Metakognitives Training
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Synonym: Metakognitives Training für Psychosen
Englisch: metacognitive training, MCT
Definition
Das Metakognitive Training, kurz MKT, ist ein manualisiertes, psychoedukativ-kognitives Gruppenverfahren aus dem Spektrum der kognitiven Verhaltenstherapie. Es wurde für Patienten mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis entwickelt. Ziel ist es, kognitive Verzerrungen bewusst zu erkennen und zu hinterfragen, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Positivsymptomatik, insbesondere von Wahn, beitragen. Zugleich vermittelt das MKT alternative Denk- und Problemlösestrategien.
Davon abzugrenzen ist die Metakognitive Therapie nach Adrian Wells als eigenständiges Verfahren.
Hintergrund
Das MKT wurde von Steffen Moritz und Mitarbeitern am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickelt. Die Entwicklung begann Anfang der 2000er-Jahre. Seit 2003 wird das Trainingsprogramm am UKE eingesetzt und fortlaufend wissenschaftlich weiterentwickelt. Das MKT setzt an folgenden kognitiven Verzerrungen an:
- voreiliges Schlussfolgern (jumping to conclusions)
- Überkonfidenz bei fehlerhaften Urteilen und Erinnerungen
- mangelnde Korrigierbarkeit bei Gegenevidenz (bias against disconfirmatory evidence)
- verzerrter Attributionsstil
- soziale Kognition, insbesondere Theory of Mind
Ergänzend werden Stimmung, Selbstwert und Stigma bearbeitet.
Aufbau und Durchführung
Das aktuelle MKT für Psychosen umfasst 10 Module.[1] Es wird in offenen Gruppen ein- bis zweimal pro Woche durchgeführt. Da die Module in sich abgeschlossen sind, ist ein fortlaufender Einstieg möglich.
Die Inhalte werden präsentationsgestützt mit Übungen vermittelt, z.B. mit mehrdeutigen Bildern, Bildergeschichten und Gedächtnisaufgaben. Typische Denkfehler werden zunächst an neutralem Material erlebt. Erst danach werden sie auf eigene Erfahrungen und Symptome übertragen. Dieser Hintertür-Ansatz ermöglicht eine wenig konfrontative Auseinandersetzung mit den eigenen Denkverzerrungen.
Das MKT+ ist eine Einzeltherapievariante mit einer stärkeren Komponente der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT). Die Materialien werden vom UKE in zahlreichen Sprachen bereitgestellt. Ergänzend gibt es E-Learning-Angebote für Anwender.
Adaptionen
Primär dient das MKT der Behandlung von Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis mit Wahnsymptomatik. Für weitere Indikationen existieren angepasste Module:
- Depression (D-MKT)
- Borderline-Persönlichkeitsstörung (B-MKT)
- Zwangsstörung (Z-MKT)
Für diese Adaptionen ist die Evidenzlage geringer.
Einschränkungen und Kontraindikationen
Metakognitives Training ist eine ergänzende Intervention und ersetzt weder die akute psychiatrische Behandlung noch eine leitliniengerechte Psychopharmakotherapie oder Psychotherapie.[2][3]
Für die Gruppenteilnahme werden ausreichende Gruppenfähigkeit, eine hinreichende Aufmerksamkeit sowie ein ausreichendes Sprachverständnis vorausgesetzt; in einer akuten stationären Anwendung wurden fehlende Deutschkenntnisse als Ausschlusskriterium verwendet.[4]
Bei sehr ausgeprägter Positivsymptomatik, starker Desorganisation, erheblicher formaler Denkstörung oder fehlender Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den Inhalten wird Gruppen-MKT nicht empfohlen; dann kommen eher individualisierte Verfahren wie MKT+ oder eine individualisierte kognitive Verhaltenstherapie in Betracht.[5][3]
Bei akuter psychischer Destabilisierung, schwerer psychotischer Symptomatik oder fehlender Einwilligungsfähigkeit sollte die Teilnahme zurückgestellt bzw. an die klinische Situation angepasst werden.[4]
Wirksamkeit
Metaanalysen zeigen kleine bis moderate Effekte auf Positivsymptomatik und Wahn, die teilweise auch im Follow-up nachweisbar sind. Zum Teil treten Verbesserungen erst verzögert auf („sleeper effects“). Weitere positive Effekte betreffen Krankheitseinsicht und kognitive Verzerrungen. Die Akzeptanz des MKT ist hoch.
Einschränkend sind die Heterogenität der Studien und die begrenzte methodische Qualität einzelner Studien und Metaanalysen zu berücksichtigen.
Die S3-Leitlinie Schizophrenie empfiehlt das MKT zur Reduktion der Positivsymptomatik mit Empfehlungsgrad A.[6]
Literatur
- Moritz S, Woodward TS. Metacognitive training in schizophrenia: from basic research to knowledge translation and intervention. Curr Opin Psychiatry. 2007;20(6):619-625.
- Moritz S, Veckenstedt R, Andreou C, et al. Sustained and "sleeper" effects of group metacognitive training for schizophrenia: a randomized clinical trial. JAMA Psychiatry. 2014;71(10):1103-1111.
- Penney D, Sauvé G, Mendelson D, Thibaudeau É, Moritz S, Lepage M. Immediate and Sustained Outcomes and Moderators Associated With Metacognitive Training for Psychosis: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Psychiatry. 2022;79(5):417-429.
- Moritz S, Menon M, Balzan R, Woodward TS. Metacognitive training for psychosis (MCT): past, present, and future. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 2023;273(4):811-817.
- Meinhart A, Sauvé G, Schmueser A, et al. Metacognitive training for psychosis (MCT): a systematic meta-review of its effectiveness. Transl Psychiatry. 2025;15(1):156. Published 2025 Apr 22.
- Hauschildt M, Arlt S, Moritz S, Yassari AH, Jelinek L. Efficacy of metacognitive training for depression as add-on intervention for patients with depression in acute intensive psychiatric inpatient care: A randomized controlled trial. Clin Psychol Psychother. 2022;29(5):1542-1555.
- DGPPN (Hrsg.). S3-Leitlinie Schizophrenie (Living Guideline). Version 5.0 vom 13.06.2026. AWMF-Register Nr. 038-009.
- Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Metakognitives Training (MKT). abgerufen am 04.10.2026.
Quellen
- ↑ Forschungsbereich Neuropsychologie und Psychotherapie am UKE: Metakognitives Training (MKT) für Psychose, abgerufen am 04.10.2026
- ↑ Metacognitive approaches to the treatment of psychosis, PMC, 2018, abgerufen am 04.10.2026
- ↑ 3,0 3,1 Full article: Is metacognitive training for psychosis effective?, Expert Review of Neurotherapeutics, 2016
- ↑ 4,0 4,1 Metacognitive training in the acute psychiatric care setting: feasibility ..., PMC, 2023, abgerufen am 04.10.2026
- ↑ Metacognitive training for psychosis (MCT), 2025, abgerufen am 04.10.2026
- ↑ DGPPN: S3-Leitlinie Schizophrenie – Living Guideline, Leitlinienreport, Version 5.0, Stand 13.06.2026, AWMF-Registernummer 038-009, abgerufen am 04.10.2026