoden liegt der pH < 4, nicht saure oder schwach saure Refluxereignisse zeigen eine Abnahme der Impedanz. Reflux, der beides zeigt, wird als gemischter Reflux klassifiziert.
- Art des Inhalts: Die Impedanzmessung erkennt, ob aufgestiegener Mageninhalt flüssig, gasförmig oder eine Mischung aus beidem ist. Flüssige Episoden zeigen einen längeren Abfall der Impedanz, gasförmige Episoden kurze Spitzen, und gemischte Episoden weisen beide Merkmale auf.
- Höhe und Ausbreitung: Die Auswertung zeigt, wie weit der Reflux im Ösophagus aufsteigt, ob nur im distalen, mittleren oder proximalen Ösophagus. So lässt sich erkennen, ob Reflux in den oberen Ösophagus oder Rachen gelangt.
- Dauer und Häufigkeit: Jede Episode wird in Dauer und Gesamtzahl erfasst. Daraus lässt sich die Säureexpositionszeit berechnen, ein zentraler Parameter für die Diagnose.
Zudem wird geprüft, welche Refluxereignisse zeitlich mit den Symptomen des Patienten korrelieren, um zu erkennen, welche Episoden tatsächlich Beschwerden verursachen. Auch die Gesamtsäurebelastung und nächtliche Refluxereignisse werden betrachtet.
Durch diese Auswertung lässt sich beurteilen, ob Reflux pathologisch ist und welche Therapie sinnvoll sein könnte.
Toleranz
Das Einführen der Sonde wird in der Regel gut toleriert. Essen und Trinken kann ein leichtes Fremdkörper- oder Druckgefühl im Hals verursachen, die normale Nahrungsaufnahme ist jedoch möglich. Auch das Sprechen bleibt in der Regel beeinträchtigungsfrei. Beim Liegen oder Schlafen kann die Sonde ein leichtes Ziehen auslösen, nach kurzer Zeit gewöhnen sich die meisten Patienten jedoch daran. Insgesamt beeinträchtigt die Sonde den Alltag nur minimal.